Schlagwort: Alltagsmaterialen

Alle Skizzen

  • Cyborg Community – kollektive Collagen

    Dauer:
    Entwickelt:
    Karoline Bierner im Gespräch mit Nargol, Hannah, Alicia und Miki

    Im Unterricht werden Ausschnitte aus dem Essay “Ein Manifest für Cyborgs” (Donna Haraway, 1985) vorgestellt, die als Inspiration für gemeinschaftlich geschaffene Collagen dienen. 
    Im Sinne von Haraway werden herrschaftslegitimierende Narrativen in den uns umgebenden Bildwelten untersucht, mit dem Anspruch, diese zu verändern und neue, emanzipatorische Verknüpfungen herzustellen.

    Kurzbeschreibung

    Im Unterricht werden Ausschnitte aus dem Essay “Ein Manifest für Cyborgs” (Donna Haraway, 1985) vorgestellt, die als Inspiration für gemeinschaftlich geschaffene Collagen dienen. 
    Im Sinne von Haraway werden herrschaftslegitimierende Narrativen in den uns umgebenden Bildwelten untersucht, mit dem Anspruch, diese zu verändern und neue, emanzipatorische Verknüpfungen herzustellen.

    Ziele

    • Kennenlernen von Donna Haraway und ihrem Essay “Das Cyborg Manifesto”
      • Einblicke in ihr Schreiben und ihre Themen: Natur, Technik und Mensch
      • Vorstellung der queerfeministischen Theorie und des Begriffes des “Cyborgs”
      • Verständnis dafür entwickeln, dass Identität / Gesellschaft nicht aus einer Einzelperson, sondern aus vielen Fragmenten und Perspektiven bestehen
    • Die Schüler*innen wenden die künstlerische Technik der Collage als Strategie zur Annäherung an wissenschaftliche Texte an
    • Förderung des kollaborativen Arbeitens durch die Gruppenkonstellationen

    Materialien

    • Schneidematten
    • Cutter
    • Scheren
    • Klebestifte
    • Zeitschriften

    Ablauf

    • Stationen / Tische
    • pro Tisch 1 großes Collage-Plakat
    • Schüler*innen in Gruppen 
    • 15–20 Minuten pro Runde
    • nach jeder Runde Rotation zum nächsten Tisch

    Zu Beginn der Stunde wird Donna Haraways “Ein Manifest für Cyborgs” kurz vorgestellt:

    Mit ihrem Essay aus dem Jahr 1985 hat Donna Haraway den querfeministischen Diskurs geprägt. In dem Text entwirft sie ein positives Bild der “Cyborgs”. Die Cyborg kann uns ein Vorbild sein, um Entweder-Oder-Kategorien aufzulösen, denn sie ist nie nur Mann oder Frau, nur Mensch oder Technik. Sie fordert uns auf, uns aus unterdrückenden, herrschaftslegitimierenden Dichotomien zu befreien. Gleichzeitig sollen wir Verantwortung übernehmen für die Gestaltung der technologischen Entwicklung und Wissen darüber ansammeln, um wirksame Strategien der Kritik zu entwerfen. Für Haraway ist die Gemeinschaft wichtig und das Bilden von Netzwerken. Sie plädiert für eine Vielzüngigkeit – es gibt nicht nur eine Erzählung.

    Für das Collagieren werden mehrere Tische zu einem großen Arbeitstisch zusammengestellt. Es gibt mehrere Arbeitsplätze, auf denen jeweils eine Schneidematte liegt. In der Mitte des Tisches sind alle Materialien ausgebreitet, die wir zum Collagieren brauchen – Zeitschriften, Zeitungen, Werbeprospekte, aussortierte Bildbände, sowie Klebestifte, Cutter und Scheren. Die Arbeitsfläche sollte möglichst groß sein, damit die Arbeitsmaterialien übersichtlich ausliegen können und genügend Platz für alle Arbeitsplätze bleibt. Große feste weiße Papierbögen dienen als Untergrund für die Collagen. 

