Kategorie: Repräsentation

Alle Skizzen

  • Antike Münzen – Symbole politischer Macht

    Dauer:
    Entwickelt:
    Jakob Wilsdorf, in Dialog mit Hannah

    Was haben Münzen mit Patriarchat zu tun? Wer ist darauf abgebildet? Anhand von Herrscher*innenbildern auf römischen Münzen werden historische, politische Machtverhältnisse thematisiert. In einem Akt des Empowerments prägen Schüler*innen Münzen mit eigenen Porträts.

    Kurzbeschreibung

    Was haben Münzen mit Patriarchat zu tun? Wer ist darauf abgebildet? Anhand von Herrscher*innenbildern auf römischen Münzen werden historische, politische Machtverhältnisse thematisiert. In einem Akt des Empowerments prägen Schüler*innen Münzen mit eigenen Porträts.

    Ziele

    • Politiken der Repräsentation kritisch hinterfragen und in aktuelle Kontexte setzen
    • Sich über historische patriarchale Machtverhältnisse Gedanken machen und mit heutigen Vorstellungen abgleichen
    • Kritische Auseinandersetzung mit Proportionsschemata für Gesichtsdarstellungen und deren Umsetzung in die Praxis reflektieren
    • Beispiele römischer Kunst kennenlernen und deren Kontexte und historische Lebenswelten erforschen 
    • Spezifische Eigenschaften des Materials Metall, Darstellungsformen wie Profil, Porträt und dreidimensionale Techniken wie Relief und Prägung entdecken
    • Typografische Charakteristika der römischen Antiqua erkunden (zum Beispiel Serifen)
    • Respektvoll auf die porträtierte Tischnachbar*in eingehen, ihre Charakteristika erfassen und die gezeichnete Darstellung mit ihr abstimmen.

    Materialien

    • 1 Prägefolie (A4) pro Schüler*in 
    • DinA4 Kopierpapier, Zeitungspapier
    • Blechschere(n)
    • Bleistifte, Radiergummi, Spitzer
    • Malerkrepp
    • eventuell Feder, Tinte, Scheren, Klebestifte (siehe Reflexion)
    • Materialien

    Ablauf

    Einführung 

    Münzen bieten als historische Quelle eine gute Möglichkeit über politische Programme und patriarchale Machtverhältnisse nachzudenken, da alle Bewohner*innen des römischen Reiches mit ihnen zu tun hatten. Mit der gemeinsamen Münzanalyse zu Beginn der Stunde kann die Klasse sensibilisiert werden, was für eine Macht bestimmte Darstellungen haben können und welche politischen Aussagen dahinter stecken. 

    Als Einstieg in ein gemeinsames Gespräch kann der Klasse ein Bild einer typisch römischen Herrschermünze gezeigt werden: Inhaltlich könnte diskutiert werden: Wer ist dargestellt? Welches Geschlecht? Wie wird die Person dargestellt? Was für eine berufliche Position könnt ihr euch bei der abgebildeten Person vorstellen? Wer kann entscheiden, welche Motive auf die Münze kommen und wer nicht? Und welche Ziele könnten hinter den Motiven stecken? Wer sieht die Münzabbildungen alles? Wer hat mit Münzen überhaupt zu tun?

    Welche formale, technische Charakteristika können entdeckt werden?  Zum Beispiel Darstellung im Profil, dreidimensionale Effekte durch Vertiefungen und Erhöhungen im Material, typografische Charakteristika, wie Großbuchstaben und Serifen, Slogan-artige kurze Texte, die die Machtposition der abgebildeten Personen unterstreichen.

    Erste Skizzen und Slogans

    Dann porträtieren die Schüler*innen den*die Banknachbar*in, um diese*n möglichst machtvoll auf der Prägefolie zu inszenieren. Die Zeichnungen werden mit Bleistift auf A4 Kopierpapier angefertigt. Ein einfaches Proportionsschema dient hierbei als Grundlage. Individuelle Charakterzüge des Gesichts werden beobachtet und gezeichnet.In Absprache mit dem/der Banknachbar*in werden kurze personalisierte Slogans für die Porträts erdacht, um die empowernde Wirkung der Zeichnung noch zu verstärken und mit Bleistift kreisrund um die Abbildung geschrieben (zum Beispiel “Power-Paula”, “Kevinner”, “Mona zieht durch”, “Macher-Max” …).

