Aktion: Rollen tauschen

Alle Skizzen

  • Vielfalt des Zusammenlebens – den Familienbegriff erweitern und inklusiv denken

    Dauer:
    Entwickelt:
    Katharina Scholten in Dialog mit Hannah, Miki und Nargol

    Familie kann so vielfältig sein! Bildimpulse aus Malerei, Werbung und Medien machen die Vielzahl an Beziehungsformen sichtbar. Der Fokus weitet sich von der gesellschaftlich oft privilegierten Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) hin zu Eineltern-, Patchwork-, Wahl- und Regenbogenfamilien. Fragen wie „Wer kann alles Familie sein?“, „Muss Familie immer auf biologischer Abstammung basieren?“ und „Welche weiteren Formen des Zusammenlebens können angenommen werden?“ helfen – im theoretischen wie im praktischen Teil – das Verständnis der Schüler*innen vom Konzept „Familie“ zu erweitern.

    Kurzbeschreibung

    Familie kann so vielfältig sein! Bildimpulse aus Malerei, Werbung und Medien machen die Vielzahl an Beziehungsformen sichtbar. Der Fokus weitet sich von der gesellschaftlich oft privilegierten Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) hin zu Eineltern-, Patchwork-, Wahl- und Regenbogenfamilien. Fragen wie „Wer kann alles Familie sein?“, „Muss Familie immer auf biologischer Abstammung basieren?“ und „Welche weiteren Formen des Zusammenlebens können angenommen werden?“ helfen – im theoretischen wie im praktischen Teil – das Verständnis der Schüler*innen vom Konzept „Familie“ zu erweitern.

    Ziele

    • Kennenlernen von unterschiedlichen Familienkonstellationen
    • Sensibilisierung für vielfältige Formen des Zusammenlebens
    • Hinterfragen von normativen Zuweisungen
    • Reflexion über die Darstellung von Familienbildern bzw. -formen in Medien
    • Kritische Auseinandersetzung mit Familienbildern in der bildenden Kunst

    Materialien

    • Handout
    • Bildersammlung 
    • farbige Kärtchen und Permanentmarker  
    • Requisiten 
    • Kulissen (falls vorhanden) 
    • Handy zum Fotografieren 

    Verortung

    Dieses Unterrichtskonzept wurde entwickelt, um dominante eurozentristische Familienbilder kritisch zu hinterfragen und den Blick der Schüler*innen für vielfältige Familienkonstellationen zu öffnen. Ausgangspunkt war eine Analyse gängiger Schulbücher, in denen Familien überwiegend als weiße Kernfamilien („Vater, Mutter, Kind“) dargestellt werden. Die Unterrichtsskizze setzt dieser normativen Darstellung bewusst alternative Familienformen entgegen, um ihre Sichtbarkeit zu stärken und eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Begriff „Familie“ anzuregen.

    Die Unterrichtsskizze orientiert sich an mehreren Forschungsfragen:

    • Welche Familienbilder wählen Schüler*innen bevorzugt aus einer von der Lehrperson ausgewählten Bildersammlung? 
    • Welche Kriterien oder Assoziationen beeinflussen ihre Auswahl?
    • Und wie wirkt sich der Sprachgebrauch der Schüler*innen darauf aus, wie sie zwischen gesellschaftlich privilegierten und marginalisierten Familienformen unterscheiden?

    Durch die Analyse der Bildauswahl und die anschließende Reflexion werden implizite Normen sichtbar und für die Lernenden bearbeitbar.

    Zudem wird untersucht, welche Formen des Zusammenlebens im Unterricht benannt werden und welche Begriffe Schüler*innen verwenden, um diese zu beschreiben. Dieser Fokus auf Sprache ermöglicht eine Sensibilisierung für normative Zuschreibungen sowie für wertschätzende, diskriminierungsbewusste Ausdrucksweisen.

    Die Rolle der Lehrperson umfasst eine moderierende und unterstützende Funktion: Sie schafft Räume für Austausch, hört aufmerksam zu und achtet auf eine respektvolle Kommunikationskultur. Durch gezielte Impulse und offene Fragen unterstützt sie die Schüler*innen dabei, eigene Vorstellungen, mediale Prägungen und gesellschaftliche Normen bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren.

    Ablauf

    Einstieg

    Zu Beginn wird das Thema „Familienbilder“ über eine Gruppenarbeit eingeführt. Die Lehrperson bringt verschiedene Familienbilder mit, die als Grundlage für die gemeinsame Arbeit dienen. Die Bilder werden im Raum verteilt und die Schüler*innen stellen sich zu dem Bild, das sie spontan anspricht.

    Im Anschluss denken die Schüler*innen einzeln über ihr Bild nach. Leitfragen können unterstützen, z. B.:

    • Welche Körperhaltungen sind zu sehen?
    • Gibt es Gesten, die traditionell weiblich oder männlich codiert sind?
    • Welche ‚Sorge-Rollen‘ (Care-Arbeit) werden wem zugeschrieben?
    • Wirkt die dargestellte Familie eher nah oder distanziert?

    Die Beobachtungen werden in der Gruppe ausgetauscht. Gemeinsam sammeln die Schüler*innen Begriffe und Eindrücke, die sie mit dem Wort „Familie“ verbinden.