    Anschließend werden ausgedruckte Zitate aus dem “Manifest für Cyborgs” ausgeteilt, das von den Schüler*innen zunächst für sich gelesen wird. Die angehängten Zitate sind beispielhaft und können von der Lehrkraft je nach Schwerpunkt selbst gewählt werden. Danach werden in der Gruppe Fragen zum Manifest geklärt und Möglichkeiten der Übertragung der Ideen des Manifests durch die Technik der Collage erarbeitet. Die Zitate sind so groß ausgedruckt, dass sie auch Teil der Collage werden können.

    Nun wird mit dem Collagieren begonnen. Es gibt mehrere Arbeitsplätze und die Schüler*innen können entscheiden, ob sie entweder alleine oder in der Gruppe beginnen wollen. Die Lehrperson gibt ein Signal zum Anfangen und sagt zwischendurch die noch verbleibende Zeit durch. Nach ca. 20 Minuten werden die Schüler*innen gebeten, die Plätze zu wechseln und an einer anderen Collage weiterzuarbeiten. Durch das gemeinsame Arbeiten mit Platzwechsel soll ein spielerischer Aspekt gefördert werden. Die Arbeitsatmosphäre soll nicht kompetitiv, sondern kollaborativ sein. Alle 15 Minuten gibt es einen weiteren Platzwechsel. 

    Nach einer Stunde endet das Arbeiten an den Collagen. Die Schüler*innen hängen die entstandenen Bilder an die Wand. Nach dem gemeinsamen Betrachten der Arbeiten erfolgt eine Diskussion über die Beobachtungen im Kontext des Cyborg Manifestes. Der intuitive kollaborative Prozess des Collagierens wird so gemeinsam reflektiert.

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde in einem Workshop mit Studierenden des Kunstlehramts durchgeführt. Während des Workshops fragte nach einer Weile ein Teilnehmer, ob wir Musik anmachen könnten. Eine super Idee, denn durch die Musik wurde ein Abtauchen in die Arbeit an der Collage unterstützt, sie förderte eine entspannte Arbeitsatmosphäre und ein positives Gruppengefühl. 

    Die Teilnehmer*innen empfanden es teilweise als schwierig, die Collage, an der sie gearbeitet hatten, freizugeben und an einer anderen weiterzuarbeiten. Ich möchte nächstes Mal das gemeinsame Arbeiten besser einführen. Vielleicht ist es sinnvoll, dass die Papierbögen schon an den Arbeitsplätzen liegen, damit von Anfang an klar ist, dass es keine “eigene” Collage gibt. Ich habe auch überlegt, ob ich den Platzwechsel frei lasse – wenn von Anfang an klar ist , dass alle an einer gemeinsamen Collage arbeiten,dann ist es vielleicht schön, wenn jede Person frei entscheiden kann, wann sie den Platz wechseln möchte. Diejenigen, die gerade sehr in die Arbeit eingetaucht sind, müssen so nicht herausgerissen werden.

    Ich fände es schön, nächstes Mal die einzelnen Arbeiten nicht als einzelne Blätter aufzuhängen, sondern alles am Ende gemeinsam zu einem großen Bild zusammenzufügen.

    Info Autor*innen

    Karoline hat lange am Theater als Bühnen- und Kostümbildnerin gearbeitet und ist ausgebildete Sozialpädagogin. Sie studiert gerade auf dem zweiten Bildungsweg Lehramt Bildnerische Erziehung und Werken/Textil an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und hat die Idee für diesen Workshop mit anderen Studierenden ausprobiert jedoch noch nicht im Schulsetting.

  • High Fashion – Strategische Dekonstruktion von Gendercodes

    Dauer:
    Entwickelt:
    Okan Alcay und Sophia Schlager in Dialog mit Nargol, Miki und Hannah

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Kurzbeschreibung

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Ziele

    • Auseinandersetzung mit der Schnittstelle von High Fashion und Kunst
    • Kennenlernen der Konstruktions- und Reproduktionsprozesse von Gendercodes
    • Analyse der Dekonstruktionsstrategien von Gendercodes in High Fashion 
    • Entwurf und Visualisierung eigener Designkonzepte
    • Zeichnerische und bildhauerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien
    • Kreation eines eigenen, konzeptuellen Designstücks 