    Für den nächsten Schritt, empfiehlt es sich, die entstandenen Zeichnungen zu kopieren.

    Prägen

    Die Grafiken werden auf die Metall-Prägefolien gelegt und mit einem robusten Stift (Bleistift, Kugelschreiber) nachgefahren. Eine großzügige Lage Zeitungspapier als Unterlage vereinfacht aufgrund der weicheren Oberfläche das Prägen. Um ein Verrutschen der Vorlage zu vermeiden, können die Papiere mit Malerkrepp auf der Folie fixiert werden. 

    Zunächst müssen nur die groben Konturen des Gesichts und die Buchstaben übertragen werden. Nach der Prägung kann das Papier von der Metallfolie getrennt werden. In einer anschließenden Nachbearbeitung können Details hervorgehoben und plastische Effekte eingearbeitet werden. Zum Beispiel können einzelne Vertiefungen bei Pupille, Nasenlöcher und Mund verstärkt und/oder hervortretende Bereiche, wie Wange, Kinn, Nase, … durch Druck von der Rückseite herausgedrückt und Haare mit feinen Strukturen versehen werden. Die Leserlichkeit der Schrift kann durch Nacharbeiten der Serifen verbessert werden. Zum Schluss kann das Motiv mit einer Metallschere kreisrund ausgeschnitten werden, um die Prägung in Münzform zu bringen. Der Münzrand kann noch mit einem feinen Muster versehen werden.

    Ergebnisse vorstellen und besprechen

    Die bereits fertigen Schüler*innen überlegen sich schon für die Münzen eine gemeinsame Präsentationsmöglichkeit im Klassenzimmer. Zusammen werden gezeigten Münzen angeschaut und besprochen: Welche Unterschiede nehmt ihr zwischen den römischen und den angefertigten Münzen wahr? Was bedeutet es, sich selbst oder anderen Macht oder Autorität zu verleihen? Fallen euch aktuelle Situationen ein, in denen Menschen ihre Macht durch die Verbreitung von Selbstbildnissen stärken?

    Reflexion und Anmerkungen

    In der skizzierten Stunde werden die Porträts mithilfe eines klassischen europäisch geprägten Proportionsschemas angefertigt. Generell trifft eine solche Normierung des menschlichen Körpers nur auf einen sehr kleinen Teil der Menschen zu und ist kritisch zu betrachten. Dennoch kann das Schema für den Zeichenprozess der Schüler*innen eine Orientierung bieten. 

    In der Phase des Porträtierens besteht die Gefahr, dass sich die Porträtierten durch die Darstellungen anderer verletzt fühlen. Das Thema kann entschärft werden, indem nicht der/die Nachbar*in porträtiert wird, sondern mithilfe von Fotos oder Spiegeln Selbstporträts angefertigt werden.

    Die Darstellungen auf den Münzen bieten zudem an, auf die Funktion des Zahlungsmittels als Propaganda-Instrument einzugehen.

    Das Thema lässt sich gut mit einer Sequenz zu Typografie ergänzen. Die Slogans könnten beispielsweise auf einem separaten Blatt mit Feder geschrieben und dann nachträglich auf das Blatt mit dem Porträt aufgeklebt werden. {nochmal bei L. nachfragen}

    Info Autor*innen

    Seit 2020 arbeitet Jakob als Kunstlehrkraft am Gymnasium in Oberstdorf. Die Unterrichtssequenzen hat er in leichten Variationen wiederholt durchgeführt

  • Politische Dimensionen von Kostümen – am Beispiel der Künstler*innengruppe »Ndaku ya la vie est belle« aus Kinshasa

    Dauer:
    Entwickelt:
    Celine Buldun, Lea Wilsdorf in Dialog mit Eva

    Ein Kleid aus abgetragenen Socken, ein Umhang aus abgefahrenen Reifen, ein Mantel aus weggeworfenen Transistorradios – die Kostüme der kongolesischen Künstler*innengruppe »Ndaku ya la vie est belle« laden zu einer Vielfalt an ästhetisch-politischen Beobachtungen und Interpretationen ein. Diese kunsttheoretische Unterrichtsstunde führt via Werkanalyse in postkoloniale Themen ein.