    Am Ende des Einstiegs präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum. Die Lehrperson moderiert den Austausch, sorgt für einen respektvollen Rahmen und unterstützt die Schüler*innen dabei, unterschiedliche Sichtweisen aufmerksam und kritisch zu betrachten.

    Praktischer Teil

    Im praktischen Teil analysieren die Schüler*innen ihr Bild, indem sie sich vorstellen, dass es ein Filmstill ist. Sie entwickeln gemeinsam eine kurze Szene: Worum könnte es gehen? Welche Beziehungen werden sichtbar? Wie könnte die Handlung weitergehen?

    In Kleingruppen planen sie eine fotografische Umsetzung ihrer „Family of Choice“-Szene. Dabei entscheiden sie bewusst, welche Rollen, Gesten und Körperhaltungen sie verwenden möchten, um die Beziehungsdynamik innerhalb der Gruppe auszudrücken – ohne auf stereotype Kostüme oder Verkleidungen zurückzugreifen.

    Die Schüler*innen gestalten ihre Szene fotografisch und reflektieren, welche gesellschaftlichen Bilder von Fürsorge, Verantwortung und Zugehörigkeit ihre Entscheidungen beeinflussen. Anstatt lediglich die dominante Rollenverteilung (Vater-Mutter-Kind) oder deren Umkehrung darzustellen, untersuchen sie, wie Familie jenseits dieser normativen Schablonen aussehen kann und wie Zusammengehörigkeit inszeniert wird.

    Sie prüfen kritisch, wann stereotype oder diskriminierende Darstellungen entstehen könnten, und überarbeiten diese entsprechend. Ein wichtiger Fokus liegt dabei darauf, Beziehungen darzustellen, statt Identitäten zu imitieren (z. B. keine Aneignung von ethnischen Merkmalen oder das karikieren von sexueller Orientierung).

    Die Lehrperson begleitet diesen Prozess, sensibilisiert für problematische Darstellungen (z. B. Reproduktion von rassistischen oder klassistischen Stereotypen) und moderiert Gespräche, in denen gängige Rollenbilder bewusst gemacht und dekonstruiert werden.

    Abschluss

    Zum Abschluss präsentieren die Gruppen ihre fotografischen Szenen und beschreiben, welche Beobachtungen oder Überlegungen für sie zentral waren. Die Lehrperson stellt Rückfragen, sichert eine wertschätzende Gesprächskultur und die Schüler*innen vergleichen die unterschiedlichen Sichtweisen. Gemeinsam reflektieren sie, wie vielfältig Familienbilder gelesen und interpretiert werden können.

    Reflexion und Anmerkungen

    Sowohl für den theoretischen als auch den praktischen Teil könnte mehr Zeit eingeplant werden, da sich auf Seite der Schüler*innen ein großes Interesse und Diskussionsbedarf zeigte.

    Die Bilderauswahl kann selbstverständlich auch erweitert werden und je nach Bedarf stärker differenzieren.

    In der praktischen Übung zeigte sich, dass die Schüler*innen das Thema auf einer weiteren Ebene bearbeiten können. Durch die fotografischen Inszenierungen stellten sie unterschiedliche Familienformen und Formen von Zusammengehörigkeit dar. Auffällig war, dass das Hineinschlüpfen in eine Rolle zwei Effekte hatte: Einerseits spiegelten die Schüler*innen gesellschaftlich gelernte Verhaltensmuster wieder, andererseits wurde durch die Rollenarbeit eine gewisse Distanz zur eigenen sozialen Position möglich.

    In der gemeinsamen Werkbetrachtung am Ende der Einheit zeigte sich eine zusätzliche Reflexionsebene: Die Schüler*innen nahmen zunehmend einen repräsentations- und gesellschaftskritischen Blick ein. Für mich als Lehrperson wurde dadurch sichtbar, wie bewusst oder unbewusst Rollenbilder, Normen und Zuschreibungen in ihren Darstellungen auftauchen – und wie produktiv diese Momente für eine kritische Auseinandersetzung genutzt werden können.

    Info Autor*innen

    Als Absolventin eines Romanistik Studiums für die Sprache Französisch an der Universität Wien (2020) und als  Lehramtsstudentin der beiden Unterrichtsfächer Französisch und Kunst & Gestaltung (seit 2021) darf ich meine  Begeisterung und Leidenschaft beider Fächer zukünftig in der Schule weitergeben. Mein besonderes Interesse an der  Soziologie und (inter)kulturellen Repräsentationen soll im Kunstunterricht Anklang finden. Derzeit unterrichte ich an  keiner Schule und fokussiere mich voll und ganz auf meine Ausbildung.