    Materialien

    Für die Lehrperson

    • Klassenraum mit Projektor, elektronisches Endgerät, Drucker 
    • Karten mit abgebildeten Designstücken als Beispiele für High Fashion
    • Karten mit abgebildeten Designstücken von Rei Kawakubo
    • Vortrag zu Begriffserklärung von „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“
    • Vortrag zur Einführung zu Rei Kawakubo
    • Post-its
    • Handout mit den besprochenen künstlerischen Strategien 

    Für die Schüler*innen

    • Zeichenpapier (ca. 1,50 m × 1,80 m pro Schüler*in)
    • Papier für Vorskizzen
    • Verschiedenste Stifte
    • Diverse Materialien (Karton, Folien, Styropor, Textilien, etc.) 
    • Heißklebepistole und/oder Klebstoff
    • Scheren und/oder Skalpelle 
    • Die Schüler*innen können gebeten werden, eigene Materialien von zu Hause mitzubringen.
    • Hinweis: Ergebnisse hängen stark von den Materialien ab. 

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde zunächst im Rahmen eines Studienseminars von Lehramtsstudierenden durchgeführt und dann in Zusammenarbeit mit der kritilab Redaktion weiterentwickelt. Für die Durchführung des Unterrichts sind ausreichend Platz und genügend Materialien von Vorteil.

    Ablauf

    Einleitung

    Für die Einleitung in das Thema Dekonstruktion von Gendercodes in High Fashion werden den Schüler*innen zunächst Fotografien von Designstücken präsentiert.

    Anschließend erhalten die Schüler*innen die bereits ausgedruckten Fotografien als Karten und wählen eine Karte aus, um das Designstück zu beschreiben (Materialien, Form, Farbe …).

    Daraufhin werden die Begriffe „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“ erklärt.

    Im nächsten Schritt wird die Modedesignerin Rei Kawakubo vorgestellt, und ihre Designs werden im Kontext der Dekonstruktion von Gendercodes beleuchtet (auf Anfrage per Mail können wir auch eine bereits existierende Präsentation zur Verfügung stellen).

    Nach dieser Einführung wird eines ihrer Designstücke gemeinsam im Plenum beschrieben und hinsichtlich Form, Farbe und Materialität analysiert. Die Schüler*innen haben die Möglichkeit, ihre Beschreibung des eigenen Designstücks (ausgeteilte Einstiegskarten) mit Kawakubos Designstück zu vergleichen.

    Anschließend werden die künstlerischen Strategien von Rei Kawakubo mithilfe des Handouts (z.B. Übertreibung, Hybridisierung, Verhüllung, etc.) erarbeitet und diskutiert.

    In der nächsten Phase werden drei Fotos mit individuellen Designstücken von Rei Kawakubo als Plakate präsentiert. Die Schüler*innen identifizieren Schlagworte in Form von Adjektiven, um die Designstücke zu beschreiben, und notieren diese auf Post-its. Anschließend kleben die Schüler*innen ihre Post-its an die jeweiligen Fotos. Gemeinsam mit der Lehrperson analysieren die Schüler*innen die Sammlung der Wörter: Gibt es Wiederholungen? Können die Wörter in Kategorien (z. B. Material, Farbe …) unterteilt werden?

    Praktische Phase

    Die Schüler*innen beginnen mit der Anfertigung von Vorskizzen für ein eigenes Designstück. Dabei sollen die Entwürfe mit den traditionellen Gendercodes brechen und die Potenziale der Körperimagination durch Material und Form ausloten. Als Inspirationsquelle können sie Entwürfe von Rei Kawakubo heranziehen. Die Vorskizzen werden mit Stift auf A3-Papier erstellt.

    Folgende Fragen können für den Einstieg dienen.

    • Aus welchen Formen soll mein Design bestehen? 
    • Welche Stofflichkeiten/Oberflächen soll es enthalten?
    • Welches Material bietet sich für meine Ideen an?
    • Was will ich betonen und was will ich ändern?

