Aktion: assoziieren

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  • Bild und Bildaussage: Die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verschieben

    Dauer:
    Entwickelt:
    Brigitta Mate und Sophia Budimir in Dialog mit Miki, Nargol und Hannah

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Kurzbeschreibung

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Ziele

    • Verständnis von Bildsprache und visueller Kommunikation 
    • Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen 
    • Analyse- und Interpretationskompetenz 
    • Kreative Gestaltungskompetenz 
    • Kooperation und Präsentationsfähigkeit

    Materialien

    • Ausdrucke oder digitale Präsentationen der ausgewählten Kunstwerke: Arbeitsblätter mit Leitfragen zur Bildsprache und Technik, QR-Codes  
    • Notizzettel oder Kärtchen (für die Sammlung gestalterischer Mittel) 
    • DIN A4 Zeichenkarton oder dickeres Papier 
    • Ausdrucke oder Kopien der Ausgangsbilder (die verändert werden sollen) 
    • Alte Zeitschriften, Magazine, Zeitungen (für Collagen) 
    • Scheren, Cutter, Klebestifte oder Flüssigkleber, Buntstifte, Filzstifte, Fineliner, Marker, Deckweiß, Tipp-Ex (für Übermalungen), ggf. Schablonen, Stempel, Strukturmaterialien (z. B. Stoffreste, Folien) ->malen theoretisch auch möglich, beansprucht aber mehr Zeit

    Ablauf

    Einführung

    Die Schüler*innen setzen sich mit der Frage auseinander, wie Bilder als Mittel der Kommunikation genutzt werden und welche Botschaften sie transportieren können. Im Zentrum der Unterrichtsskizze stehen die Themen Bildsprache, visuelle Kommunikation und eine diskriminierungskritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. Es wird empfohlen, den Schüler*innen Begriffe wie “visuelle Kommunikation” und “Semiotik”  zu erklären.

    Bildanalyse

    Im nächsten Schritt wird eine Auswahl von künstlerischen Arbeiten gezeigt, die gesellschaftliche Themen diskriminierungskritisch beleuchten. Durch das Analysieren der Werke lernen die Schüler*innen über verschiedene Diskriminierungsformen.

    Die Arbeiten zeigen, wie durch gezielte künstlerische Eingriffe, etwa Collage, Schrift oder Gegenüberstellungen, bestehende Bilder verändert und mit neuer Bedeutung aufgeladen werden können. Da sie alle durch eine kritische Neugestaltung eines bestehenden Bildes entstanden sind können sie als Inspiration für die praktische Aufgabe dienen.

    Stationsarbeit

    Es werden mehrere Arbeitsstationen eingerichtet, an denen jeweils eine künstlerische Arbeit vertiefend bearbeitet werden kann. Zu jeder Station steht ein Arbeitsblatt bereit, das sowohl Informationen zur jeweiligen Arbeit als auch gezielte Fragen zur Bildsprache und zu den eingesetzten Techniken enthält. Ergänzend bieten QR-Codes weiterführende Inhalte zur Vertiefung.

    Die Schüler*innen bewegen sich selbstständig und im eigenen Tempo durch den Raum und bearbeiten die Stationen in beliebiger Reihenfolge. Am Ende sollten alle von jedem Arbeitsblatt ein Exemplar durchgearbeitet haben, wobei zumindest die Hälfte der Fragen beantwortet sein sollte.

    Arbeit als Paare

    In Partner*innenarbeit sammeln die Schüler*innen anschließend die künstlerischen Strategien und Verfahren, die in den analysierten Werken eingesetzt wurden, und halten diese auf einzelnen Zetteln fest. Nach der Betrachtung der Kunstwerke und der Bearbeitung der Fragen wird erwartet, dass sie die verwendeten Strategien und künstlerischen Mittel – etwa Hell-Dunkel-Kontrast, Zerschneiden, Übermalung, Collage oder den Einsatz von Schriftfarbe – erkennen und benennen können. Anschließend werden die Zettel von der Lehrkraft eingesammelt.

    Mindmap als Vertiefung

    Zur Vertiefung werden die zuvor entstandenen Zettel zufällig ausgeteilt. Die Schüler*innen werden anschließend aufgefordert, gemeinsam eine Mindmap zu erstellen, indem sie die Zettel in Gruppierungen an die Tafel kleben bzw. hängen. Mögliche Kategorien, die von der Lehrkraft vorgegeben werden können, sind etwa: inhaltliche Strategien, stilistische Strategien, Schriftgestaltung, Farbgestaltung, Techniken und Blickführung.

    Alle können jederzeit an die Tafel treten, etwas hinzufügen oder umgruppieren, solange am Ende jeder Zettel seinen passenden „Platz“ gefunden hat. Diese Übung vertieft die gesammelten Techniken und erleichtert das anschließende Brainstorming für die eigene kreative Arbeit.