  • High Fashion – Strategische Dekonstruktion von Gendercodes

    Dauer:
    Entwickelt:
    Okan Alcay und Sophia Schlager in Dialog mit Nargol, Miki und Hannah

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Kurzbeschreibung

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Ziele

    • Auseinandersetzung mit der Schnittstelle von High Fashion und Kunst
    • Kennenlernen der Konstruktions- und Reproduktionsprozesse von Gendercodes
    • Analyse der Dekonstruktionsstrategien von Gendercodes in High Fashion 
    • Entwurf und Visualisierung eigener Designkonzepte
    • Zeichnerische und bildhauerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien
    • Kreation eines eigenen, konzeptuellen Designstücks 

    Materialien

    Für die Lehrperson

    • Klassenraum mit Projektor, elektronisches Endgerät, Drucker 
    • Karten mit abgebildeten Designstücken als Beispiele für High Fashion
    • Karten mit abgebildeten Designstücken von Rei Kawakubo
    • Vortrag zu Begriffserklärung von „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“
    • Vortrag zur Einführung zu Rei Kawakubo
    • Post-its
    • Handout mit den besprochenen künstlerischen Strategien 

    Für die Schüler*innen

    • Zeichenpapier (ca. 1,50 m × 1,80 m pro Schüler*in)
    • Papier für Vorskizzen
    • Verschiedenste Stifte
    • Diverse Materialien (Karton, Folien, Styropor, Textilien, etc.) 
    • Heißklebepistole und/oder Klebstoff
    • Scheren und/oder Skalpelle 
    • Die Schüler*innen können gebeten werden, eigene Materialien von zu Hause mitzubringen.
    • Hinweis: Ergebnisse hängen stark von den Materialien ab. 

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde zunächst im Rahmen eines Studienseminars von Lehramtsstudierenden durchgeführt und dann in Zusammenarbeit mit der kritilab Redaktion weiterentwickelt. Für die Durchführung des Unterrichts sind ausreichend Platz und genügend Materialien von Vorteil.

    Ablauf

    Einleitung

    Für die Einleitung in das Thema Dekonstruktion von Gendercodes in High Fashion werden den Schüler*innen zunächst Fotografien von Designstücken präsentiert.

    Anschließend erhalten die Schüler*innen die bereits ausgedruckten Fotografien als Karten und wählen eine Karte aus, um das Designstück zu beschreiben (Materialien, Form, Farbe …).

    Daraufhin werden die Begriffe „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“ erklärt.

    Im nächsten Schritt wird die Modedesignerin Rei Kawakubo vorgestellt, und ihre Designs werden im Kontext der Dekonstruktion von Gendercodes beleuchtet (auf Anfrage per Mail können wir auch eine bereits existierende Präsentation zur Verfügung stellen).

    Nach dieser Einführung wird eines ihrer Designstücke gemeinsam im Plenum beschrieben und hinsichtlich Form, Farbe und Materialität analysiert. Die Schüler*innen haben die Möglichkeit, ihre Beschreibung des eigenen Designstücks (ausgeteilte Einstiegskarten) mit Kawakubos Designstück zu vergleichen.

    Anschließend werden die künstlerischen Strategien von Rei Kawakubo mithilfe des Handouts (z.B. Übertreibung, Hybridisierung, Verhüllung, etc.) erarbeitet und diskutiert.

    In der nächsten Phase werden drei Fotos mit individuellen Designstücken von Rei Kawakubo als Plakate präsentiert. Die Schüler*innen identifizieren Schlagworte in Form von Adjektiven, um die Designstücke zu beschreiben, und notieren diese auf Post-its. Anschließend kleben die Schüler*innen ihre Post-its an die jeweiligen Fotos. Gemeinsam mit der Lehrperson analysieren die Schüler*innen die Sammlung der Wörter: Gibt es Wiederholungen? Können die Wörter in Kategorien (z. B. Material, Farbe …) unterteilt werden?

    Praktische Phase

    Die Schüler*innen beginnen mit der Anfertigung von Vorskizzen für ein eigenes Designstück. Dabei sollen die Entwürfe mit den traditionellen Gendercodes brechen und die Potenziale der Körperimagination durch Material und Form ausloten. Als Inspirationsquelle können sie Entwürfe von Rei Kawakubo heranziehen. Die Vorskizzen werden mit Stift auf A3-Papier erstellt.

    Folgende Fragen können für den Einstieg dienen.

    • Aus welchen Formen soll mein Design bestehen? 
    • Welche Stofflichkeiten/Oberflächen soll es enthalten?
    • Welches Material bietet sich für meine Ideen an?
    • Was will ich betonen und was will ich ändern?

    Die Vorskizzen werden im nächsten Schritt auf größeres Zeichenpapier übertragen (ca. 1,50 m × 1,80 m). Auf diesem Zeichenpapier sollen die Schüler*innen einen Körperumriss zeichnen, wobei auch „Fantasiekörper“ mitbedacht werden könnten. Die Körperumrisse können beispielsweise freihändig gezeichnet werden, oder die Schüler*innen helfen einander, ihre eigenen Umrisse nachzufahren.

    Anschließend sollen sie den auf dem Papier gezeichneten Körperumriss mit ihrem konzeptuellen Designstück einkleiden. Sie können dabei beispielsweise Materialien wie verschiedenste Stifte zum Zeichnen oder auch Karton, Folie, Styropor, Textilien, etc. zum Collagieren benutzen.

    Abschluss

    Nachdem die Schüler*innen ihre Arbeiten fertiggestellt haben, präsentieren sie diese vor der Klasse, betrachten sie gemeinsam und reflektieren. Dabei sollen die Schüler*innen auch benennen, welche künstlerische Strategie sie für die Dekonstruktion von Gendercodes angewendet haben (evtl. auch hier mit Post-its arbeiten).

