Aktion: sichtbar machen

Alle Skizzen

  • Bild und Bildaussage: Die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verschieben

    Dauer:
    Entwickelt:
    Brigitta Mate und Sophia Budimir in Dialog mit Miki, Nargol und Hannah

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Kurzbeschreibung

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Ziele

    • Verständnis von Bildsprache und visueller Kommunikation 
    • Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen 
    • Analyse- und Interpretationskompetenz 
    • Kreative Gestaltungskompetenz 
    • Kooperation und Präsentationsfähigkeit

    Materialien

    • Ausdrucke oder digitale Präsentationen der ausgewählten Kunstwerke: Arbeitsblätter mit Leitfragen zur Bildsprache und Technik, QR-Codes  
    • Notizzettel oder Kärtchen (für die Sammlung gestalterischer Mittel) 
    • DIN A4 Zeichenkarton oder dickeres Papier 
    • Ausdrucke oder Kopien der Ausgangsbilder (die verändert werden sollen) 
    • Alte Zeitschriften, Magazine, Zeitungen (für Collagen) 
    • Scheren, Cutter, Klebestifte oder Flüssigkleber, Buntstifte, Filzstifte, Fineliner, Marker, Deckweiß, Tipp-Ex (für Übermalungen), ggf. Schablonen, Stempel, Strukturmaterialien (z. B. Stoffreste, Folien) ->malen theoretisch auch möglich, beansprucht aber mehr Zeit

    Ablauf

    Einführung

    Die Schüler*innen setzen sich mit der Frage auseinander, wie Bilder als Mittel der Kommunikation genutzt werden und welche Botschaften sie transportieren können. Im Zentrum der Unterrichtsskizze stehen die Themen Bildsprache, visuelle Kommunikation und eine diskriminierungskritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. Es wird empfohlen, den Schüler*innen Begriffe wie “visuelle Kommunikation” und “Semiotik”  zu erklären.

    Bildanalyse

    Im nächsten Schritt wird eine Auswahl von künstlerischen Arbeiten gezeigt, die gesellschaftliche Themen diskriminierungskritisch beleuchten. Durch das Analysieren der Werke lernen die Schüler*innen über verschiedene Diskriminierungsformen.

    Die Arbeiten zeigen, wie durch gezielte künstlerische Eingriffe, etwa Collage, Schrift oder Gegenüberstellungen, bestehende Bilder verändert und mit neuer Bedeutung aufgeladen werden können. Da sie alle durch eine kritische Neugestaltung eines bestehenden Bildes entstanden sind können sie als Inspiration für die praktische Aufgabe dienen.

    Stationsarbeit

    Es werden mehrere Arbeitsstationen eingerichtet, an denen jeweils eine künstlerische Arbeit vertiefend bearbeitet werden kann. Zu jeder Station steht ein Arbeitsblatt bereit, das sowohl Informationen zur jeweiligen Arbeit als auch gezielte Fragen zur Bildsprache und zu den eingesetzten Techniken enthält. Ergänzend bieten QR-Codes weiterführende Inhalte zur Vertiefung.

    Die Schüler*innen bewegen sich selbstständig und im eigenen Tempo durch den Raum und bearbeiten die Stationen in beliebiger Reihenfolge. Am Ende sollten alle von jedem Arbeitsblatt ein Exemplar durchgearbeitet haben, wobei zumindest die Hälfte der Fragen beantwortet sein sollte.

    Arbeit als Paare

    In Partner*innenarbeit sammeln die Schüler*innen anschließend die künstlerischen Strategien und Verfahren, die in den analysierten Werken eingesetzt wurden, und halten diese auf einzelnen Zetteln fest. Nach der Betrachtung der Kunstwerke und der Bearbeitung der Fragen wird erwartet, dass sie die verwendeten Strategien und künstlerischen Mittel – etwa Hell-Dunkel-Kontrast, Zerschneiden, Übermalung, Collage oder den Einsatz von Schriftfarbe – erkennen und benennen können. Anschließend werden die Zettel von der Lehrkraft eingesammelt.

    Mindmap als Vertiefung

    Zur Vertiefung werden die zuvor entstandenen Zettel zufällig ausgeteilt. Die Schüler*innen werden anschließend aufgefordert, gemeinsam eine Mindmap zu erstellen, indem sie die Zettel in Gruppierungen an die Tafel kleben bzw. hängen. Mögliche Kategorien, die von der Lehrkraft vorgegeben werden können, sind etwa: inhaltliche Strategien, stilistische Strategien, Schriftgestaltung, Farbgestaltung, Techniken und Blickführung.

    Alle können jederzeit an die Tafel treten, etwas hinzufügen oder umgruppieren, solange am Ende jeder Zettel seinen passenden „Platz“ gefunden hat. Diese Übung vertieft die gesammelten Techniken und erleichtert das anschließende Brainstorming für die eigene kreative Arbeit.

    Materialsuche – daheim

    Für das weitere Arbeiten sollen alle Schüler*innen Bilder aus den Medien (z. B. Zeitungen, sozialen Medien, Plakaten etc.) auswählen, die sie kritisch betrachten, und überlegen, wie deren Aussage durch die genannten Verfahren verändert werden könnte. Die ausgewählten Bilder sollen der Lehrperson per Mail geschickt werden, damit sie ausgedruckt werden können. 

    Die Lehrperson sollte vorab überprüfen, ob die zugeschickten Bilder verfassungsfeindliche Symbole oder potenziell retraumatisierende Darstellungen von Gewalt enthalten, und gegebenenfalls eine alternative Auswahl anfordern.