    Materialsuche – daheim

    Für das weitere Arbeiten sollen alle Schüler*innen Bilder aus den Medien (z. B. Zeitungen, sozialen Medien, Plakaten etc.) auswählen, die sie kritisch betrachten, und überlegen, wie deren Aussage durch die genannten Verfahren verändert werden könnte. Die ausgewählten Bilder sollen der Lehrperson per Mail geschickt werden, damit sie ausgedruckt werden können. 

    Die Lehrperson sollte vorab überprüfen, ob die zugeschickten Bilder verfassungsfeindliche Symbole oder potenziell retraumatisierende Darstellungen von Gewalt enthalten, und gegebenenfalls eine alternative Auswahl anfordern.

    Zudem ist es essenziell, dass die Lehrkraft die spezifische Sensibilität und die Diversität der Schüler*innengruppe berücksichtigt. Da Bildmaterial unbewusste Diskriminierungen reproduzieren oder schmerzhafte Erfahrungen (Trigger) auslösen kann, sollte die Auswahl sensibel auf mögliche Marginalisierungserfahrungen abgestimmt sein.

    Ergänzend hierzu sollte die Lehrperson explizit kommunizieren, dass das Wohlbefinden der Lernenden Vorrang hat: Ein transparenter Disclaimer zu Beginn macht deutlich, dass sich Schüler*innen jederzeit melden können – sei es durch ein vereinbartes Zeichen oder im direkten Gespräch –, falls sie sich mit Inhalten unwohl fühlen. Den Lernenden sollte dabei die Freiheit zugestanden werden, sich ohne Rechtfertigungsdruck kurzzeitig aus der Situation zu entziehen.

    Praktisches Arbeiten

    Für das praktische Arbeiten wählen die Schüler*innen eigene Bilder aus, die sie als problematisch empfinden, und gestalten daraus diskriminierungskritische Kunstwerke im DIN-A4-Format. Die bereits ausgedruckten Bilder werden jeweils jener Person ausgeteilt, die sie zuvor der Lehrperson geschickt hat. Zusätzlich stellt die Lehrperson weiteres Material wie Bilder, Zeitungen und Broschüren bereit, da antizipiert werden kann, dass ein Teil der Schüler*innen das eigene Material vergisst. So können sich all diejenigen spontan von den dortigen Motiven inspirieren lassen und diese bearbeiten.

    Bei der Gestaltung setzen die Schüler*innen die zuvor erarbeiteten Techniken ein, um die ursprüngliche Bildaussage zu dekonstruieren und neu zu interpretieren. Durch den Einsatz von Schrift, Collage, Übermalung, Kontrasten und weiteren gestalterischen Mitteln entwickeln sie individuelle Arbeiten, die einen kritischen Blick auf ein selbstgewähltes gesellschaftliches Thema werfen.

    Präsentation

    Nach der praktischen Arbeit werden die entstandenen Werke in Form eines Gallery Walks betrachtet. Die Schüler*innen präsentieren dabei ihre eigenen Arbeiten, um eine authentische Selbstrepräsentation zu gewährleisten und Fehlinterpretationen oder „Over-Explaining“ durch andere zu vermeiden.

    Im Anschluss teilen die übrigen Schüler*innen ihre Beobachtungen, Fragen oder Gedanken mit der Gruppe. Dabei können sie darauf eingehen, welche Kritik das Werk formuliert und welche gestalterischen Mittel eingesetzt wurden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

    Optional kann die Lehrperson die Ergebnisse am Ende in einem gemeinsamen Heft oder einer digitalen Sammlung dokumentieren und der Klasse zur Verfügung stellen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Schüler*innen hatten eine Doppelstunde Zeit für die Praxis. Das bedeutete, dass sie ihr Kunstwerk innerhalb einer einzigen Stunde fertigstellen mussten, was den kreativen Prozess stark unter Zeitdruck setzte. Wir würden das nächste MAl mehr Zeit geben. -> Jedoch muss man dazu sagen, dass oft genau der Zeitdruck zu besseren Ergebnissen führen kann, weil man sich nicht zu lange überlegen kann, sondern direkt einfach anfangen. Dies hat sich auch bei den tollen Ergebnissen der Schüler*innen gezeigt 

    -Außerdem war es aus Zeitgründen leider nicht möglich, alle Ergebnisse gemeinsam anzuschauen. Wir konnten nur etwa 6–7 Arbeiten im Plenum besprechen. Dabei wäre es sicherlich spannend gewesen, alle Werke zu sehen, da sie sehr unterschiedliche Perspektiven und Themen aufgegriffen haben. Für eine zukünftige Durchführung würden wir daher überlegen, wie man eine individuelle Präsentationsform integrieren könnte, zum Beispiel in Form eines Gallery Walks oder durch eine Präsentation in Kleingruppen.