    Info Autor*innen

    Ein erster Entwurf dieser Unterrichtsstunde wurde von zwei Lehramtsstudent*innen im Rahmen ihres Bachelorstudiums durchgeführt, die noch keine konkrete Erfahrung als Lehrperson besitzen, jedoch Erfahrungen in Nebentätigkeiten im schulischen Rahmen gesammelt haben.

  • Koloniale Bilder multiperspektivisch lesen lernen: Man Rays Foto “Noire et Blanche” (1926)

    Dauer:
    Entwickelt:
    Annette Schemmel in Dialog mit Eva und Hannah

    Warum sind in der Fotoarbeit „Noire et Blanche“ (1926) von Man Ray eine nackte weiße Frau und ein geschnitztes Gesicht zu sehen? Wo kommt die Holzmaske her? Warum hat Man Ray sie auf diese Weise inszeniert? Die Schüler*innen organisieren sich in kleinen Forschungsgruppen, um den Umständen bzw. den Machtverhältnissen zur Entstehungszeit des Kunstwerkes nachzugehen und präsentieren anschließend in einem Rollenspiel der Klasse ihre Ergebnisse.

    Ressourcen

    Eine kritische Einführung in den Stand der kunstwissenschaftlichen Forschung von Kerstin Pinther mit dem Titel „Die Kunst Afrikas“, C.H. Beck Wissen, 2022

    Eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte und des Kontexts des Kunstwerks von Kunst- und Fotohistorikerin und Kuratorin Wendy Grossman,  “Unmasking Man Ray’s Noire Et Blanche.” American Art, 2006.

    Kurzbeschreibung

    Warum sind in der Fotoarbeit „Noire et Blanche“ (1926) von Man Ray eine nackte weiße Frau und ein geschnitztes Gesicht zu sehen? Wo kommt die Holzmaske her? Warum hat Man Ray sie auf diese Weise inszeniert? Die Schüler*innen organisieren sich in kleinen Forschungsgruppen, um den Umständen bzw. den Machtverhältnissen zur Entstehungszeit des Kunstwerkes nachzugehen und präsentieren anschließend in einem Rollenspiel der Klasse ihre Ergebnisse.

    Ziele

    • Bilder kritisch hinterfragen lernen
    • Die Begriffe Exotismus und Othering kennenlernen und verstehen 
    • Die Konstruktion von Differenz und Polarisierung verstehen und koloniale Denkmuster im Heute und Jetzt reflektieren
    • Die eurozentristische Weltsicht (der Kunstgeschichtsschreibung) erkennen 
    • Die Differenziertheit von Ausdrucksformen und von ästhetischen Konzepten des afrikanischen Kontinents erfassen
    • Kulturelle Aneignung und Cultural Appreciation verstehen und kritisch hinterfragen
    • anhand einer Forschungsfrage mit Recherchemethoden experimentieren
    • Forschungsergebnisse auswerten, vorstellen und gemeinsam reflektieren
    • Verschiedene Rollen und Perspektiven entwickeln und vertreten
    • mit Zweideutigkeit umgehen lernen (Ambiguitätstoleranz)

    Materialien

    • Internetzugang für jede Gruppe mittels Tablet, Computer oder Smartphones
    • Fotokopien der Arbeitsblätter und der Recherchequellen
    • Accessoires und Requisiten für die Talk-Show (Moderationskarten, auffällige Brille, Perücke …)

    Ablauf

    Intro

    Eines der berühmten Fotos des amerikanischen Künstlers Man Ray trägt den Titel „Noire et Blanche“ und wurde 1926  erstmals in der Pariser Zeitschrift Vogue veröffentlicht. Das Foto, das auch in vielen Schulbüchern abgebildet ist, zeigt die Nachbildung einer Portrait-Maske. Derartige Masken wurden traditionell in der Gesellschaft der Baule (heutige Elfenbeinküste) zur Würdigung verdienter Mitglieder der Gemeinschaft im Zuge von Performances aktiviert. Ähnlich wie viele andere moderne Künstler*innen seiner Zeit hat Man Ray sich hier ein außereuropäisches Artefakt angeeignet, um es nach seinem Geschmack in Szene zu setzen. 

    Im Rahmen einer experimentellen Werkanalyse untersuchen die Schüler*innen die Verstrickungen dieses Kunstwerkes mit den gesellschaftspolitischen Machtverhältnissen zur Entstehungszeit. Indem detailliertes Kontextwissen über ein westafrikanisches Artefakt von den Schüler*innen selbst recherchiert wird, erweitern sie zudem den Horizont ihres (Kunst-)Geschichtsverständnisses.

    In dieser Unterrichtseinheit lernen Jugendliche, sich dem von Man Ray inszenierten Artefakt mit wissenschaftlicher Sorgfalt und aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. So können verallgemeinernde und stereotype Wahrnehmungen von “afrikanischen Kulturen” und Masken abgebaut werden. Wenn sie dann in einem zweiten Schritt diese Perspektiven in einem Rollenspiel als Expert*innen in einer Talk Show selbst verkörpern, können sie sich auf unterhaltsame Weise der Ambivalenz, der künstlerischen Komplexität sowie der möglichen Gewalt von kulturellen Aneignungen wie derjenigen durch Man Ray bewusst werden.

