Schlagwort: Zusammenarbeit

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  • Cyborg Community – kollektive Collagen

    Dauer:
    Entwickelt:
    Karoline Bierner im Gespräch mit Nargol, Hannah, Alicia und Miki

    Im Unterricht werden Ausschnitte aus dem Essay “Ein Manifest für Cyborgs” (Donna Haraway, 1985) vorgestellt, die als Inspiration für gemeinschaftlich geschaffene Collagen dienen. 
    Im Sinne von Haraway werden herrschaftslegitimierende Narrativen in den uns umgebenden Bildwelten untersucht, mit dem Anspruch, diese zu verändern und neue, emanzipatorische Verknüpfungen herzustellen.

    Kurzbeschreibung

    Im Unterricht werden Ausschnitte aus dem Essay “Ein Manifest für Cyborgs” (Donna Haraway, 1985) vorgestellt, die als Inspiration für gemeinschaftlich geschaffene Collagen dienen. 
    Im Sinne von Haraway werden herrschaftslegitimierende Narrativen in den uns umgebenden Bildwelten untersucht, mit dem Anspruch, diese zu verändern und neue, emanzipatorische Verknüpfungen herzustellen.

    Ziele

    • Kennenlernen von Donna Haraway und ihrem Essay “Das Cyborg Manifesto”
      • Einblicke in ihr Schreiben und ihre Themen: Natur, Technik und Mensch
      • Vorstellung der queerfeministischen Theorie und des Begriffes des “Cyborgs”
      • Verständnis dafür entwickeln, dass Identität / Gesellschaft nicht aus einer Einzelperson, sondern aus vielen Fragmenten und Perspektiven bestehen
    • Die Schüler*innen wenden die künstlerische Technik der Collage als Strategie zur Annäherung an wissenschaftliche Texte an
    • Förderung des kollaborativen Arbeitens durch die Gruppenkonstellationen

    Materialien

    • Schneidematten
    • Cutter
    • Scheren
    • Klebestifte
    • Zeitschriften

    Ablauf

    • Stationen / Tische
    • pro Tisch 1 großes Collage-Plakat
    • Schüler*innen in Gruppen 
    • 15–20 Minuten pro Runde
    • nach jeder Runde Rotation zum nächsten Tisch

    Zu Beginn der Stunde wird Donna Haraways “Ein Manifest für Cyborgs” kurz vorgestellt:

    Mit ihrem Essay aus dem Jahr 1985 hat Donna Haraway den querfeministischen Diskurs geprägt. In dem Text entwirft sie ein positives Bild der “Cyborgs”. Die Cyborg kann uns ein Vorbild sein, um Entweder-Oder-Kategorien aufzulösen, denn sie ist nie nur Mann oder Frau, nur Mensch oder Technik. Sie fordert uns auf, uns aus unterdrückenden, herrschaftslegitimierenden Dichotomien zu befreien. Gleichzeitig sollen wir Verantwortung übernehmen für die Gestaltung der technologischen Entwicklung und Wissen darüber ansammeln, um wirksame Strategien der Kritik zu entwerfen. Für Haraway ist die Gemeinschaft wichtig und das Bilden von Netzwerken. Sie plädiert für eine Vielzüngigkeit – es gibt nicht nur eine Erzählung.

    Für das Collagieren werden mehrere Tische zu einem großen Arbeitstisch zusammengestellt. Es gibt mehrere Arbeitsplätze, auf denen jeweils eine Schneidematte liegt. In der Mitte des Tisches sind alle Materialien ausgebreitet, die wir zum Collagieren brauchen – Zeitschriften, Zeitungen, Werbeprospekte, aussortierte Bildbände, sowie Klebestifte, Cutter und Scheren. Die Arbeitsfläche sollte möglichst groß sein, damit die Arbeitsmaterialien übersichtlich ausliegen können und genügend Platz für alle Arbeitsplätze bleibt. Große feste weiße Papierbögen dienen als Untergrund für die Collagen. 

