Schlagwort: Remix

Alle Skizzen

  • Bild und Bildaussage: Die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verschieben

    Dauer:
    Entwickelt:
    Brigitta Mate und Sophia Budimir in Dialog mit Miki, Nargol und Hannah

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Kurzbeschreibung

    Schüler*innen untersuchen, wie die Bedeutung eines Bildes durch künstlerische Eingriffe verändert werden kann. Sie wählen Bilder aus den Medien aus, die sie beispielsweise hinsichtlich stereotyper Zuschreibungen oder Machtverhältnissen kritisch betrachten, und verschieben deren Aussage mithilfe von Techniken wie Collage sowie gestalterischen Mitteln wie Farbkontrast hin zu einer diskriminierungskritischen Perspektive.

    Ziele

    • Verständnis von Bildsprache und visueller Kommunikation 
    • Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen 
    • Analyse- und Interpretationskompetenz 
    • Kreative Gestaltungskompetenz 
    • Kooperation und Präsentationsfähigkeit

    Materialien

    • Ausdrucke oder digitale Präsentationen der ausgewählten Kunstwerke: Arbeitsblätter mit Leitfragen zur Bildsprache und Technik, QR-Codes  
    • Notizzettel oder Kärtchen (für die Sammlung gestalterischer Mittel) 
    • DIN A4 Zeichenkarton oder dickeres Papier 
    • Ausdrucke oder Kopien der Ausgangsbilder (die verändert werden sollen) 
    • Alte Zeitschriften, Magazine, Zeitungen (für Collagen) 
    • Scheren, Cutter, Klebestifte oder Flüssigkleber, Buntstifte, Filzstifte, Fineliner, Marker, Deckweiß, Tipp-Ex (für Übermalungen), ggf. Schablonen, Stempel, Strukturmaterialien (z. B. Stoffreste, Folien) ->malen theoretisch auch möglich, beansprucht aber mehr Zeit

    Ablauf

    Einführung

    Die Schüler*innen setzen sich mit der Frage auseinander, wie Bilder als Mittel der Kommunikation genutzt werden und welche Botschaften sie transportieren können. Im Zentrum der Unterrichtsskizze stehen die Themen Bildsprache, visuelle Kommunikation und eine diskriminierungskritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. Es wird empfohlen, den Schüler*innen Begriffe wie “visuelle Kommunikation” und “Semiotik”  zu erklären.

    Bildanalyse

    Im nächsten Schritt wird eine Auswahl von künstlerischen Arbeiten gezeigt, die gesellschaftliche Themen diskriminierungskritisch beleuchten. Durch das Analysieren der Werke lernen die Schüler*innen über verschiedene Diskriminierungsformen.

    Die Arbeiten zeigen, wie durch gezielte künstlerische Eingriffe, etwa Collage, Schrift oder Gegenüberstellungen, bestehende Bilder verändert und mit neuer Bedeutung aufgeladen werden können. Da sie alle durch eine kritische Neugestaltung eines bestehenden Bildes entstanden sind können sie als Inspiration für die praktische Aufgabe dienen.

    Stationsarbeit

    Es werden mehrere Arbeitsstationen eingerichtet, an denen jeweils eine künstlerische Arbeit vertiefend bearbeitet werden kann. Zu jeder Station steht ein Arbeitsblatt bereit, das sowohl Informationen zur jeweiligen Arbeit als auch gezielte Fragen zur Bildsprache und zu den eingesetzten Techniken enthält. Ergänzend bieten QR-Codes weiterführende Inhalte zur Vertiefung.

    Die Schüler*innen bewegen sich selbstständig und im eigenen Tempo durch den Raum und bearbeiten die Stationen in beliebiger Reihenfolge. Am Ende sollten alle von jedem Arbeitsblatt ein Exemplar durchgearbeitet haben, wobei zumindest die Hälfte der Fragen beantwortet sein sollte.

    Arbeit als Paare

    In Partner*innenarbeit sammeln die Schüler*innen anschließend die künstlerischen Strategien und Verfahren, die in den analysierten Werken eingesetzt wurden, und halten diese auf einzelnen Zetteln fest. Nach der Betrachtung der Kunstwerke und der Bearbeitung der Fragen wird erwartet, dass sie die verwendeten Strategien und künstlerischen Mittel – etwa Hell-Dunkel-Kontrast, Zerschneiden, Übermalung, Collage oder den Einsatz von Schriftfarbe – erkennen und benennen können. Anschließend werden die Zettel von der Lehrkraft eingesammelt.