    Die Vorskizzen werden im nächsten Schritt auf größeres Zeichenpapier übertragen (ca. 1,50 m × 1,80 m). Auf diesem Zeichenpapier sollen die Schüler*innen einen Körperumriss zeichnen, wobei auch „Fantasiekörper“ mitbedacht werden könnten. Die Körperumrisse können beispielsweise freihändig gezeichnet werden, oder die Schüler*innen helfen einander, ihre eigenen Umrisse nachzufahren.

    Anschließend sollen sie den auf dem Papier gezeichneten Körperumriss mit ihrem konzeptuellen Designstück einkleiden. Sie können dabei beispielsweise Materialien wie verschiedenste Stifte zum Zeichnen oder auch Karton, Folie, Styropor, Textilien, etc. zum Collagieren benutzen.

    Abschluss

    Nachdem die Schüler*innen ihre Arbeiten fertiggestellt haben, präsentieren sie diese vor der Klasse, betrachten sie gemeinsam und reflektieren. Dabei sollen die Schüler*innen auch benennen, welche künstlerische Strategie sie für die Dekonstruktion von Gendercodes angewendet haben (evtl. auch hier mit Post-its arbeiten).

    Info Autor*innen

    Ein erster Entwurf dieser Unterrichtsstunde wurde von zwei Lehramtsstudent*innen im Rahmen ihres Bachelorstudiums durchgeführt, die noch keine konkrete Erfahrung als Lehrperson besitzen, jedoch Erfahrungen in Nebentätigkeiten im schulischen Rahmen gesammelt haben.

  • Müllmonster — Die Schatten der Konsumgesellschaft

    Dauer:
    Entwickelt:
    Anna Angerer in Dialog mit Leonie, Nargol, Miki, Hannah

    Müllmonster werden im Stil der künstlerischen Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster als Schatten zum Leben erweckt. Diese Gelegenheit wird genutzt, um über den Begriff “Müll” zu philosophieren. Fragen wie “Wer legt fest, was als Müll gilt und was nicht?” oder “Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können?” tauchen auf und werden kontextualisiert.

    Kurzbeschreibung

    Müllmonster werden im Stil der künstlerischen Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster als Schatten zum Leben erweckt. Diese Gelegenheit wird genutzt, um über den Begriff “Müll” zu philosophieren. Fragen wie “Wer legt fest, was als Müll gilt und was nicht?” oder “Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können?” tauchen auf und werden kontextualisiert.

    Ziele

    • Sensibilisierung zum Thema Müll im Alltag der Schüler*innen
    • Den Begriff “Müll” definieren und als Konstrukt hinterfragen
    • Den Wert und Kontext von Ressourcen aus verschiedenen Perspektiven betrachten
    • respektvoller Umgang mit Ressourcen — auch in künstlerischen Prozessen
    • Schattenkunst als Technik kennenlernen
    • mit räumlichem / plastischem Arbeiten experimentieren

    Materialien

    • anorganischer Müll, der gesäubert werden kann
    • Lichtquelle (z. B. Smartphone-Lampe, Taschenlampen …)
    • Kamera (Fotokamera, Smartphone …)
    • Unterlagen
    • eventuell Papier/Karton als provisorische Leinwand für jede Gruppe
    • Scheren
    • Cutter
    • Tacker
    • Locher
    • Kreppband
    • Klammern (z. B. Büroklammer, Musterklammer, Clips …)
    • Schnüre
    • Nähsachen
    • Beamer, Leinwand für die Präsentationen
    • Stifte und Papier für eventuelle Skizzen

    Ablauf

    Vorbereitend
    In Vorbereitung auf den Unterricht werden die Schüler*innen zwei Wochen vorher aufgefordert, anorganischen Müll zu sammeln. Das können Verpackungsmüll oder alte Gebrauchsgegenstände (Kleidung, Haarklammern) sein. Wichtig ist, dass sie gesäubert werden können. Der Müll darf aus dem eigenen Umfeld (Familie, Bekannte, Schule …), aber auch aus dem öffentlichen Raum stammen. Es ist wichtig, Hygienevorschriften mit den Schüler*innen zu besprechen.

    Einstieg
    Für den Unterrichtseinstieg ist ein Quiz angedacht, um die Schüler*innen zu aktivieren und ihr bereits vorhandenes Wissen zu erfassen.