    Anschließend werden ausgedruckte Zitate aus dem “Manifest für Cyborgs” ausgeteilt, das von den Schüler*innen zunächst für sich gelesen wird. Die angehängten Zitate sind beispielhaft und können von der Lehrkraft je nach Schwerpunkt selbst gewählt werden. Danach werden in der Gruppe Fragen zum Manifest geklärt und Möglichkeiten der Übertragung der Ideen des Manifests durch die Technik der Collage erarbeitet. Die Zitate sind so groß ausgedruckt, dass sie auch Teil der Collage werden können.

    Nun wird mit dem Collagieren begonnen. Es gibt mehrere Arbeitsplätze und die Schüler*innen können entscheiden, ob sie entweder alleine oder in der Gruppe beginnen wollen. Die Lehrperson gibt ein Signal zum Anfangen und sagt zwischendurch die noch verbleibende Zeit durch. Nach ca. 20 Minuten werden die Schüler*innen gebeten, die Plätze zu wechseln und an einer anderen Collage weiterzuarbeiten. Durch das gemeinsame Arbeiten mit Platzwechsel soll ein spielerischer Aspekt gefördert werden. Die Arbeitsatmosphäre soll nicht kompetitiv, sondern kollaborativ sein. Alle 15 Minuten gibt es einen weiteren Platzwechsel. 

    Nach einer Stunde endet das Arbeiten an den Collagen. Die Schüler*innen hängen die entstandenen Bilder an die Wand. Nach dem gemeinsamen Betrachten der Arbeiten erfolgt eine Diskussion über die Beobachtungen im Kontext des Cyborg Manifestes. Der intuitive kollaborative Prozess des Collagierens wird so gemeinsam reflektiert.

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde in einem Workshop mit Studierenden des Kunstlehramts durchgeführt. Während des Workshops fragte nach einer Weile ein Teilnehmer, ob wir Musik anmachen könnten. Eine super Idee, denn durch die Musik wurde ein Abtauchen in die Arbeit an der Collage unterstützt, sie förderte eine entspannte Arbeitsatmosphäre und ein positives Gruppengefühl. 

    Die Teilnehmer*innen empfanden es teilweise als schwierig, die Collage, an der sie gearbeitet hatten, freizugeben und an einer anderen weiterzuarbeiten. Ich möchte nächstes Mal das gemeinsame Arbeiten besser einführen. Vielleicht ist es sinnvoll, dass die Papierbögen schon an den Arbeitsplätzen liegen, damit von Anfang an klar ist, dass es keine “eigene” Collage gibt. Ich habe auch überlegt, ob ich den Platzwechsel frei lasse – wenn von Anfang an klar ist , dass alle an einer gemeinsamen Collage arbeiten,dann ist es vielleicht schön, wenn jede Person frei entscheiden kann, wann sie den Platz wechseln möchte. Diejenigen, die gerade sehr in die Arbeit eingetaucht sind, müssen so nicht herausgerissen werden.

    Ich fände es schön, nächstes Mal die einzelnen Arbeiten nicht als einzelne Blätter aufzuhängen, sondern alles am Ende gemeinsam zu einem großen Bild zusammenzufügen.

    Info Autor*innen

    Karoline hat lange am Theater als Bühnen- und Kostümbildnerin gearbeitet und ist ausgebildete Sozialpädagogin. Sie studiert gerade auf dem zweiten Bildungsweg Lehramt Bildnerische Erziehung und Werken/Textil an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und hat die Idee für diesen Workshop mit anderen Studierenden ausprobiert jedoch noch nicht im Schulsetting.

  • Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität?

    Dauer:
    Entwickelt:
    Lily Tischer

    Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität? Ganz so einfach ist es nicht. Beim Montieren, Zeit raffen, Videos neu zusammenschneiden, Sound bearbeiten und in der Diskussion exemplarischer Filmbeispiele hinterfragen die Schüler*innen die Produktion von Dokumentarfilmen.

    Kurzbeschreibung

    Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität? Ganz so einfach ist es nicht. Beim Montieren, Zeit raffen, Videos neu zusammenschneiden, Sound bearbeiten und in der Diskussion exemplarischer Filmbeispiele hinterfragen die Schüler*innen die Produktion von Dokumentarfilmen.