    Zudem ist es essenziell, dass die Lehrkraft die spezifische Sensibilität und die Diversität der Schüler*innengruppe berücksichtigt. Da Bildmaterial unbewusste Diskriminierungen reproduzieren oder schmerzhafte Erfahrungen (Trigger) auslösen kann, sollte die Auswahl sensibel auf mögliche Marginalisierungserfahrungen abgestimmt sein.

    Ergänzend hierzu sollte die Lehrperson explizit kommunizieren, dass das Wohlbefinden der Lernenden Vorrang hat: Ein transparenter Disclaimer zu Beginn macht deutlich, dass sich Schüler*innen jederzeit melden können – sei es durch ein vereinbartes Zeichen oder im direkten Gespräch –, falls sie sich mit Inhalten unwohl fühlen. Den Lernenden sollte dabei die Freiheit zugestanden werden, sich ohne Rechtfertigungsdruck kurzzeitig aus der Situation zu entziehen.

    Praktisches Arbeiten

    Für das praktische Arbeiten wählen die Schüler*innen eigene Bilder aus, die sie als problematisch empfinden, und gestalten daraus diskriminierungskritische Kunstwerke im DIN-A4-Format. Die bereits ausgedruckten Bilder werden jeweils jener Person ausgeteilt, die sie zuvor der Lehrperson geschickt hat. Zusätzlich stellt die Lehrperson weiteres Material wie Bilder, Zeitungen und Broschüren bereit, da antizipiert werden kann, dass ein Teil der Schüler*innen das eigene Material vergisst. So können sich all diejenigen spontan von den dortigen Motiven inspirieren lassen und diese bearbeiten.

    Bei der Gestaltung setzen die Schüler*innen die zuvor erarbeiteten Techniken ein, um die ursprüngliche Bildaussage zu dekonstruieren und neu zu interpretieren. Durch den Einsatz von Schrift, Collage, Übermalung, Kontrasten und weiteren gestalterischen Mitteln entwickeln sie individuelle Arbeiten, die einen kritischen Blick auf ein selbstgewähltes gesellschaftliches Thema werfen.

    Präsentation

    Nach der praktischen Arbeit werden die entstandenen Werke in Form eines Gallery Walks betrachtet. Die Schüler*innen präsentieren dabei ihre eigenen Arbeiten, um eine authentische Selbstrepräsentation zu gewährleisten und Fehlinterpretationen oder „Over-Explaining“ durch andere zu vermeiden.

    Im Anschluss teilen die übrigen Schüler*innen ihre Beobachtungen, Fragen oder Gedanken mit der Gruppe. Dabei können sie darauf eingehen, welche Kritik das Werk formuliert und welche gestalterischen Mittel eingesetzt wurden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

    Optional kann die Lehrperson die Ergebnisse am Ende in einem gemeinsamen Heft oder einer digitalen Sammlung dokumentieren und der Klasse zur Verfügung stellen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Schüler*innen hatten eine Doppelstunde Zeit für die Praxis. Das bedeutete, dass sie ihr Kunstwerk innerhalb einer einzigen Stunde fertigstellen mussten, was den kreativen Prozess stark unter Zeitdruck setzte. Wir würden das nächste MAl mehr Zeit geben. -> Jedoch muss man dazu sagen, dass oft genau der Zeitdruck zu besseren Ergebnissen führen kann, weil man sich nicht zu lange überlegen kann, sondern direkt einfach anfangen. Dies hat sich auch bei den tollen Ergebnissen der Schüler*innen gezeigt 

    -Außerdem war es aus Zeitgründen leider nicht möglich, alle Ergebnisse gemeinsam anzuschauen. Wir konnten nur etwa 6–7 Arbeiten im Plenum besprechen. Dabei wäre es sicherlich spannend gewesen, alle Werke zu sehen, da sie sehr unterschiedliche Perspektiven und Themen aufgegriffen haben. Für eine zukünftige Durchführung würden wir daher überlegen, wie man eine individuelle Präsentationsform integrieren könnte, zum Beispiel in Form eines Gallery Walks oder durch eine Präsentation in Kleingruppen.

    Info Autor*innen

    Brigitta Mate und Sophia Budimir sind Studierende der Kunsthochschule Mainz und studieren Kunst auf Lehramt. Sophia ist in einer Medienklasse und Brigitta in einer Bildhauereiklasse. Beide haben ihr orientierendes Praktikum in der Schule absolviert und nahmen an kunstpädagogischen Projekten teil.

  • Vielfalt des Zusammenlebens – den Familienbegriff erweitern und inklusiv denken

    Dauer:
    Entwickelt:
    Katharina Scholten in Dialog mit Hannah, Miki und Nargol

    Familie kann so vielfältig sein! Bildimpulse aus Malerei, Werbung und Medien machen die Vielzahl an Beziehungsformen sichtbar. Der Fokus weitet sich von der gesellschaftlich oft privilegierten Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) hin zu Eineltern-, Patchwork-, Wahl- und Regenbogenfamilien. Fragen wie „Wer kann alles Familie sein?“, „Muss Familie immer auf biologischer Abstammung basieren?“ und „Welche weiteren Formen des Zusammenlebens können angenommen werden?“ helfen – im theoretischen wie im praktischen Teil – das Verständnis der Schüler*innen vom Konzept „Familie“ zu erweitern.