    Kurzbeschreibung

    Ein Kleid aus abgetragenen Socken, ein Umhang aus abgefahrenen Reifen, ein Mantel aus weggeworfenen Transistorradios – die Kostüme der kongolesischen Künstler*innengruppe »Ndaku ya la vie est belle« laden zu einer Vielfalt an ästhetisch-politischen Beobachtungen und Interpretationen ein. Diese kunsttheoretische Unterrichtsstunde führt via Werkanalyse in postkoloniale Themen ein.

    Ziele

    • Den eurozentristischen Kanon öffnen und zeitgenössische Kunstwerke aus der Demokratischen Republik Kongo kennenlernen
    • Bildnerische Gestaltungsmittel (Form, Proportion, Materialien, Oberflächen) und deren politischen Kontexte untersuchen
    • Materialien und Bewegung als Ausdrucksmittel und Bedeutungsträger verstehen
    • Den Einbezug des Körpers, als auch den Einbezug des öffentlichen Raumes als künstlerische Strategie begreifen
    • Rituelle Merkmale in den performativen Arbeiten ergründen
    • Soziale, ökologische und gesellschaftliche Fragestellungen in der Gruppenpräsentation reflektieren
    • Durch Gruppenarbeit Teamfähigkeit fördern
    • Fähigkeiten in der Werkerschließung entwickeln

    Materialien

    • Beamer, PC, Tafel
    • Arbeitsblätter Analyse für die Gruppenarbeit (siehe Ressourcen)
    • 1–2 Tablets, evtl. Kopfhörer

    Ablauf

    Einführung
    Die Stunde wird eingeleitet mit der gemeinsamen Betrachtung der Kostüme. Kurze Einführung mit Hilfe des Arbeitsblatt #1 (bei Bedarf gerne uns kontaktieren). Erste Annäherung in einer gemeinsamen Reflexion: In welcher Weise kommen die verwendeten Alltagsmaterialien der gezeigten Kostüme mit dem Körper der jeweiligen Darsteller*in zusammen? Und was ist der Zweck des Tragens eines Kostüms?

    Werkanalyse
    In kleinen Gruppen wird jeweils eines der drei Kostüme analysiert (Arbeitsblätter AB #2 bis #4). Eine weitere Gruppe untersucht die performativen Aspekte der Kostüme und ihrer Aufführung mittels Video Clips (Tablets/Kopfhörern, siehe AB #5). Auf den Arbeitsblättern werden erste Eindrücke und Gestaltungszusammenhänge notiert.

    Diskussion
    Die Ergebnisse der drei Gruppen werden präsentiert und Gemeinsamkeiten, Gestaltungsweisen und Funktion der Kostüme herausgestellt. Dann sehen die Schüler*innen Videoaufnahmen (siehe Links) der Momente des Tragens, die Situation des Präsentierens und die damit verbundenen Rituale an. Die vierte Gruppe diskutiert daraufhin ihre Ergebnisse zur Analyse des Videos.

    Reflexion und Transfer
    Abschließend wird die Bedeutung der rituellen, symbolischen Handlungen reflektiert und die Bedeutung des öffentlichen Raumes im Vergleich zum Tafelbild und zum Ort des Museums.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Unterrichtstunde lädt zu verschiedenen praktischen Experimenten ein:

    • Kostüme selbst zeichnerisch zu entwickeln.
    • dreidimensionale Gestaltung von Kostümen (in Gruppenarbeit) sowie eine fotografische Dokumentation der Kostümpräsentation und Inszenierung.

    Ausgehend von selbstgewählten Materialien und deren Verarbeitung zu Kostümen entwickeln Schüler*innen Konzepte für eine Botschaft oder Aussage aus ihrer Lebenswelt (z.B. Recherche zu Müllproduktion in der Schule).