    Mindmap als Vertiefung

    Zur Vertiefung werden die zuvor entstandenen Zettel zufällig ausgeteilt. Die Schüler*innen werden anschließend aufgefordert, gemeinsam eine Mindmap zu erstellen, indem sie die Zettel in Gruppierungen an die Tafel kleben bzw. hängen. Mögliche Kategorien, die von der Lehrkraft vorgegeben werden können, sind etwa: inhaltliche Strategien, stilistische Strategien, Schriftgestaltung, Farbgestaltung, Techniken und Blickführung.

    Alle können jederzeit an die Tafel treten, etwas hinzufügen oder umgruppieren, solange am Ende jeder Zettel seinen passenden „Platz“ gefunden hat. Diese Übung vertieft die gesammelten Techniken und erleichtert das anschließende Brainstorming für die eigene kreative Arbeit.

    Materialsuche – daheim

    Für das weitere Arbeiten sollen alle Schüler*innen Bilder aus den Medien (z. B. Zeitungen, sozialen Medien, Plakaten etc.) auswählen, die sie kritisch betrachten, und überlegen, wie deren Aussage durch die genannten Verfahren verändert werden könnte. Die ausgewählten Bilder sollen der Lehrperson per Mail geschickt werden, damit sie ausgedruckt werden können. 

    Die Lehrperson sollte vorab überprüfen, ob die zugeschickten Bilder verfassungsfeindliche Symbole oder potenziell retraumatisierende Darstellungen von Gewalt enthalten, und gegebenenfalls eine alternative Auswahl anfordern.

    Zudem ist es essenziell, dass die Lehrkraft die spezifische Sensibilität und die Diversität der Schüler*innengruppe berücksichtigt. Da Bildmaterial unbewusste Diskriminierungen reproduzieren oder schmerzhafte Erfahrungen (Trigger) auslösen kann, sollte die Auswahl sensibel auf mögliche Marginalisierungserfahrungen abgestimmt sein.

    Ergänzend hierzu sollte die Lehrperson explizit kommunizieren, dass das Wohlbefinden der Lernenden Vorrang hat: Ein transparenter Disclaimer zu Beginn macht deutlich, dass sich Schüler*innen jederzeit melden können – sei es durch ein vereinbartes Zeichen oder im direkten Gespräch –, falls sie sich mit Inhalten unwohl fühlen. Den Lernenden sollte dabei die Freiheit zugestanden werden, sich ohne Rechtfertigungsdruck kurzzeitig aus der Situation zu entziehen.

    Praktisches Arbeiten

    Für das praktische Arbeiten wählen die Schüler*innen eigene Bilder aus, die sie als problematisch empfinden, und gestalten daraus diskriminierungskritische Kunstwerke im DIN-A4-Format. Die bereits ausgedruckten Bilder werden jeweils jener Person ausgeteilt, die sie zuvor der Lehrperson geschickt hat. Zusätzlich stellt die Lehrperson weiteres Material wie Bilder, Zeitungen und Broschüren bereit, da antizipiert werden kann, dass ein Teil der Schüler*innen das eigene Material vergisst. So können sich all diejenigen spontan von den dortigen Motiven inspirieren lassen und diese bearbeiten.

    Bei der Gestaltung setzen die Schüler*innen die zuvor erarbeiteten Techniken ein, um die ursprüngliche Bildaussage zu dekonstruieren und neu zu interpretieren. Durch den Einsatz von Schrift, Collage, Übermalung, Kontrasten und weiteren gestalterischen Mitteln entwickeln sie individuelle Arbeiten, die einen kritischen Blick auf ein selbstgewähltes gesellschaftliches Thema werfen.

    Präsentation

    Nach der praktischen Arbeit werden die entstandenen Werke in Form eines Gallery Walks betrachtet. Die Schüler*innen präsentieren dabei ihre eigenen Arbeiten, um eine authentische Selbstrepräsentation zu gewährleisten und Fehlinterpretationen oder „Over-Explaining“ durch andere zu vermeiden.

    Im Anschluss teilen die übrigen Schüler*innen ihre Beobachtungen, Fragen oder Gedanken mit der Gruppe. Dabei können sie darauf eingehen, welche Kritik das Werk formuliert und welche gestalterischen Mittel eingesetzt wurden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

    Optional kann die Lehrperson die Ergebnisse am Ende in einem gemeinsamen Heft oder einer digitalen Sammlung dokumentieren und der Klasse zur Verfügung stellen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Schüler*innen hatten eine Doppelstunde Zeit für die Praxis. Das bedeutete, dass sie ihr Kunstwerk innerhalb einer einzigen Stunde fertigstellen mussten, was den kreativen Prozess stark unter Zeitdruck setzte. Wir würden das nächste MAl mehr Zeit geben. -> Jedoch muss man dazu sagen, dass oft genau der Zeitdruck zu besseren Ergebnissen führen kann, weil man sich nicht zu lange überlegen kann, sondern direkt einfach anfangen. Dies hat sich auch bei den tollen Ergebnissen der Schüler*innen gezeigt 