    Kurzbeschreibung

    Familie kann so vielfältig sein! Bildimpulse aus Malerei, Werbung und Medien machen die Vielzahl an Beziehungsformen sichtbar. Der Fokus weitet sich von der gesellschaftlich oft privilegierten Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) hin zu Eineltern-, Patchwork-, Wahl- und Regenbogenfamilien. Fragen wie „Wer kann alles Familie sein?“, „Muss Familie immer auf biologischer Abstammung basieren?“ und „Welche weiteren Formen des Zusammenlebens können angenommen werden?“ helfen – im theoretischen wie im praktischen Teil – das Verständnis der Schüler*innen vom Konzept „Familie“ zu erweitern.

    Ziele

    • Kennenlernen von unterschiedlichen Familienkonstellationen
    • Sensibilisierung für vielfältige Formen des Zusammenlebens
    • Hinterfragen von normativen Zuweisungen
    • Reflexion über die Darstellung von Familienbildern bzw. -formen in Medien
    • Kritische Auseinandersetzung mit Familienbildern in der bildenden Kunst

    Materialien

    • Handout
    • Bildersammlung 
    • farbige Kärtchen und Permanentmarker  
    • Requisiten 
    • Kulissen (falls vorhanden) 
    • Handy zum Fotografieren 

    Verortung

    Dieses Unterrichtskonzept wurde entwickelt, um dominante eurozentristische Familienbilder kritisch zu hinterfragen und den Blick der Schüler*innen für vielfältige Familienkonstellationen zu öffnen. Ausgangspunkt war eine Analyse gängiger Schulbücher, in denen Familien überwiegend als weiße Kernfamilien („Vater, Mutter, Kind“) dargestellt werden. Die Unterrichtsskizze setzt dieser normativen Darstellung bewusst alternative Familienformen entgegen, um ihre Sichtbarkeit zu stärken und eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Begriff „Familie“ anzuregen.

    Die Unterrichtsskizze orientiert sich an mehreren Forschungsfragen:

    • Welche Familienbilder wählen Schüler*innen bevorzugt aus einer von der Lehrperson ausgewählten Bildersammlung? 
    • Welche Kriterien oder Assoziationen beeinflussen ihre Auswahl?
    • Und wie wirkt sich der Sprachgebrauch der Schüler*innen darauf aus, wie sie zwischen gesellschaftlich privilegierten und marginalisierten Familienformen unterscheiden?

    Durch die Analyse der Bildauswahl und die anschließende Reflexion werden implizite Normen sichtbar und für die Lernenden bearbeitbar.

    Zudem wird untersucht, welche Formen des Zusammenlebens im Unterricht benannt werden und welche Begriffe Schüler*innen verwenden, um diese zu beschreiben. Dieser Fokus auf Sprache ermöglicht eine Sensibilisierung für normative Zuschreibungen sowie für wertschätzende, diskriminierungsbewusste Ausdrucksweisen.

    Die Rolle der Lehrperson umfasst eine moderierende und unterstützende Funktion: Sie schafft Räume für Austausch, hört aufmerksam zu und achtet auf eine respektvolle Kommunikationskultur. Durch gezielte Impulse und offene Fragen unterstützt sie die Schüler*innen dabei, eigene Vorstellungen, mediale Prägungen und gesellschaftliche Normen bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren.

    Ablauf

    Einstieg

    Zu Beginn wird das Thema „Familienbilder“ über eine Gruppenarbeit eingeführt. Die Lehrperson bringt verschiedene Familienbilder mit, die als Grundlage für die gemeinsame Arbeit dienen. Die Bilder werden im Raum verteilt und die Schüler*innen stellen sich zu dem Bild, das sie spontan anspricht.

    Im Anschluss denken die Schüler*innen einzeln über ihr Bild nach. Leitfragen können unterstützen, z. B.:

    • Welche Körperhaltungen sind zu sehen?
    • Gibt es Gesten, die traditionell weiblich oder männlich codiert sind?
    • Welche ‚Sorge-Rollen‘ (Care-Arbeit) werden wem zugeschrieben?
    • Wirkt die dargestellte Familie eher nah oder distanziert?

    Die Beobachtungen werden in der Gruppe ausgetauscht. Gemeinsam sammeln die Schüler*innen Begriffe und Eindrücke, die sie mit dem Wort „Familie“ verbinden.

    Am Ende des Einstiegs präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum. Die Lehrperson moderiert den Austausch, sorgt für einen respektvollen Rahmen und unterstützt die Schüler*innen dabei, unterschiedliche Sichtweisen aufmerksam und kritisch zu betrachten.

    Praktischer Teil

    Im praktischen Teil analysieren die Schüler*innen ihr Bild, indem sie sich vorstellen, dass es ein Filmstill ist. Sie entwickeln gemeinsam eine kurze Szene: Worum könnte es gehen? Welche Beziehungen werden sichtbar? Wie könnte die Handlung weitergehen?

    In Kleingruppen planen sie eine fotografische Umsetzung ihrer „Family of Choice“-Szene. Dabei entscheiden sie bewusst, welche Rollen, Gesten und Körperhaltungen sie verwenden möchten, um die Beziehungsdynamik innerhalb der Gruppe auszudrücken – ohne auf stereotype Kostüme oder Verkleidungen zurückzugreifen.

    Die Schüler*innen gestalten ihre Szene fotografisch und reflektieren, welche gesellschaftlichen Bilder von Fürsorge, Verantwortung und Zugehörigkeit ihre Entscheidungen beeinflussen. Anstatt lediglich die dominante Rollenverteilung (Vater-Mutter-Kind) oder deren Umkehrung darzustellen, untersuchen sie, wie Familie jenseits dieser normativen Schablonen aussehen kann und wie Zusammengehörigkeit inszeniert wird.