    Vorgehensweise

    Bildbetrachtung

    Man Rays Foto „Noire et Blanche“ wird gemeinsam in der Klasse betrachtet und erste Eindrücke, Beschreibungen und Beobachtungen gesammelt. Was sehen wir? Wie steht der Fotograf, wie stehen Betrachter*innen zur Entstehungszeit und wir heute dem Bild gegenüber?

    Ein*e Jugendliche*r kann die gesammelten Eindrücke aufschreiben, um die Beobachtungen zu mappen. 

    Recherchieren aus verschiedenen Blickwinkeln 

    Um die Auseinandersetzung zu vertiefen, werden kleine Arbeitsgruppen von 3–4 Personen gebildet. Jede Arbeitsgruppe wählt eines der aufgeführten Themen zur Bearbeitung und entwickelt so eine Art Spezialexpertise zu Aspekten des historischen Fotos. Dazu wird jeder Gruppe ein Arbeitsblatt [siehe Ressourcen] bereitgestellt, das Wissensbausteine und weitere Ressourcen enthält. 

    Forschungsgruppe 1: Woher kommt die Maske? Welche Funktion hat sie im Entstehungsland? Zur Pflege welcher Traditionen, für welche Rituale wurde sie genutzt? 

    Forschungsgruppe 2: Wie kamen Porträt-Masken in die Museen des Nordens und warum gibt es seit einigen Jahren die Restitutionsdebatte? 

    Forschungsgruppe 3: Wie werden afrikanische Artefakte typischerweise von modernen Fotografen des Globalen Nordens inszeniert?

    Forschungsgruppe 4: Wer ist die Frau auf dem Foto?  Welche Schönheitsideale verkörpert Sie, wie ist sie geschminkt? 

    Forschungsgruppe 5: Wer ist Man Ray: Wo, wann, warum hat er das Werk so inszeniert? Was können wir herausfinden? Was sind Fakten, was ist Interpretation?

    Forschungsgruppe 6: Was ist “Exotismus”? Wann und warum tritt er auf? Was hat Exotismus mit Othering und Rassifizierung zu tun?

    Performatives Diskutieren der Ergebnisse als Rollenspiel

    Vertreter*innen, Rollenverteilung
    Die Präsentation der Recherche erfolgt in einem Rollenspiel der Vertreter*innen der einzelnen Forschungsgruppen.

    Diese nehmen passend zu ihrem Recherchethema Expert*innen-Rollen ein, sie verkörpern dann zum Beispiel die Direktorin des Metropolitan Museums, in dem eine ähnliche Maske ausgestellt ist, eine Aktivist*in/ Diskriminierungsbeauftragten, die Othering und Rassismus im Alltag bekämpft, die Herausgeber*in der Vogue, in der das Foto erschienen ist oder Man Ray selbst, der Auskunft über die Entstehung des Werkes gibt, etc.

    Wer mag, kann sich mit Requisiten ausstatten, um besser in die Rolle schlüpfen zu können.

    Präsentation Talk-Show

    Die Lehrkraft übernimmt die Moderation der Talk-Show. Die Expert*innen, die ihr Wissen zur Schau stellen und es mit demjenigen der Anderen vernetzen, können auf ihr “Forschungsteam” zurückgreifen und diesem Fragen weitergeben.

    Abschluss

    Die Lehrkraft fasst die Ergebnisse zusammen und bespricht abschließend mit der Klasse die Frage: Was hat der Exotismus der europäischen Moderne mit Othering und Rassismus zu tun? Welche Vorstellungen schwingen in verallgemeinernden Begriffen wie “afrikanische Maske”  mit? Sammelt Gründe, warum hier differenzierte Bezeichnungen sinnvoll und sogar erforderlich sind. 

    Reflexion und Anmerkungen

    Ich experimentiere seit 2018 im Unterricht mit Man Rays Foto, ursprünglich als Paradebeispiel des Surrealismus im Sinne von Lautréamont. Die Untersuchungen der Entstehungsgeschichte und des Kontexts dieses Kunstwerks durch die Kunst- und Fotohistorikerin Wendy A. Grossman haben meine Lektüre des Bildes entscheidend weitergebracht. Weil es sich um ein ebenso populäres wie schwieriges Bild handelt, habe ich meine didaktische Herangehensweise verschiedentlich zur Diskussion gestellt, u.a. beim Symposium ‚Exploring Visual Cultures‘ in Cape Town, South Africa (2019). 

    Auch praktisch habe ich zu diesem Foto mit Schüler*innen gearbeitet: Unsere kritische Aktualisierung ist seit 2020 im Münchner Museum Fünf Kontinente in der Afrikaabteilung ausgestellt und im Museumsfernsehen auch online zu sehen. Die Ausgabe Kunst + Unterricht „Global South: Fokus Afrika“ (2025) stellt die überarbeitete, praktische Unterrichtsidee vor. Die Kritilab-Redaktion sah jedoch bei der praktischen Umsetzung, die die Effekte von formalen und inhaltlichen Kontrasten in der Fotografie zum Gegenstand hatte, “die Gefahr, dass das problematische Othering (Schwarz/weiß) in den Schüler*innenarbeiten wiederholt wird.” 