    -Außerdem war es aus Zeitgründen leider nicht möglich, alle Ergebnisse gemeinsam anzuschauen. Wir konnten nur etwa 6–7 Arbeiten im Plenum besprechen. Dabei wäre es sicherlich spannend gewesen, alle Werke zu sehen, da sie sehr unterschiedliche Perspektiven und Themen aufgegriffen haben. Für eine zukünftige Durchführung würden wir daher überlegen, wie man eine individuelle Präsentationsform integrieren könnte, zum Beispiel in Form eines Gallery Walks oder durch eine Präsentation in Kleingruppen.

    Info Autor*innen

    Brigitta Mate und Sophia Budimir sind Studierende der Kunsthochschule Mainz und studieren Kunst auf Lehramt. Sophia ist in einer Medienklasse und Brigitta in einer Bildhauereiklasse. Beide haben ihr orientierendes Praktikum in der Schule absolviert und nahmen an kunstpädagogischen Projekten teil.

  • High Fashion – Strategische Dekonstruktion von Gendercodes

    Dauer:
    Entwickelt:
    Okan Alcay und Sophia Schlager in Dialog mit Nargol, Miki und Hannah

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Kurzbeschreibung

    In Kontakt mit den Arbeiten der Modedesignerin Rei Kawakubo erforschen die Schüler*innen die Dekonstruktion von Gendercodes in der High Fashion. Sie entwickeln in praktischen Arbeiten experimentelle Zugänge zu Form, Farbe und Materialität und erleben, wie gestalterische Prozesse neue Perspektiven auf Körper, Identität und gesellschaftliche Gendercodes eröffnen können.

    Ziele

    • Auseinandersetzung mit der Schnittstelle von High Fashion und Kunst
    • Kennenlernen der Konstruktions- und Reproduktionsprozesse von Gendercodes
    • Analyse der Dekonstruktionsstrategien von Gendercodes in High Fashion 
    • Entwurf und Visualisierung eigener Designkonzepte
    • Zeichnerische und bildhauerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien
    • Kreation eines eigenen, konzeptuellen Designstücks 

    Materialien

    Für die Lehrperson

    • Klassenraum mit Projektor, elektronisches Endgerät, Drucker 
    • Karten mit abgebildeten Designstücken als Beispiele für High Fashion
    • Karten mit abgebildeten Designstücken von Rei Kawakubo
    • Vortrag zu Begriffserklärung von „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“
    • Vortrag zur Einführung zu Rei Kawakubo
    • Post-its
    • Handout mit den besprochenen künstlerischen Strategien 

    Für die Schüler*innen

    • Zeichenpapier (ca. 1,50 m × 1,80 m pro Schüler*in)
    • Papier für Vorskizzen
    • Verschiedenste Stifte
    • Diverse Materialien (Karton, Folien, Styropor, Textilien, etc.) 
    • Heißklebepistole und/oder Klebstoff
    • Scheren und/oder Skalpelle 
    • Die Schüler*innen können gebeten werden, eigene Materialien von zu Hause mitzubringen.
    • Hinweis: Ergebnisse hängen stark von den Materialien ab. 

    Reflexion und Anmerkungen

    Dieses Konzept wurde zunächst im Rahmen eines Studienseminars von Lehramtsstudierenden durchgeführt und dann in Zusammenarbeit mit der kritilab Redaktion weiterentwickelt. Für die Durchführung des Unterrichts sind ausreichend Platz und genügend Materialien von Vorteil.

    Ablauf

    Einleitung

    Für die Einleitung in das Thema Dekonstruktion von Gendercodes in High Fashion werden den Schüler*innen zunächst Fotografien von Designstücken präsentiert.

    Anschließend erhalten die Schüler*innen die bereits ausgedruckten Fotografien als Karten und wählen eine Karte aus, um das Designstück zu beschreiben (Materialien, Form, Farbe …).

    Daraufhin werden die Begriffe „High Fashion“, „Gendercodes“ und „Dekonstruktion“ erklärt.

    Im nächsten Schritt wird die Modedesignerin Rei Kawakubo vorgestellt, und ihre Designs werden im Kontext der Dekonstruktion von Gendercodes beleuchtet (auf Anfrage per Mail können wir auch eine bereits existierende Präsentation zur Verfügung stellen).