    Ziele

    • Multiperspektivische Erfahrungen auf Räume und Situationen öffnen
    • Eigene Rolle als betrachtende, beobachtende sowie performende Person erkunden
    • Blickrichtungen ändern und neue Perspektiven finden
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung durch dokumentarische Arbeitsweisen hinterfragen
    • Experimentieren mit verschiedenen Video- und Schnitttechniken wie Montage, Zeitraffer, Zeitlupe, Voiceover

    Materialien

    • Handys
    • Tablets
    • Schnittprogramm

    Ablauf

    Einführung:

    Verschiedene Formen des (dokumentarischen) Erzählens in Video/Film werden vorgestellt. Als mögliche Definition des Dokumentarfilms kann der Eintrag im Filmlexikon dienen.

    Mögliche Fragestellungen zur Hinführung an das Thema:

    Was ist ein Dokumentarfilm und was unterscheidet ihm zum Spielfilm? Welche Dokumentarfilme kennen wir?

    Wie hat sich der Dokumentarfilm historisch entwickelt und welche Formen gibt es?

    In welchem Verhältnis zur Wirklichkeit steht der Dokumentarfilm?

    Wie können Dokumentarfilme diesbezüglich kritisch hinterfragt werden?

    Exemplarischer Film:

    Als Beispiel für einen kontrovers diskutierten Dokumentarfilm wird Paris is Burning (Jennie Livingston) ganz oder in Auszügen angeschaut und anschließend gemeinsam diskutiert. Der Film kann auch anhand der Debatte im „Guardian“ besprochen werden.

    Weitere mögliche Fragestellungen:

    Was ist an dem Film kritisch zu hinterfragen

    Wer hat den Film gedreht?

    Welche Machtverhältnisse entstehen zwischen beobachtender Person und

    beobachteten Person und warum?

    Verfahrensweisen sprechen:
    Anhand des gezeigten Filmbeispiels können Verfahrensweisen wie Montage, Zeitraffer/-lupe und Voiceover, sowie deren Einfluss auf die Erzählstruktur und die unterschiedlichen Rollen von gefilmten Personen, Personen hinter der Kamera und betrachtenden Personen besprochen werden.

    (Wer beobachtet? Wer wird beobachtet? Aus welcher Perspektive wird auf Personen geschaut, wie deren Geschichte erzählt? In welchem Verhältnis stehen die verschiedenen Narrative zueinander?)

    Videoproduktion:
    Nun produzieren die Schüler*innen in Kleingruppen eigene Videodokumentationen über jeweils eine der anderen Gruppen. 

    Im Fokus der Videos soll die Differenz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung und das Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Narrativen stehen. Während der Produktion setzen sich die Schüler*innen mit Praktiken des dokumentarischen Erzählens auseinandersetzt und setzen gezielt die angesprochenen Verfahrensweisen ein. 

    Formelle Vorgaben für das Video:

    • Länge ca. 5 Minuten
    • Qualität von Handyaufnahmen ist ausreichend
    • in Gruppenarbeit erstellt

    Postproduktion 

    Aufnahmen können anschließend manipuliert und bearbeitet werden. Zum Beispiel Nachvertonung und Schneiden, auch schon vorhandenes Material darf verwendet werden. Dazu werden eventuell vorhandene Handys verwendet oder von der Schule zur Verfügung gestellte Tablets verwendet.

    Abschluss:

    Wenn die Montage abgeschlossen ist, werden in der abschließenden Doppelstunde alle Videos gemeinsam angeschaut und besprochen.

    • Welche Wirkung haben die Videos auf uns?
    • Welche filmischen Mittel wurden eingesetzt?
    • In welchem Verhältnis steht das Dargestellte zur erlebten Realität?
    • Wie fühlt ihr euch mit den über euch gedrehten Dokumentationen?
  • Im Fluss – Kreatives Schreiben als kooperative Praxis

    Dauer:
    Entwickelt:
    Franziska Adams

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Kurzbeschreibung

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Ziele

    • Kreatives Schreiben und Vortragen als künstlerische Praxis entdecken
    • Prozesse wertschätzen lernen
    • assoziative Räume eröffnen und kultivieren
    • mit Worten und spontanen Assoziationen frei umgehen lernen
    • kollaborative kreativitätsfördernde Strategien als fächerübergreifende Methode begreifen
    • sich einem Thema ohne Bewertung, aber wertschätzend nähern
    • Sprache als machtvolles und formbares Material dekonstruieren lernen

    Materialien

    Pro Person 2 Papiere und ein Stift, mit dem sich gut schreiben lässt.