    Sie prüfen kritisch, wann stereotype oder diskriminierende Darstellungen entstehen könnten, und überarbeiten diese entsprechend. Ein wichtiger Fokus liegt dabei darauf, Beziehungen darzustellen, statt Identitäten zu imitieren (z. B. keine Aneignung von ethnischen Merkmalen oder das karikieren von sexueller Orientierung).

    Die Lehrperson begleitet diesen Prozess, sensibilisiert für problematische Darstellungen (z. B. Reproduktion von rassistischen oder klassistischen Stereotypen) und moderiert Gespräche, in denen gängige Rollenbilder bewusst gemacht und dekonstruiert werden.

    Abschluss

    Zum Abschluss präsentieren die Gruppen ihre fotografischen Szenen und beschreiben, welche Beobachtungen oder Überlegungen für sie zentral waren. Die Lehrperson stellt Rückfragen, sichert eine wertschätzende Gesprächskultur und die Schüler*innen vergleichen die unterschiedlichen Sichtweisen. Gemeinsam reflektieren sie, wie vielfältig Familienbilder gelesen und interpretiert werden können.

    Reflexion und Anmerkungen

    Sowohl für den theoretischen als auch den praktischen Teil könnte mehr Zeit eingeplant werden, da sich auf Seite der Schüler*innen ein großes Interesse und Diskussionsbedarf zeigte.

    Die Bilderauswahl kann selbstverständlich auch erweitert werden und je nach Bedarf stärker differenzieren.

    In der praktischen Übung zeigte sich, dass die Schüler*innen das Thema auf einer weiteren Ebene bearbeiten können. Durch die fotografischen Inszenierungen stellten sie unterschiedliche Familienformen und Formen von Zusammengehörigkeit dar. Auffällig war, dass das Hineinschlüpfen in eine Rolle zwei Effekte hatte: Einerseits spiegelten die Schüler*innen gesellschaftlich gelernte Verhaltensmuster wieder, andererseits wurde durch die Rollenarbeit eine gewisse Distanz zur eigenen sozialen Position möglich.

    In der gemeinsamen Werkbetrachtung am Ende der Einheit zeigte sich eine zusätzliche Reflexionsebene: Die Schüler*innen nahmen zunehmend einen repräsentations- und gesellschaftskritischen Blick ein. Für mich als Lehrperson wurde dadurch sichtbar, wie bewusst oder unbewusst Rollenbilder, Normen und Zuschreibungen in ihren Darstellungen auftauchen – und wie produktiv diese Momente für eine kritische Auseinandersetzung genutzt werden können.

    Info Autor*innen

    Als Absolventin eines Romanistik Studiums für die Sprache Französisch an der Universität Wien (2020) und als  Lehramtsstudentin der beiden Unterrichtsfächer Französisch und Kunst & Gestaltung (seit 2021) darf ich meine  Begeisterung und Leidenschaft beider Fächer zukünftig in der Schule weitergeben. Mein besonderes Interesse an der  Soziologie und (inter)kulturellen Repräsentationen soll im Kunstunterricht Anklang finden. Derzeit unterrichte ich an  keiner Schule und fokussiere mich voll und ganz auf meine Ausbildung.

  • Koloniale Bilder multiperspektivisch lesen lernen: Man Rays Foto “Noire et Blanche” (1926)

    Dauer:
    Entwickelt:
    Annette Schemmel in Dialog mit Eva und Hannah

    Warum sind in der Fotoarbeit „Noire et Blanche“ (1926) von Man Ray eine nackte weiße Frau und ein geschnitztes Gesicht zu sehen? Wo kommt die Holzmaske her? Warum hat Man Ray sie auf diese Weise inszeniert? Die Schüler*innen organisieren sich in kleinen Forschungsgruppen, um den Umständen bzw. den Machtverhältnissen zur Entstehungszeit des Kunstwerkes nachzugehen und präsentieren anschließend in einem Rollenspiel der Klasse ihre Ergebnisse.

    Ressourcen

    Eine kritische Einführung in den Stand der kunstwissenschaftlichen Forschung von Kerstin Pinther mit dem Titel „Die Kunst Afrikas“, C.H. Beck Wissen, 2022

    Eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte und des Kontexts des Kunstwerks von Kunst- und Fotohistorikerin und Kuratorin Wendy Grossman,  “Unmasking Man Ray’s Noire Et Blanche.” American Art, 2006.

    Kurzbeschreibung

    Warum sind in der Fotoarbeit „Noire et Blanche“ (1926) von Man Ray eine nackte weiße Frau und ein geschnitztes Gesicht zu sehen? Wo kommt die Holzmaske her? Warum hat Man Ray sie auf diese Weise inszeniert? Die Schüler*innen organisieren sich in kleinen Forschungsgruppen, um den Umständen bzw. den Machtverhältnissen zur Entstehungszeit des Kunstwerkes nachzugehen und präsentieren anschließend in einem Rollenspiel der Klasse ihre Ergebnisse.