    Eine Quiz-Möglichkeit ist dem Prinzip der Kindersendung “1, 2 oder 3” nachempfunden. 

    Die Lehrperson hat mehrere Fragen vorbereitet, die jeweils drei Antwortmöglichkeiten erlauben. Verschiedene Teile des Klassenzimmers werden den Antwortmöglichkeiten 1–3 zugewiesen. Die Schüler*innen stellen sich in den Antwortbereich, den sie für den Richtigen halten. 

    Beispielfragen könnten sein:

    • Welcher Haushaltsmüll entsteht am häufigsten?
    • “Was kommt wohin” – Wie wird Müll getrennt? (Eine Coladose, ein Regenschirm, gekochtes Gemüse…)
    • Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können? (Andere Länder / Müllberge)
    • anorganisch/ organisch: Ist dieser Müll (an-)organisch? (Windel, Obst, Joghurt, Klebeband, Papier…)
    • Wie viel Müll produzieren Privathaushalte? 
    • Wie viel industrieller Müll entsteht in Zeitraum x?
    • Wie wird der Müll in der Stadt und in der Schule getrennt und verwertet?
    • Wie lange braucht … (z. B. PET-Flasche) bis es sich in der Natur zersetzt?

    Zusammentragen des Mülls & Diskussion
    Nach dem Quiz werden die Schüler*innen aufgefordert, ihren gesammelten Müll auf einem Haufen im Klassenraum zusammenzutragen. Von diesem ausgehend startet eine gemeinsame Diskussion über die Erfahrungen beim Müllsammeln.

    Beispielfragen für die Diskussion: 

    • Wie herausfordernd war es, viel Müll zusammenzutragen? (Skala 1–10) 
    • Nach welchen Kriterien habt ihr den Müll ausgesucht?
    • Wie habt ihr den Müll gesäubert? Hattet ihr dabei besondere Gedanken oder Gefühle erlebt?
    • Was kommen euch für Gedanken, wenn ihr den Müllberg hier seht?
    • Wo landet der Müll, wenn ihr ihn nicht für den Kunstunterricht sammelt

    Experimentieren
    Nach der Diskussion nähern sich die Schüler*innen dem Material an. In einer kurzen Arbeitsphase wird versucht, aus verschiedenen Materialien kleine Skulpturen zu erschaffen, die mit Taschenlampen bzw. Smartphones beleuchtet werden.  

    Wie können Materialteile verbunden werden, ohne Klebstoff zu verwenden? Wie wirken die unterschiedlichen Texturen, wenn sie mit der Taschenlampe beleuchtet werden?

    Reflexion anhand einer Beispielarbeit
    Im nächsten Schritt wird die künstlerische Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster vorgestellt.
    Die Lehrkraft fordert die Schüler*innen auf, ihre Assoziationen zu der Arbeit mitzuteilen. Mit den gesammelten Assoziationen und den Beiträgen aus der Diskussion kann eine Reflexion zu dem Thema Müll und der künstlerischen Praxis durchgeführt werden.  

    Beispielfragen für die Reflexion:

    • Wer legt fest, was als „Müll“ gilt und was nicht? Wie könnten dominante Vorstellungen davon, was wertlos ist, kulturelle Praktiken oder Objekte von marginalisierten Gruppen abwerten oder unsichtbar machen?
    • Eine Künstler*in entscheidet sich bewusst für “Abfall”-Materialien. Welche (stereotypen) Erwartungen könnten damit beim Publikum geweckt werden (z. B. hinsichtlich der Herkunft oder des sozialen Status der Künstler*in)? Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung, wenn dieselbe Technik von einer Person aus privilegierten Hintergrund angewandt wird vs. einer Person aus einer marginalisierten Gruppe?
    • Wenn bestimmte Gruppen als besonders “sparsam” oder “erfinderisch im Umgang mit Resten” gelobt werden (“positiver” Rassismus): Wie kann diese Zuschreibung problematisch sein und von strukturellen Nachteilen oder fehlenden Ressourcen ablenken?
    • Wie nutzt der Titel „Dirty White Trash“ ein Vorurteil (Stereotyp), um eine Gruppe von Menschen herabzusetzen? Was bewirkt es, dass das Kunstwerk diese Beleidigung so direkt aufgreift und mit dem sichtbaren Abfall verbindet?
    • Weshalb ist die Betrachtung von Upcycling als umweltbewusstes und trendy Hobby eine nur einseitige Perspektive? Welche Relevanz hat der Kontext, aus dem heraus Upcycling betrieben wird?
    • Die durch den Schatten abgebildeten Künstler*innen haben für den Haufen ihren gesammelten Müll von sechs Monaten verwendet. Inwiefern ändert diese Zusatzinformation das Verständnis der Arbeit?