    Info Autor*innen

    Brigitta Mate und Sophia Budimir sind Studierende der Kunsthochschule Mainz und studieren Kunst auf Lehramt. Sophia ist in einer Medienklasse und Brigitta in einer Bildhauereiklasse. Beide haben ihr orientierendes Praktikum in der Schule absolviert und nahmen an kunstpädagogischen Projekten teil.

  • Im Fluss – Kreatives Schreiben als kooperative Praxis

    Dauer:
    Entwickelt:
    Franziska Adams

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Kurzbeschreibung

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Ziele

    • Kreatives Schreiben und Vortragen als künstlerische Praxis entdecken
    • Prozesse wertschätzen lernen
    • assoziative Räume eröffnen und kultivieren
    • mit Worten und spontanen Assoziationen frei umgehen lernen
    • kollaborative kreativitätsfördernde Strategien als fächerübergreifende Methode begreifen
    • sich einem Thema ohne Bewertung, aber wertschätzend nähern
    • Sprache als machtvolles und formbares Material dekonstruieren lernen

    Materialien

    Pro Person 2 Papiere und ein Stift, mit dem sich gut schreiben lässt.

    Große Papierrolle für das gemeinsame Mapping: “Brücken bilden”

    Ablauf

    Brainstorming:

    Brainstormen von Vorstellungen, was kreatives Schreiben ist.

    Kritische Diskussion des Begriffs Kreativität und der Idee von Originalität. Vorstellen der Arbeitsweise von Remix Culture, die mit schon Vorhandenem arbeitet.

    Angeleitete Schreibübungen

    Eine Reihe kurzer Schreibübungen (1:30 min) helfen in Fluss zu kommen: Nach der Aufwärmübung ABC arbeiten alle in drei methodischen spielerischen Schritten Wortassoziationen – Brücken bauen – Springbrunnen an eigenen Mindmaps.

    Die Übungen eignen sich auch außerhalb des Kunstunterrichts als Methode, um Themen aufzumachen und thematisch auszubreiten.

    Brücken bilden

    Jede Person bringt nun einen eigenen Fundus an Wörtern, Sätzen, Assoziationen zum bestimmten Thema mit, in diesem Beispiel: „Im Fluss“.. Um die Angst vor dem weißen leeren Nichts zu nehmen, wird das Thema mittig auf ein großes Blatt Papier geschrieben und alle schreiben einen Satz aus den vorherigen Übungen dazu. Beim Lesen der einzelnen Sätze werden Brücken gebaut: Sätze mit Linien verbunden oder ergänzende Verbindungssätze dazugeschrieben. So entsteht eine Zeichnung sich begegnender Linien und Worte.

    Textarbeit in kleinen Gruppen (ca. 20min)

    Zufällig gebildete Kleingruppen arbeiten an eigenen Texten. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Herangehensweisen. Zum gesetzten Thema „Im Fluss“ kann entweder ein Gedicht geschrieben, oder ein Text aus einem Song, Gedicht, Zeitungsbericht, Werbung umgeschrieben und adaptiert werden.


    Aufführung

    Als Input zur Aufführung wird der Klasse ein Dada Lautgedicht zum Beispiel von Hugo Ball: “Karawane” vorgespielt. Als Lautgedicht oder auch Lautpoesie benannt, ist es vergleichbar mit abstrakter Malerei. Die Sprache bildet nicht mehr etwas ab, sondern wird rein formal angewendet. Die Gedichte nähern sich der Musik an. Der Impuls soll zu spielerischen und unkonventionellen Formen ermuntern. Eine historische Einordnung zu Dada als Kunstform bietet sich an.

    Das Lautgedicht lässt sich gut vorlesen und/oder als Video abspielen.

    Zur Vorbereitung der Abschlusspräsentation überlegt jede Gruppe (5 min), wie und in welcher Form sie ihren Text präsentieren will. Folgende Leitfragen helfen dabei: Ist Sprache noch erkennbar? Wiederholen sich Wörter? Soll Sound dazukommen? Hilft das Wiederholen von Wörtern zur Rhythmisierung? Wann spreche ich laut oder leise? Wer spricht von welcher Seite vom Raum? 

    Die Gruppe bespricht die verteilten Rollen der Beteiligten, sodass alle einen Weg finden, auf ihre eigene Weise etwas beizusteuern.

    Vor der Aufführung gibt die Lehrkraft folgende Hinweise: „Nichts wird dokumentiert. Die Aufführung existiert nur für den Moment. Es ist ein Experimentieren. Sich trauen, was auszuprobieren. Wahrnehmen, auf uns wirken lassen, Es geht heute nicht um das Bewerten. Ein Experimentierraum.“

    Reflexion und Anmerkungen

    • Die Ergebnisse können nachfolgend per Sound, gesprochener Text, Layout, Film etc. ausgebaut werden.
    • Wer die kritische Diskussion über Kreativität und den Glauben an Innovation vertiefen möchte, könnte den Text von Max Fuchs lesen
    • Oder allgemein Gisela Ulmann: “person, process, press, product