    Ziele

    • Bilder kritisch hinterfragen lernen
    • Die Begriffe Exotismus und Othering kennenlernen und verstehen 
    • Die Konstruktion von Differenz und Polarisierung verstehen und koloniale Denkmuster im Heute und Jetzt reflektieren
    • Die eurozentristische Weltsicht (der Kunstgeschichtsschreibung) erkennen 
    • Die Differenziertheit von Ausdrucksformen und von ästhetischen Konzepten des afrikanischen Kontinents erfassen
    • Kulturelle Aneignung und Cultural Appreciation verstehen und kritisch hinterfragen
    • anhand einer Forschungsfrage mit Recherchemethoden experimentieren
    • Forschungsergebnisse auswerten, vorstellen und gemeinsam reflektieren
    • Verschiedene Rollen und Perspektiven entwickeln und vertreten
    • mit Zweideutigkeit umgehen lernen (Ambiguitätstoleranz)

    Materialien

    • Internetzugang für jede Gruppe mittels Tablet, Computer oder Smartphones
    • Fotokopien der Arbeitsblätter und der Recherchequellen
    • Accessoires und Requisiten für die Talk-Show (Moderationskarten, auffällige Brille, Perücke …)

    Ablauf

    Intro

    Eines der berühmten Fotos des amerikanischen Künstlers Man Ray trägt den Titel „Noire et Blanche“ und wurde 1926  erstmals in der Pariser Zeitschrift Vogue veröffentlicht. Das Foto, das auch in vielen Schulbüchern abgebildet ist, zeigt die Nachbildung einer Portrait-Maske. Derartige Masken wurden traditionell in der Gesellschaft der Baule (heutige Elfenbeinküste) zur Würdigung verdienter Mitglieder der Gemeinschaft im Zuge von Performances aktiviert. Ähnlich wie viele andere moderne Künstler*innen seiner Zeit hat Man Ray sich hier ein außereuropäisches Artefakt angeeignet, um es nach seinem Geschmack in Szene zu setzen. 

    Im Rahmen einer experimentellen Werkanalyse untersuchen die Schüler*innen die Verstrickungen dieses Kunstwerkes mit den gesellschaftspolitischen Machtverhältnissen zur Entstehungszeit. Indem detailliertes Kontextwissen über ein westafrikanisches Artefakt von den Schüler*innen selbst recherchiert wird, erweitern sie zudem den Horizont ihres (Kunst-)Geschichtsverständnisses.

    In dieser Unterrichtseinheit lernen Jugendliche, sich dem von Man Ray inszenierten Artefakt mit wissenschaftlicher Sorgfalt und aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. So können verallgemeinernde und stereotype Wahrnehmungen von “afrikanischen Kulturen” und Masken abgebaut werden. Wenn sie dann in einem zweiten Schritt diese Perspektiven in einem Rollenspiel als Expert*innen in einer Talk Show selbst verkörpern, können sie sich auf unterhaltsame Weise der Ambivalenz, der künstlerischen Komplexität sowie der möglichen Gewalt von kulturellen Aneignungen wie derjenigen durch Man Ray bewusst werden.

    Vorgehensweise

    Bildbetrachtung

    Man Rays Foto „Noire et Blanche“ wird gemeinsam in der Klasse betrachtet und erste Eindrücke, Beschreibungen und Beobachtungen gesammelt. Was sehen wir? Wie steht der Fotograf, wie stehen Betrachter*innen zur Entstehungszeit und wir heute dem Bild gegenüber?

    Ein*e Jugendliche*r kann die gesammelten Eindrücke aufschreiben, um die Beobachtungen zu mappen. 

    Recherchieren aus verschiedenen Blickwinkeln 

    Um die Auseinandersetzung zu vertiefen, werden kleine Arbeitsgruppen von 3–4 Personen gebildet. Jede Arbeitsgruppe wählt eines der aufgeführten Themen zur Bearbeitung und entwickelt so eine Art Spezialexpertise zu Aspekten des historischen Fotos. Dazu wird jeder Gruppe ein Arbeitsblatt [siehe Ressourcen] bereitgestellt, das Wissensbausteine und weitere Ressourcen enthält. 

    Forschungsgruppe 1: Woher kommt die Maske? Welche Funktion hat sie im Entstehungsland? Zur Pflege welcher Traditionen, für welche Rituale wurde sie genutzt? 

    Forschungsgruppe 2: Wie kamen Porträt-Masken in die Museen des Nordens und warum gibt es seit einigen Jahren die Restitutionsdebatte? 

    Forschungsgruppe 3: Wie werden afrikanische Artefakte typischerweise von modernen Fotografen des Globalen Nordens inszeniert?

    Forschungsgruppe 4: Wer ist die Frau auf dem Foto?  Welche Schönheitsideale verkörpert Sie, wie ist sie geschminkt? 

    Forschungsgruppe 5: Wer ist Man Ray: Wo, wann, warum hat er das Werk so inszeniert? Was können wir herausfinden? Was sind Fakten, was ist Interpretation?

    Forschungsgruppe 6: Was ist “Exotismus”? Wann und warum tritt er auf? Was hat Exotismus mit Othering und Rassifizierung zu tun?

    Performatives Diskutieren der Ergebnisse als Rollenspiel

    Vertreter*innen, Rollenverteilung
    Die Präsentation der Recherche erfolgt in einem Rollenspiel der Vertreter*innen der einzelnen Forschungsgruppen.

    Diese nehmen passend zu ihrem Recherchethema Expert*innen-Rollen ein, sie verkörpern dann zum Beispiel die Direktorin des Metropolitan Museums, in dem eine ähnliche Maske ausgestellt ist, eine Aktivist*in/ Diskriminierungsbeauftragten, die Othering und Rassismus im Alltag bekämpft, die Herausgeber*in der Vogue, in der das Foto erschienen ist oder Man Ray selbst, der Auskunft über die Entstehung des Werkes gibt, etc.

    Wer mag, kann sich mit Requisiten ausstatten, um besser in die Rolle schlüpfen zu können.

    Präsentation Talk-Show

    Die Lehrkraft übernimmt die Moderation der Talk-Show. Die Expert*innen, die ihr Wissen zur Schau stellen und es mit demjenigen der Anderen vernetzen, können auf ihr “Forschungsteam” zurückgreifen und diesem Fragen weitergeben.