    Lehrplan: Dieses Unterrichtskonzept ist geeignet für verschiedene Jahrgangsstufen. Der bayerische Lehrplan für die 11. Jahrgangsstufe legt den Fokus auf die Untersuchung der wechselseitigen Einflüsse von Werken europäischer und außereuropäischer Kunst im Zusammenhang mit Inspiration, Transformation, Aneignung und Vereinnahmung. In der 13. Jahrgangsstufe steht die Auseinandersetzung mit den Mitteln der Werkerschließung und sinnvollen Fragestellungen im Umgang mit dem Thema Körper in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Vordergrund.

    Info Autor*innen

    Hier kommen die Inhalte

  • Den Alltag abformen: positiv-negativ

    Dauer:
    Entwickelt:
    Leonid Hrytsak, im Dialog mit Eva

    Egal ob Kopfhörer, Schlüsselbund oder Handyhülle – mittels Abdrücken mitgebrachter Alltagsgegenstände entdecken die Schüler*innen die Technik des Negativ-Positiv-Formens und des Gipsgießens. Sie lernen Fragen der Komposition kennen und gewinnen Einblicke in die Lebenswelten der Mitschüler*innen.


    Kurzbeschreibung

    Egal ob Kopfhörer, Schlüsselbund oder Handyhülle – mittels Abdrücken mitgebrachter Alltagsgegenstände entdecken die Schüler*innen die Technik des Negativ-Positiv-Formens und des Gipsgießens. Sie lernen Fragen der Komposition kennen und gewinnen Einblicke in die Lebenswelten der Mitschüler*innen.

    Ziele

    • Spielerisch an drei-dimensionales Arbeiten heranführen
    • Alltagswelten der Schüler*innen thematisieren, validierenüber mitgebrachte Objekte
    • Begegnungen und Verbindungen schaffen

    Materialien

    Ton, Holzbretter, Trennmittel (Vaseline), Gips, mitgebrachte Alltagsgegenstände

    Ablauf

    Einführung
    Zum Einstieg könnten die Schüler*innen schon fertig gestellte Gipsguss-Reliefs, die im Klassenzimmer gezeigt werden, aus der Nähe ansehen, berühren und deren Herstellungstechnik besprechen. Anschließend wird gemeinsam darüber nachgedacht werden, ob es in der Nachbarschaft Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt, die durch Abguss Verfahren hergestellt sind. Andernfalls könnten auch anhand von Bildbeispielen Materialien, Herstellungsprozess und evtl. die geschichtliche Einordnung der gezeigten Werke besprochen werden (mit Büchern, Handouts oder Präsentation).

    Dann werden die einzelnen Schritte des Arbeitsprozesses erklärt und auf was man achten muss. (Siehe Arbeitsblatt). Hier wird auch nochmal erklärt, welche plastische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. z. B. Objektabdrücke, Freihand-Modellierung oder auch Negativform als mögliches Endprodukt.

    Aktion
    Die Schüler*innen bringen 3 (kleinere) Gegenstände aus ihrem Alltag und ihrer Lebenswelt mit. (Münzen, Haarspangen, Schraubenzieher, Handyhülle, Schmuck, etc)

    In Kleingruppen (2–4) wird ein Bett aus Ton vorbereitet in das die Schüler*innen eine Auswahl der mitgebrachten Gegenstände abdrücken. Dabei wird auf die Konstellation und Komposition der ausgewählten Gegenstände geachtet (Größe, Form). Es können auch Strukturen bzw. Oberflächen mit der Hand modelliert werden. Damit der Gips nicht an den Objekten kleben bleibt werden diese mit Vaseline bepinselt.

    Dann wird eine Kiste gebaut aus Holz, Ton oder Pappe, die Negativplatte mit vier Wänden umschließt. Die Kiste wird dann mit angerührtem Gips gefüllt. (siehe Abb.)

    Wenn der Gips abgebunden hat, werden zuerst die Formwände und dann das noch feuchte Tonbett vorsichtig abgenommen. Falls noch weitere Tonreste an Hinterschneidungen hängen bleiben, kann man diese mit einem spitzen Modellierwerkzeug entfernen.

    Die Reliefplatte, die die Positivformen zeigt, könnte auch farbig gestaltet werden, mit Sprühfarbe, Trockenpigment oder Acryl/Wasserfarbe.

    Reflexion und Anmerkungen

    {nochmal bei L. nachfragen}