    Praktische Phase: Müllmonster
    In dieser Phase setzen sich die Schüler*innen praktisch mit dem Müll auseinander. Die Aufgabe besteht darin, dass die Schüler*innen ein “Müllmonster” erschaffen. Wie auch in der zuvor besprochenen Arbeit sollen diese als Schatten und nicht als Objekt im Raum entstehen.

    Hierbei können sie sich an dem gesammelten Müll bedienen.

    Um die Aufmerksamkeit der Schüler*innen auf die Materialien und das Prinzip der Mülltrennung zu schärfen, sollte angeregt werden, auf Klebstoffe zu verzichten. Zum Beispiel können verschiedene Teile ineinander gesteckt werden.
    So können die Monster auch wieder zerteilt und die verwendeten Materialien sortenrein entsorgt werden.

    Die Schüler*innen erarbeiten die Monster in Gruppen und können mit einer mitgebrachten Taschenlampe oder dem Smartphone den Schattenwurf der verschiedenen Materialien fortlaufend erkunden. 

    Interessante Zwischenergebnisse werden fotografisch festgehalten. Wie bei Dirty White Trash werden die Schatten mit dem Müllhaufen zusammen fotografiert.


    Kollektiven Steckbrief erstellen
    Zu den fotografierten Monstern überlegen sich die Gruppen Geschichten in Form eines Steckbriefs. Woher kommt das Monster? Aus was besteht es? Welche Zukunft hat es? Was sind die Träume des Monsters? Für wen stellt das Monster eine Bedrohung dar? 

    Präsentation
    Die fotografisch dokumentierten Müllmonster-Schatten werden vor der ganzen Klasse gezeigt und jede Gruppe erzählt über ihre künstlerische Arbeit. Hier kann eine abschließende Besprechung stattfinden.

    Mögliche Weiterführung des Projekts
    Vielleicht bietet sich den Monstern ja auch eine Gelegenheit, im Rahmen einer Ausstellung ihre Geschichten dem Rest der Schule zu erzählen.

    Nachbereitung
    Es wird empfohlen, die Objekte nach Projektabschluss wieder auseinander zu nehmen und den Müll artgerecht zu trennen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Stunden wurde vor der Veröffentlichung nicht unterrichtet.


    Info Autor*innen

    Anna studiert den Master Kunst und Kommunikative Praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien und das Unterrichtsfach Deutsch an der Universität Wien und hat Unterrichtserfahrung im Rahmen einiger Praktika sammeln können.

  • Den Alltag abformen: positiv-negativ

    Dauer:
    Entwickelt:
    Leonid Hrytsak, im Dialog mit Eva

    Egal ob Kopfhörer, Schlüsselbund oder Handyhülle – mittels Abdrücken mitgebrachter Alltagsgegenstände entdecken die Schüler*innen die Technik des Negativ-Positiv-Formens und des Gipsgießens. Sie lernen Fragen der Komposition kennen und gewinnen Einblicke in die Lebenswelten der Mitschüler*innen.

    Kurzbeschreibung

    Egal ob Kopfhörer, Schlüsselbund oder Handyhülle – mittels Abdrücken mitgebrachter Alltagsgegenstände entdecken die Schüler*innen die Technik des Negativ-Positiv-Formens und des Gipsgießens. Sie lernen Fragen der Komposition kennen und gewinnen Einblicke in die Lebenswelten der Mitschüler*innen.