    Abschluss

    Die Lehrkraft fasst die Ergebnisse zusammen und bespricht abschließend mit der Klasse die Frage: Was hat der Exotismus der europäischen Moderne mit Othering und Rassismus zu tun? Welche Vorstellungen schwingen in verallgemeinernden Begriffen wie “afrikanische Maske”  mit? Sammelt Gründe, warum hier differenzierte Bezeichnungen sinnvoll und sogar erforderlich sind. 

    Reflexion und Anmerkungen

    Ich experimentiere seit 2018 im Unterricht mit Man Rays Foto, ursprünglich als Paradebeispiel des Surrealismus im Sinne von Lautréamont. Die Untersuchungen der Entstehungsgeschichte und des Kontexts dieses Kunstwerks durch die Kunst- und Fotohistorikerin Wendy A. Grossman haben meine Lektüre des Bildes entscheidend weitergebracht. Weil es sich um ein ebenso populäres wie schwieriges Bild handelt, habe ich meine didaktische Herangehensweise verschiedentlich zur Diskussion gestellt, u.a. beim Symposium ‚Exploring Visual Cultures‘ in Cape Town, South Africa (2019). 

    Auch praktisch habe ich zu diesem Foto mit Schüler*innen gearbeitet: Unsere kritische Aktualisierung ist seit 2020 im Münchner Museum Fünf Kontinente in der Afrikaabteilung ausgestellt und im Museumsfernsehen auch online zu sehen. Die Ausgabe Kunst + Unterricht „Global South: Fokus Afrika“ (2025) stellt die überarbeitete, praktische Unterrichtsidee vor. Die Kritilab-Redaktion sah jedoch bei der praktischen Umsetzung, die die Effekte von formalen und inhaltlichen Kontrasten in der Fotografie zum Gegenstand hatte, “die Gefahr, dass das problematische Othering (Schwarz/weiß) in den Schüler*innenarbeiten wiederholt wird.” 

    Aus dieser Vorgeschichte entstand im Dialog die vorliegende didaktische Konzeption, die mittels einer multiperspektivischen und performativen Herangehensweise Perspektivwechsel ermöglichen soll. Auch diese Konzeption sollte weiterentwickelt werden, ich freue mich schon auf Erfahrungsberichte und Veränderungsvorschläge!

    Info Autor*innen

    Seit 2017 unterrichte ich Kunst als Doppelfach am Gymnasium und bilde am Lehrstuhl für Fachdidaktik der Akademie der Bildenden Künste München die nächste Generation Kunstlehrkräfte mit aus. Man Rays Fotografie und ihre Implikationen interessieren mich aus einer diskriminierungskritischen Perspektive und auch in meinen anderen Rollen – als Kuratorin und als Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt zeitgenössisches Afrika.

  • Straßenschilder der Zukunft: Zeichen setzen und neu erinnern!

    Dauer:
    Entwickelt:
    Nargol Gharahshir

    Initiativen wie die Black Lives Matter Bewegung werden als Anlass genommen, um über kollektive Erinnerungskultur und deren Ausdruck in der Gestaltung des öffentlichen Raumes nachzudenken. Das kritische Hinterfragen von vorhandenen Straßennamen, Mahnmäler und Denkmäler bildet eine inspirative Grundlage, für die praktische Gestaltung. Schüler*innen haben die Möglichkeit, mit eigens angefertigten Straßenschildern den öffentlichen Raum mitzugestalten und Repräsentationen inklusiver und gleichberechtigter zu denken.

    Kurzbeschreibung

    Initiativen wie die Black Lives Matter Bewegung werden als Anlass genommen, um über kollektive Erinnerungskultur und deren Ausdruck in der Gestaltung des öffentlichen Raumes nachzudenken. Das kritische Hinterfragen von vorhandenen Straßennamen, Mahnmäler und Denkmäler bildet eine inspirative Grundlage, für die praktische Gestaltung. Schüler*innen haben die Möglichkeit, mit eigens angefertigten Straßenschildern den öffentlichen Raum mitzugestalten und Repräsentationen inklusiver und gleichberechtigter zu denken.

    Ziele

    • Ausdrucksmöglichkeiten von Erinnerungskulturen kennenlernen
    • Kritisches Hinterfragen von Straßennamen, Mahnmäler und Denkmäler 
    • Bewusstseinsentwicklung für die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit bestimmter Personengruppen im öffentlichen Raum 
    • Gestaltungsmöglichkeiten als Ausdruck alternativer Perspektiven und inklusiver Ideen ausprobieren
    • Recherchekompetenz vertiefen

    Materialien

    Modulare Anpassung möglich:

    Für die Lehrperson:
    Klassenraum mit Computer, Beamer, Internetzugang, Mentimeter, evtl. Drucker

    PowerPoint zur Einführung mit Beispielen von Denkmälern und Straßennamen (bei Interesse an der Powerpoint Mail an uns)

    Für die Schüler*innen
    Für die Recherche: Internetzugang (z.B Website: Genderatlas)

    Für den Beobachtungsspaziergang: Kamera, oder Smartphone

    Für die PraxisAllgemein:
    Papier für die Skizzen, Stifte
    Beispiel Kartonschilder:
    Karton, Stifte, Lineale, Scheren /cutter, Schneidematten, Acrylfarben, Pinsel

    Beispiel Keramikschilder:
    (Lufttrocknender-) Ton, Keramikglasuren oder Acrylfarben

    Ablauf

    Einführung: Erinnerungskultur Allgemein


    Einführung in das Thema: Was sind Denkmäler und Straßennamen? Aus welchen Gründen werden sie aufgestellt? Wer wird erinnert, wer nicht? (Powerpoint)

    Interaktives Gedankenexperiment, das mit einer Wordcloud-Erstellung über mentimeter.com visualisiert werden kann.
    Die Schüler*innen schreiben Ereignisse und Personen auf, die sie in den letzten Jahren erlebt haben (z.B. Fridays for Future, Black Lives Matter, COVID-19, Nationalratswahlen).