    Aus dieser Vorgeschichte entstand im Dialog die vorliegende didaktische Konzeption, die mittels einer multiperspektivischen und performativen Herangehensweise Perspektivwechsel ermöglichen soll. Auch diese Konzeption sollte weiterentwickelt werden, ich freue mich schon auf Erfahrungsberichte und Veränderungsvorschläge!

    Info Autor*innen

    Seit 2017 unterrichte ich Kunst als Doppelfach am Gymnasium und bilde am Lehrstuhl für Fachdidaktik der Akademie der Bildenden Künste München die nächste Generation Kunstlehrkräfte mit aus. Man Rays Fotografie und ihre Implikationen interessieren mich aus einer diskriminierungskritischen Perspektive und auch in meinen anderen Rollen – als Kuratorin und als Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt zeitgenössisches Afrika.

  • Unsere Körper als Skulptur-performative Strategien

    Dauer:
    Entwickelt:
    Lea Geerkens, in Dialog mit Eva

    In dieser spielerischen Erkundung von performativen Strategien wird der eigene Körper im Raum, in Bezug zu Alltagsgegenständen und in Verbindung mit den Mitschüler*innen erprobt und für ein Foto inszeniert.

    Kurzbeschreibung

    In dieser spielerischen Erkundung von performativen Strategien wird der eigene Körper im Raum, in Bezug zu Alltagsgegenständen und in Verbindung mit den Mitschüler*innen erprobt und für ein Foto inszeniert.

    Ziele

    • Bilder mit dem eigenen Körper formen und das “Bild werden” des eigenen Körpers erfahren 
    • Mit der eigenen Sichtbarkeit und Auftritt experimentieren
    • Mit anderen durch Bewegung in Kontakt kommen und körperliche, räumliche Konstellationen bilden
    • Körperpräsenz stärken und Angst vor dem Gesehenwerden vermindern
    • Perfektionismus verringern
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung schulen 
    • Körperzuschreibungen verlernen

    Materialien

    • IPad oder Handy mit Verbindungsmöglichkeit zum Beamer 
    • Platz in der Mitte des Klassenzimmers oder Flur

    Ablauf

    Zum Einstieg (5 min) wird eine kurze Körperübung gemacht, die für die eigene Körperwahrnehmung im Raum und zu den Mitschüler*innen sensibilisiert.

    „Stellt euch einfach gerade hin, wer möchte, kann kurz die Augen schließen. Nehmt die Kontaktpunkte von euren Füßen zum Boden bewusst wahr. Nehmt die Geräusche um euch herum wahr. Was hört ihr im Klassenzimmer? Was außerhalb? Falls noch jemand zur Tür hereinkommt, nehmt die Geräusche wahr. Spürt, wo sich euer Körper müde anfühlt.“

    Einführung: (20 min)
    Als Einführung zum Thema Performance werden Beispiele von Valie Export, Francis Alÿs, Trisha Brown und Erwin Wurm gezeigt und anschließend besprochen: Was habt ihr gesehen? Wie heißt diese Kunstform? Was macht sie aus? Welche Rolle spielt der Körper?

    Valie Export Performances, 1980er

    Francis Alÿs, Cuentos patróticos 1997

    Francis Alÿs, Paradox of Praxis 1

    Trisha Brown

    Warm-up Übungen (15 min) 
    Um Platz zu machen werden alle Tische zur Seite geschoben.

    • Warm-up Übung 1: Durch den Raum gehen, 3 x Freeze

    „Nutzt die Zwischenräume, achtet aufeinander, wenn ich Freeze sage, bleibt wie versteinert stehen. Achtet darauf, dass man jede kleinste Bewegung, wie Augenrollen und Fingerbewegungen sieht.“

    • Warm-up Übung 2: Skulpturen formen

    Vorab hinweisen, dass es nicht um große, extrovertierte Übungen geht, dass nichts falsch gemacht werden kann.

    Hefeteig-Metapher:
    „Geht zu zweit zusammen, eine Person spielt jetzt Bildhauer*in, die andere Person ist die Skulptur. Die Bildhauer*in berührt die Skulptur (unter Konzens) an Gelenken. Die Skulptur stellt sich vor, dass der Körper an dieser Stelle wie Hefeteig nach außen expandiert.”

     →Wechsel

    Vertrocknungs-Metapher:
    „Gleiche Übung nochmal machen, nur stellt ihr euch jetzt vor, dass ihr bei jeder Berührung nach innen hin zusammenschrumpft, wie ein vertrocknendes Blatt.“

    Zwischenfrage: Wie habt ihr euch als Skulptur gefühlt?

    Arbeitsauftrag (30min)
    Zuerst werden die One Minute Sculptures von Erwin Wurm angesehen.

    1. Bildet kleine Gruppen (3-4 Schüler*innen) und formt verschiedene „lebende Skulpturen“.
    2. Haltet diese durch Fotos oder kurze Videos fest
    3. Zeigt anschließend euer Resultat der Klasse mit dem Beamer

    “Beachtet bei der Zusammenarbeit folgende Punkte:

    Kann sich die Skulptur bewegen? Macht sie Sound? Spielt mit dem Verschwinden von Gesichtern. Wie könnt ihr zu einem großen Körper werden? Benutzt evtl. Pullis, Jacken oder Objekte.” 