    Ziele

    • Spielerisch an drei-dimensionales Arbeiten heranführen
    • Alltagswelten der Schüler*innen thematisieren, validierenüber mitgebrachte Objekte
    • Begegnungen und Verbindungen schaffen

    Materialien

    Ton, Holzbretter, Trennmittel (Vaseline), Gips, mitgebrachte Alltagsgegenstände

    Ablauf

    Einführung
    Zum Einstieg könnten die Schüler*innen schon fertig gestellte Gipsguss-Reliefs, die im Klassenzimmer gezeigt werden, aus der Nähe ansehen, berühren und deren Herstellungstechnik besprechen. Anschließend wird gemeinsam darüber nachgedacht werden, ob es in der Nachbarschaft Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt, die durch Abguss Verfahren hergestellt sind. Andernfalls könnten auch anhand von Bildbeispielen Materialien, Herstellungsprozess und evtl. die geschichtliche Einordnung der gezeigten Werke besprochen werden (mit Büchern, Handouts oder Präsentation).

    Dann werden die einzelnen Schritte des Arbeitsprozesses erklärt und auf was man achten muss. (Siehe Arbeitsblatt). Hier wird auch nochmal erklärt, welche plastische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. z. B. Objektabdrücke, Freihand-Modellierung oder auch Negativform als mögliches Endprodukt.

    Aktion
    Die Schüler*innen bringen 3 (kleinere) Gegenstände aus ihrem Alltag und ihrer Lebenswelt mit. (Münzen, Haarspangen, Schraubenzieher, Handyhülle, Schmuck, etc)

    In Kleingruppen (2–4) wird ein Bett aus Ton vorbereitet in das die Schüler*innen eine Auswahl der mitgebrachten Gegenstände abdrücken. Dabei wird auf die Konstellation und Komposition der ausgewählten Gegenstände geachtet (Größe, Form). Es können auch Strukturen bzw. Oberflächen mit der Hand modelliert werden. Damit der Gips nicht an den Objekten kleben bleibt werden diese mit Vaseline bepinselt.

    Dann wird eine Kiste gebaut aus Holz, Ton oder Pappe, die Negativplatte mit vier Wänden umschließt. Die Kiste wird dann mit angerührtem Gips gefüllt. (siehe Abb.)

    Wenn der Gips abgebunden hat, werden zuerst die Formwände und dann das noch feuchte Tonbett vorsichtig abgenommen. Falls noch weitere Tonreste an Hinterschneidungen hängen bleiben, kann man diese mit einem spitzen Modellierwerkzeug entfernen.

    Die Reliefplatte, die die Positivformen zeigt, könnte auch farbig gestaltet werden, mit Sprühfarbe, Trockenpigment oder Acryl/Wasserfarbe.

    Reflexion und Anmerkungen

    {nochmal bei L. nachfragen}

  • Musikinstrumente erfinden und bauen

    Dauer:
    Entwickelt:
    Benjamin Mathias, im Dialog mit Eva & Hannah

    Aus Alltagsmaterialien werden Fantasie-Musikinstrumente gebaut, mit denen Töne erzeugt werden können. Wenn alle Instrumente vorgestellt und vorgespielt wurden, kann gemeinsam, als Orchester, ein kurzes Musikstück improvisiert oder eine bekannte Melodie nachgespielt werden, zum Beispiel, die Melodie des Schulgongs.

    Daniel Charles: John Cage oder Die Musik ist los. Merve Verlag, Berlin 1979 S. 20f.
    Nevin Aladag, Resonator, 2019
    OK Go – Needing/Getting zeigen, wo eine Band mit Hilfe eines Autos einen ganzen Song komponiert.
    Internet Suchbegriff: „Unusual music instruments“
    Klassenkonzert

    Kurzbeschreibung

    Aus Alltagsmaterialien werden Fantasie-Musikinstrumente gebaut, mit denen Töne erzeugt werden können. Wenn alle Instrumente vorgestellt und vorgespielt wurden, kann gemeinsam, als Orchester, ein kurzes Musikstück improvisiert oder eine bekannte Melodie nachgespielt werden, zum Beispiel, die Melodie des Schulgongs.