    Analyse bekannter Denkmäler und Stolpersteine im eigenen Ort.
    Wien. (Powerpoint 9-12)


    Recherchearbeit:

    In Kleingruppen recherchieren die Schüler*innen Informationen zu Straßennamen zum Beispiel anhand folgender Fragen: 

    • Wie werden Benennungen begründet?
    • An wen wird hauptsächlich erinnert?
    • Wer entscheidet, wie eine neue Straße genannt wird?

    Mögliche Quellen für die Recherchearbeit: Interview zu Kunstaktion mit Straßenschildern: 

    Bezogen auf den Artikel:
    Mögliche Frage:

    • Wie viel Prozent der Straßen in europäischen Großstädten sind nach Männern benannt?

    Antwort: In europäischen Großstädten sind durchschnittlich 91 Prozent der nach Personen benannten Straßen Männern gewidmet. 

    Bezogen auf Genderatlas:
    Für Wien bietet sich die Website Genderatlas an:

    Mögliche Fragen:

    • Welche Farben werden verwendet um die Straßen zu visualisieren?
      Antwort: Rot, Blau, Grau
    •  Wie viele Straßen sind nach Frauen benannt und in welcher Farbe sind sie gekennzeichnet?
      Antwort: 356 Straßen sind nach Frauen benannt und in der Farbe Rot gekennzeichnet.


    Beobachtungsspaziergang:

    Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch die Straßen in der Nähe der Schule machen die Schüler*innen Fotos von den Straßenschildern, die ihnen begegnen. Eventuell fallen der Klasse auch stadtspezifische Strukturen wie genormte Nummernschilder an den Häusern auf.

    Nach dem Spaziergang, in der Schule:

    • Gemeinsames Anschauen der Fotos
    • Besprechung: Anhand welcher Merkmale haben die Schüler*innen ein Foto von einem Straßenschild aufgenommen?
    • Welche Gestaltungsmerkmale lassen sich (in Bezug auf Typografie, Farbe, Form, Größe,…) erkennen?
    • Welche dieser Merkmale sind für die Leserlichkeit der Straßenschilder besonders wichtig? Explizit auf Kontraste und Schriftgrößen eingehen.


    Vorbereitung zur praktischen Phase

    Gestaltung eines eigenen Straßenschildes für einen imaginären Platz oder zur Umbenennung eines bestehenden Ortes.
    Zurückdenken an mentimeter Ideensammlung. Wem oder was möchte ich mein Straßenschild widmen? Was ist für mich erinnerungswürdig? Welche besprochenen Gestaltungsmerkmale können meine Idee unterstützen?
    Je nach Fach oder Interesse kann das vorgegebene Material und die Technik für die Gestaltung von der Lehrkraft gewählt werden.

    Zur Inspiration:

    Projekt Elsa Plainacher am Angewandte Festival

    Instagram elsaplainachter


    Durchführung der praktischen Phase
    Die Schüler*innen gestalten Straßenschilder mit dem vorgegebenen Material.

    Möglicher weiterer Verlauf:

    • Die Schüler*innen gehen in Kleingruppen auf die Straße (Umgebung Schule) und bringen ihre Schilder für die Dauer eines Fotos an den jeweiligen Straßenpfosten an und dokumentieren die Aktion fotografisch.

      Notiz: Dürfen die Schüler*innen aufgrund ihres Alters ohne Lehrperson auf die Straße?


    Präsentation der Ergebnisse

    Die Schüler*innen präsentieren ihre gestalteten Straßenschilder, sowie ihre inszenierten Fotos vor der Klasse.

    Weitere Möglichkeiten:

    • In der Schule wird eine Ausstellung mit den Fotos der Schüler*innen gemacht, die als Plakate aufgehängt sind. 
    • Rollenspiel des Akts der Umbenennung in den Rollen der Bürgermeiter*innen, Frauenrechtsaktivist*innen, Stadtrat, usw. 
    • Statt des Fokus auf Straßenschilder können auch Denkmäler und Mahmähler in der Schulumgebung gesucht und dazu eine praktische Umgestaltung gedacht gedacht werden.

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde im Rahmen eines Praktikums durchgeführt.

    Für den Unterricht wären einige Vorübungen von Vorteil gewesen, da der Umgang mit Cuttern und Acrylfarben für manche Schüler*innen nicht einfach war.

    Info Autor*innen

    Ich studiere Lehramt im Master für die Fächer „Technik und Design“ sowie „Kunst und Gestaltung“ an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ich bin auch Kunstvermittlerin (im Museum, bei Workshops, Festivals) und als Menschenrechtsbildnerin für Amnesty International tätig. Ich habe die Schulpraktika im Studium absolviert, im außerschulischen Feld gearbeitet und Workshops in Schulen abgehalten. Ich beschäftige mich viel mit intersektionalem Feminismus und wünsche mir eine barrierefreie, antidiskriminierende und inklusive Gesellschaft. Somit versuche ich mein theoretisches Wissen auch praktisch umzusetzen.

  • Unsere Körper als Skulptur-performative Strategien

    Dauer:
    Entwickelt:
    Lea Geerkens, in Dialog mit Eva

    In dieser spielerischen Erkundung von performativen Strategien wird der eigene Körper im Raum, in Bezug zu Alltagsgegenständen und in Verbindung mit den Mitschüler*innen erprobt und für ein Foto inszeniert.