    “Spielt mit der Orientierung im Raum. Wie steht die Skulptur im Raum? Reagiert sie auf die Architektur? Was passiert, wenn Teile der lebenden Skulptur, weiter hinten im Raum stehen? Beim Fotografieren: spielt mit der Perspektive.”

    Austausch und Nachbesprechung
    Dann werden die gemachten Fotos und Videos gezeigt und gemeinsam besprochen. 

    “Welchen Namen würdet Ihr eurer Skulptur geben?”

    Reflexion und Anmerkungen

    Beim nächsten Mal würde ich weniger Künstler*innen zum Einstieg zeigen. Die Warm-up Phase könnte länger werden, zum Beispiel mit zusätzlichen Übungen: 

    Die Aktionen könnten weiter im öffentlichen Raum stattfinden

    Erneut durch den Raum gehen, bei Freeze zu zweit eine Skulptur formen, beim nächsten Freeze zu dritt 

    zu zweit zusammengehen und eine Skulptur formen, die eine repetitive Bewegung macht. Wer möchte, zeigt seine Skulptur der Klasse live.

    Info Autor*innen

    Lea ist Studierende der Kunstvermittlung und testet im Praktikum die ersten Unterrichtsideen. Die Übungen für diese Stunde wurden in diversen Tanzstunden und Performance Seminaren entwickelt. Seit einigen Jahren arbeitet Lea auch in außerschulischen kunstpädagogischen Bereichen.

  • Stühle der Macht – Kommunikation über Sitzpositionen

    Dauer:
    Entwickelt:
    Elias Barnreiter, im Dialog mit Eva & Hannah

    Welche Wirkung hat meine Sitzposition auf andere? Wie beeinflusst meine Körperhaltung wie ich auf andere wirke? Und welche Rolle spielt das Stuhldesign dabei, bestimmte Machtdynamiken zu verstärken oder aber Hierarchien abzubauen?

    Kurzbeschreibung

    Welche Wirkung hat meine Sitzposition auf andere? Wie beeinflusst meine Körperhaltung wie ich auf andere wirke? Und welche Rolle spielt das Stuhldesign dabei, bestimmte Machtdynamiken zu verstärken oder aber Hierarchien abzubauen?

    Ziele

    • Die Bedeutung von verschiedenen Stuhldesigns kritisch analysieren (historisch und im eigenen Alltag)
    • Durch spielerische Selbstinzenierung, Positionierung und anhand digitaler Collage verschiedene Gesten und Rollen erkunden und ihre Bedeutung in Bezug auf Machtrepräsentation reflektieren.

    Materialien

    • iPads/PCs, App „Magic Eraser“

    Ablauf

    Einführung
    Um an die Lebenswelt der Schüler*innen anzuknüpfen, werden diese aufgefordert aufzustehen und ihren Stuhl zu betrachten. Fragen wie „Was sind Merkmale des Stuhls, auf dem ihr jetzt sitzt?“ oder „Wo seid ihr heute schon überall gesessen?“ regen eine erste Sensibilisierung für die Bedeutung von Stühlen und Sitzen im Alltag an.

    Dann wird die Herkunft des Stuhls und die Geschichte des Sitzens aufgezeigt. Dabei werden Wirkungen (Machtdemonstration/Gleichheit/ Demokratie) und Merkmale der verschiedenen Sitzmöglichkeiten aufgezeigt.

    Aktion
    Anschließend werden in kleinen Gruppen (3–4) zunächst Fotos in neutraler Körperhaltung und Mimik von allen Gruppenmitgliedern gemacht. Mit der App „Magic Eraser“ werden die Personen ausgeschnitten und mit einer Collagefunktion jeweils auf den Thron und den demokratischen Stuhl gesetzt.

    Gemeinsam können die gemachten Fotos betrachtet und die Wirkung der Stühle verglichen werden. Der vorher neutrale Ausdruck der Schüler*innen kann jetzt als vom Stuhle beeinflusst wahrgenommen werden.

    Danach werden nochmals Fotos gemacht mit dem Unterschied, dass die Schüler*innen nun mit ihrer Körperhaltung, Mimik und Gestik experimentieren, um so die vorgegebene Wirkung der Stühle entweder zu verstärken oder dieser entgegenzuwirken.

    Beobachtung, Reflexion
    Die Ergebnisse werden im Plenum betrachtet und deren Wirkung diskutiert. Zum Abschluss erfolgt eine gemeinsame Reflexion anhand der Fragen:

    Was hat euch am meisten Spaß gemacht?

    Was ist euch beim Arbeiten aufgefallen?

  • Mode ohne Geschlechtergrenzen – ein Fotoprojekt

    Dauer:
    Entwickelt:
    Zoe Much, im Dialog mit Eva & Chalo

    Stellt euch vor, ihr seid Fotograf*innen & Stylist*innen eines genderneutralen Fashion Labels. Ihr kreiert eine Fotostrecke die genau das widerspiegelt und mit Stereotypen und binären Sichtweisen auf Geschlecht und Mode bricht.

    Text „Genderless Fashion: Mode ohne Geschlechtergrenzen“ (Berliner Fashion Week, 29.07.2022)

    Queerness in Photography | C/O Berlin (co-berlin.org).