    Große Papierrolle für das gemeinsame Mapping: “Brücken bilden”

    Ablauf

    Brainstorming:

    Brainstormen von Vorstellungen, was kreatives Schreiben ist.

    Kritische Diskussion des Begriffs Kreativität und der Idee von Originalität. Vorstellen der Arbeitsweise von Remix Culture, die mit schon Vorhandenem arbeitet.

    Angeleitete Schreibübungen

    Eine Reihe kurzer Schreibübungen (1:30 min) helfen in Fluss zu kommen: Nach der Aufwärmübung ABC arbeiten alle in drei methodischen spielerischen Schritten Wortassoziationen – Brücken bauen – Springbrunnen an eigenen Mindmaps.

    Die Übungen eignen sich auch außerhalb des Kunstunterrichts als Methode, um Themen aufzumachen und thematisch auszubreiten.

    Brücken bilden

    Jede Person bringt nun einen eigenen Fundus an Wörtern, Sätzen, Assoziationen zum bestimmten Thema mit, in diesem Beispiel: „Im Fluss“.. Um die Angst vor dem weißen leeren Nichts zu nehmen, wird das Thema mittig auf ein großes Blatt Papier geschrieben und alle schreiben einen Satz aus den vorherigen Übungen dazu. Beim Lesen der einzelnen Sätze werden Brücken gebaut: Sätze mit Linien verbunden oder ergänzende Verbindungssätze dazugeschrieben. So entsteht eine Zeichnung sich begegnender Linien und Worte.

    Textarbeit in kleinen Gruppen (ca. 20min)

    Zufällig gebildete Kleingruppen arbeiten an eigenen Texten. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Herangehensweisen. Zum gesetzten Thema „Im Fluss“ kann entweder ein Gedicht geschrieben, oder ein Text aus einem Song, Gedicht, Zeitungsbericht, Werbung umgeschrieben und adaptiert werden.


    Aufführung

    Als Input zur Aufführung wird der Klasse ein Dada Lautgedicht zum Beispiel von Hugo Ball: “Karawane” vorgespielt. Als Lautgedicht oder auch Lautpoesie benannt, ist es vergleichbar mit abstrakter Malerei. Die Sprache bildet nicht mehr etwas ab, sondern wird rein formal angewendet. Die Gedichte nähern sich der Musik an. Der Impuls soll zu spielerischen und unkonventionellen Formen ermuntern. Eine historische Einordnung zu Dada als Kunstform bietet sich an.

    Das Lautgedicht lässt sich gut vorlesen und/oder als Video abspielen.

    Zur Vorbereitung der Abschlusspräsentation überlegt jede Gruppe (5 min), wie und in welcher Form sie ihren Text präsentieren will. Folgende Leitfragen helfen dabei: Ist Sprache noch erkennbar? Wiederholen sich Wörter? Soll Sound dazukommen? Hilft das Wiederholen von Wörtern zur Rhythmisierung? Wann spreche ich laut oder leise? Wer spricht von welcher Seite vom Raum? 

    Die Gruppe bespricht die verteilten Rollen der Beteiligten, sodass alle einen Weg finden, auf ihre eigene Weise etwas beizusteuern.

    Vor der Aufführung gibt die Lehrkraft folgende Hinweise: „Nichts wird dokumentiert. Die Aufführung existiert nur für den Moment. Es ist ein Experimentieren. Sich trauen, was auszuprobieren. Wahrnehmen, auf uns wirken lassen, Es geht heute nicht um das Bewerten. Ein Experimentierraum.“

    Reflexion und Anmerkungen

    • Die Ergebnisse können nachfolgend per Sound, gesprochener Text, Layout, Film etc. ausgebaut werden.
    • Wer die kritische Diskussion über Kreativität und den Glauben an Innovation vertiefen möchte, könnte den Text von Max Fuchs lesen
    • Oder allgemein Gisela Ulmann: “person, process, press, product