    Kurzbeschreibung

    In dieser spielerischen Erkundung von performativen Strategien wird der eigene Körper im Raum, in Bezug zu Alltagsgegenständen und in Verbindung mit den Mitschüler*innen erprobt und für ein Foto inszeniert.

    Ziele

    • Bilder mit dem eigenen Körper formen und das “Bild werden” des eigenen Körpers erfahren 
    • Mit der eigenen Sichtbarkeit und Auftritt experimentieren
    • Mit anderen durch Bewegung in Kontakt kommen und körperliche, räumliche Konstellationen bilden
    • Körperpräsenz stärken und Angst vor dem Gesehenwerden vermindern
    • Perfektionismus verringern
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung schulen 
    • Körperzuschreibungen verlernen

    Materialien

    • IPad oder Handy mit Verbindungsmöglichkeit zum Beamer 
    • Platz in der Mitte des Klassenzimmers oder Flur

    Ablauf

    Zum Einstieg (5 min) wird eine kurze Körperübung gemacht, die für die eigene Körperwahrnehmung im Raum und zu den Mitschüler*innen sensibilisiert.

    „Stellt euch einfach gerade hin, wer möchte, kann kurz die Augen schließen. Nehmt die Kontaktpunkte von euren Füßen zum Boden bewusst wahr. Nehmt die Geräusche um euch herum wahr. Was hört ihr im Klassenzimmer? Was außerhalb? Falls noch jemand zur Tür hereinkommt, nehmt die Geräusche wahr. Spürt, wo sich euer Körper müde anfühlt.“

    Einführung: (20 min)
    Als Einführung zum Thema Performance werden Beispiele von Valie Export, Francis Alÿs, Trisha Brown und Erwin Wurm gezeigt und anschließend besprochen: Was habt ihr gesehen? Wie heißt diese Kunstform? Was macht sie aus? Welche Rolle spielt der Körper?

    Valie Export Performances, 1980er

    Francis Alÿs, Cuentos patróticos 1997

    Francis Alÿs, Paradox of Praxis 1

    Trisha Brown

    Warm-up Übungen (15 min) 
    Um Platz zu machen werden alle Tische zur Seite geschoben.

    • Warm-up Übung 1: Durch den Raum gehen, 3 x Freeze

    „Nutzt die Zwischenräume, achtet aufeinander, wenn ich Freeze sage, bleibt wie versteinert stehen. Achtet darauf, dass man jede kleinste Bewegung, wie Augenrollen und Fingerbewegungen sieht.“

    • Warm-up Übung 2: Skulpturen formen

    Vorab hinweisen, dass es nicht um große, extrovertierte Übungen geht, dass nichts falsch gemacht werden kann.

    Hefeteig-Metapher:
    „Geht zu zweit zusammen, eine Person spielt jetzt Bildhauer*in, die andere Person ist die Skulptur. Die Bildhauer*in berührt die Skulptur (unter Konzens) an Gelenken. Die Skulptur stellt sich vor, dass der Körper an dieser Stelle wie Hefeteig nach außen expandiert.”

     →Wechsel

    Vertrocknungs-Metapher:
    „Gleiche Übung nochmal machen, nur stellt ihr euch jetzt vor, dass ihr bei jeder Berührung nach innen hin zusammenschrumpft, wie ein vertrocknendes Blatt.“

    Zwischenfrage: Wie habt ihr euch als Skulptur gefühlt?

    Arbeitsauftrag (30min)
    Zuerst werden die One Minute Sculptures von Erwin Wurm angesehen.

    1. Bildet kleine Gruppen (3-4 Schüler*innen) und formt verschiedene „lebende Skulpturen“.
    2. Haltet diese durch Fotos oder kurze Videos fest
    3. Zeigt anschließend euer Resultat der Klasse mit dem Beamer

    “Beachtet bei der Zusammenarbeit folgende Punkte:

    Kann sich die Skulptur bewegen? Macht sie Sound? Spielt mit dem Verschwinden von Gesichtern. Wie könnt ihr zu einem großen Körper werden? Benutzt evtl. Pullis, Jacken oder Objekte.” 

    “Spielt mit der Orientierung im Raum. Wie steht die Skulptur im Raum? Reagiert sie auf die Architektur? Was passiert, wenn Teile der lebenden Skulptur, weiter hinten im Raum stehen? Beim Fotografieren: spielt mit der Perspektive.”

    Austausch und Nachbesprechung
    Dann werden die gemachten Fotos und Videos gezeigt und gemeinsam besprochen. 

    “Welchen Namen würdet Ihr eurer Skulptur geben?”

    Reflexion und Anmerkungen

    Beim nächsten Mal würde ich weniger Künstler*innen zum Einstieg zeigen. Die Warm-up Phase könnte länger werden, zum Beispiel mit zusätzlichen Übungen: 

    Die Aktionen könnten weiter im öffentlichen Raum stattfinden

    Erneut durch den Raum gehen, bei Freeze zu zweit eine Skulptur formen, beim nächsten Freeze zu dritt 

    zu zweit zusammengehen und eine Skulptur formen, die eine repetitive Bewegung macht. Wer möchte, zeigt seine Skulptur der Klasse live.

    Info Autor*innen

    Lea ist Studierende der Kunstvermittlung und testet im Praktikum die ersten Unterrichtsideen. Die Übungen für diese Stunde wurden in diversen Tanzstunden und Performance Seminaren entwickelt. Seit einigen Jahren arbeitet Lea auch in außerschulischen kunstpädagogischen Bereichen.