    Claude Cahun, französische Künstler*in, Fotograf*in, Darsteller*in, Aktivist*in und Schriftsteller*in des Surrealismus (Nantes 1894– 1954).

    Catherine Opie – Balenciaga’s Autumn 2018 collection

    Kurzbeschreibung

    Stellt euch vor, ihr seid Fotograf*innen & Stylist*innen eines genderneutralen Fashion Labels. Ihr kreiert eine Fotostrecke die genau das widerspiegelt und mit Stereotypen und binären Sichtweisen auf Geschlecht und Mode bricht.

    Ziele

    • Mit Mode, Identität und Körper experimentieren
    • Binäre Sichtweise (auf Mode) öffnen
    • Zusammenarbeit in Gruppen lernen
    • Bildkonzepte entwerfen und visualisieren
    • Fotografische Auseinandersetzung mit einem Thema, Konzept, Motiv, Ästhetik, Lichtsituation, Bildaufbau etc.

    Materialien

    Kameras oder Handys.
    Wenn möglich: Beleuchtungsmöglichkeiten, Lampen, Blitz, Farbfolien, farbige Stoffe, Kleidungsstücke, Accessoires, MakeUp, Schmuck etc.

    Ablauf

    Einführung (erste Doppelstunde)

    Das Thema kann mit einem Zitat: des japanischen Modedesigners Yohji Yamamoto eingeführt werden: „I always wonder who decided that there should be a difference in the clothes of men and women“ 1983.

    Diskussion in der Klasse über die Frage: Welche Kleidungsstücke oder Styling Elemente sind gesellschaftlich eher mit einem bestimmten Geschlecht behaftet und welche sind es nicht oder eher weniger ? Hierzu gehören auch Frisuren, Makeup, Schmuck, Accessoires …

    Gemeinsames Lesen des Textes: „Genderless Fashion: Mode ohne Geschlechtergrenzen“ (Berliner Fashion Week, 29.07.2022)

    Kurzer Einblick in die westliche Modegeschichte des 20. Jahrhunderts um zu zeigen wie binäre Sichtweisen Mode geprägt hat und prägt – und wie sich verändernde gesellschaftliche Denkmuster in der Mode widergespiegelt werden.

    Hier können Bildbeispiele dienen, die auf die Veränderung von Stereotypisierungen eingehen, zum Beispiel Klischee-Farben Rosa-Blau oder Hosen bzw. Röcken als spezifisch geänderte Kleidungsstücke. (siehe Powerpoint Präsentation)

    Mögliche Beispiele aus der Kunst und Fotografie wären folgende Webseiten, die die Schüler*innen selbstständig erkunden könnten.

    • Queerness in Photography | C/O Berlin (co-berlin.org).
    • Claude Cahun, französische Künstler*in, Fotograf*in, Darsteller*in, Aktivist*in und Schriftsteller*in des Surrealismus (Nantes 1894– 1954).
    • Catherine Opie – Balenciaga’s Autumn 2018 collection

    Aktion (zweite Doppelstunde)
    Aufgabe: Stellt euch vor, ihr seid Fotograf*innen & Stylist*innen eines genderfluiden/genderneutralen Fashion Labels. Ihr kreiert eine Fotostrecke die genau das widerspiegelt und mit Stereotypen und binären Sichtweisen auf Geschlecht und Mode bricht.

    Dies kann umgesetzt werden durch
    – Close-ups (Nahaufnahmen) von Posen oder Teilen bestimmter Körperteile
    – Kleidungsstücke, Schmuck, Make-up, Frisuren
    – durch Cross-dressing oder genderfluid Styling.
    – Stylingelemente oder Kleidungsstücke, die mit keinem Geschlecht behaftet sind
    – oder durch andere Ideen, die euch einfallen

    Ideen entwickeln und vorstellen
    Zum „Aufwärmen“ bilden die Schüler*innen kleine Teams, stellen Posen aus den Beispielen nach und dokumentieren dies fotografisch. Hier geht es zunächst darum ohne Utensilien oder Accessoires verschiedene Posen und den Bildaufbau auszuprobieren.

    Dann werden in Einzelarbeit eine oder mehrere konkrete Fotoideen zeichnerisch oder schriftlich skizziert – und die benötigten Materialien geklärt. Die Ideenskizzen werden anschließend im Plenum gegenseitig vorgestellt und besprochen.

    Fotografieren und Ergebnisse vorstellen (dritte Doppelstunde)
    Die Schüler*innen bringen die Accessoires mit, die sie für die Umsetzung ihrer Fotoideen benötigen, zum Beispiel Schmuck, Stoffe, Kleidungsstücke, Accessoires, Make-up, Nagellack, etc.

    In 2-er Teams wird gemeinsam je eine Motividee von jeder Person inszeniert und fotografiert und dabei spielerisch Bildaufbau, Licht, Kontrast, Farbigkeit erkundet.

    Im Plenum werden dann die Fotografien gezeigt und Komposition und die getroffenen ästhetischen Entscheidungen besprochen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Schüler*innen selbst „rosa und blau“ „Junge oder Mädchen“ googlen lassen, statt nur von meiner Erfahrung der Google Suche zu berichten.

    Je nach Klasse bei Gruppenarbeit die Gruppengröße festlegen.