    Ziele

    • An Klänge und Klangkunst heranführen
    • Experimentierlust und Erfindungsreichtum anregen
    • Auch unkonventionelle Musikinstrumente können coole Sounds machen
    • Aufeinander hören, zusammenspielen und improvisieren lernen, wie ein Orchester

    Materialien

    Karton, Basteldraht, Essstäbchen, Schrauben, Nägel, Korken, Acrylfarbe, Filzstifte, Kleber, Kreppband, Werkzeug

    Ablauf

    Einführung und erste Skizzen (erste Doppelstunde)

    Gemeinsames Brainstormen mit Beispielen aus dem Alltag der Schüler*innen:

    Welche Instrumente gibt es? Welche Gegenstände machen Geräusche?

    Thema Klang: Anhand von Bildbeispielen (Internet Suchwort: „Unusual music instruments“) wird in das Thema Klang eingeführt. Was macht den Klang eines Instruments aus? Woher kommt er, wie wird er hergestellt? Mit welchen Mitteln kann man sonst noch Klänge erzeugen?

    Thema Alltags Geräusche: Ein gutes Beispiel wäre der Künstler John Cage, der sagt, dass Klänge von Instrumenten durch „Intellektualisierung verbraucht sind“ und sich Geräuschen zuwendet,  die beim Anhören keine vorgefertigten Zuschreibungen erfahren. (Charles 1979, S. 20 – siehe Ressourcen)

    Thema Objektcharakter eines Musikinstruments: Als Beispiele dienen hier die „Resonator“ Werke (https://nevinaladag.com/works/resonator-musical-sculptures) der Künstlerin Nevin Aladag.

    Dann werden mit den Schüler*innen popkulturelle Beispiele gesammelt, in denen Alltagsgeräusche zu Sound und Musik verarbeitet werden. Gerne die Schüler*innen Beispiele nennen lassen.

    Als schönes Anschauungsbeispiel kann das Musikvideo von OK Go – Needing/Getting dienen. Hier komponiert eine Band mit Hilfe eines Autos einen ganzen Song.

    Den Rest der Stunde können die Schüler*innen dann Ideenskizzen von Phantasie Instrumenten anfertigen – nur Skizzen, keine aufwendigen Malereien. Wem dabei wenig einfällt kann Mischungen aus verschiedenen Instrumenten skizzieren.

    Materialien ausprobieren und mit dem Bauen beginnen (Zweite Doppelstunde)

    Jetzt überlegen sich die Schüler*innen Instrumente, die mit den vorhandenen Materialien realisierbar sind. Tipp: Es sollte unbedingt genügend Material zur Verfügung stehen, sodass alle Schüler*innen die gleichen Chancen haben.

    Die schon angefertigten Skizzen sind lediglich Brainstormingnotizen. Sie können, sie müssen aber nicht umgesetzt werden.

    Wichtig wäre hier schon zu überlegen, was am Ende gespielt werden soll und die Klasse in entsprechende Gruppen einteilen: zum Beispiel in Rhythmus-Instrumente, Zupf-/ Streichinstrumente, oder Blasinstrumente. Die Instrumente sollen einen hörbaren Klang erzeugen.

    Die Instrumente verfeinern und gestalten (dritte Doppelstunde)

    Hier wird an den Klangerzeugung gearbeitet und bildnerisch gestaltet – mit Farben und Applikationen.

    Die Instrumente vorstellen und gemeinsam spielen

    Am Ende stellt jede Gruppe (Paare) ihr Instrument vor und spielt ein paar Töne vor. Jetzt kann die gesamte Klasse versuchen gemeinsam eine kurze Melodie (z.B. den Schulgong) nachzuspielen.

    Klassenkonzert anhören

    Reflexion und Anmerkungen

    Wichtig ist, dass genug Materialien und Werkzeuge zur Verfügung stehen und gerecht aufgeteilt sind.

    Die Kriterien zur Benotung müssen klar und immer wieder formuliert werden. Zum Beispiel könnte die Note aus drei Kriterien bestehen. (1) Das kreative Engagement, (2) die Klangerzeugung, (3) Die optische Erscheinung.

    Info Autor*innen

    Hier kommen die Inhalte