    Nach dieser Einführung wird eines ihrer Designstücke gemeinsam im Plenum beschrieben und hinsichtlich Form, Farbe und Materialität analysiert. Die Schüler*innen haben die Möglichkeit, ihre Beschreibung des eigenen Designstücks (ausgeteilte Einstiegskarten) mit Kawakubos Designstück zu vergleichen.

    Anschließend werden die künstlerischen Strategien von Rei Kawakubo mithilfe des Handouts (z.B. Übertreibung, Hybridisierung, Verhüllung, etc.) erarbeitet und diskutiert.

    In der nächsten Phase werden drei Fotos mit individuellen Designstücken von Rei Kawakubo als Plakate präsentiert. Die Schüler*innen identifizieren Schlagworte in Form von Adjektiven, um die Designstücke zu beschreiben, und notieren diese auf Post-its. Anschließend kleben die Schüler*innen ihre Post-its an die jeweiligen Fotos. Gemeinsam mit der Lehrperson analysieren die Schüler*innen die Sammlung der Wörter: Gibt es Wiederholungen? Können die Wörter in Kategorien (z. B. Material, Farbe …) unterteilt werden?

    Praktische Phase

    Die Schüler*innen beginnen mit der Anfertigung von Vorskizzen für ein eigenes Designstück. Dabei sollen die Entwürfe mit den traditionellen Gendercodes brechen und die Potenziale der Körperimagination durch Material und Form ausloten. Als Inspirationsquelle können sie Entwürfe von Rei Kawakubo heranziehen. Die Vorskizzen werden mit Stift auf A3-Papier erstellt.

    Folgende Fragen können für den Einstieg dienen.

    • Aus welchen Formen soll mein Design bestehen? 
    • Welche Stofflichkeiten/Oberflächen soll es enthalten?
    • Welches Material bietet sich für meine Ideen an?
    • Was will ich betonen und was will ich ändern?

    Die Vorskizzen werden im nächsten Schritt auf größeres Zeichenpapier übertragen (ca. 1,50 m × 1,80 m). Auf diesem Zeichenpapier sollen die Schüler*innen einen Körperumriss zeichnen, wobei auch „Fantasiekörper“ mitbedacht werden könnten. Die Körperumrisse können beispielsweise freihändig gezeichnet werden, oder die Schüler*innen helfen einander, ihre eigenen Umrisse nachzufahren.

    Anschließend sollen sie den auf dem Papier gezeichneten Körperumriss mit ihrem konzeptuellen Designstück einkleiden. Sie können dabei beispielsweise Materialien wie verschiedenste Stifte zum Zeichnen oder auch Karton, Folie, Styropor, Textilien, etc. zum Collagieren benutzen.

    Abschluss

    Nachdem die Schüler*innen ihre Arbeiten fertiggestellt haben, präsentieren sie diese vor der Klasse, betrachten sie gemeinsam und reflektieren. Dabei sollen die Schüler*innen auch benennen, welche künstlerische Strategie sie für die Dekonstruktion von Gendercodes angewendet haben (evtl. auch hier mit Post-its arbeiten).

    Info Autor*innen

    Ein erster Entwurf dieser Unterrichtsstunde wurde von zwei Lehramtsstudent*innen im Rahmen ihres Bachelorstudiums durchgeführt, die noch keine konkrete Erfahrung als Lehrperson besitzen, jedoch Erfahrungen in Nebentätigkeiten im schulischen Rahmen gesammelt haben.

  • Müllmonster — Die Schatten der Konsumgesellschaft

    Dauer:
    Entwickelt:
    Anna Angerer in Dialog mit Leonie, Nargol, Miki, Hannah

    Müllmonster werden im Stil der künstlerischen Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster als Schatten zum Leben erweckt. Diese Gelegenheit wird genutzt, um über den Begriff “Müll” zu philosophieren. Fragen wie “Wer legt fest, was als Müll gilt und was nicht?” oder “Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können?” tauchen auf und werden kontextualisiert.

    Kurzbeschreibung

    Müllmonster werden im Stil der künstlerischen Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster als Schatten zum Leben erweckt. Diese Gelegenheit wird genutzt, um über den Begriff “Müll” zu philosophieren. Fragen wie “Wer legt fest, was als Müll gilt und was nicht?” oder “Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können?” tauchen auf und werden kontextualisiert.

    Ziele

    • Sensibilisierung zum Thema Müll im Alltag der Schüler*innen
    • Den Begriff “Müll” definieren und als Konstrukt hinterfragen
    • Den Wert und Kontext von Ressourcen aus verschiedenen Perspektiven betrachten
    • respektvoller Umgang mit Ressourcen — auch in künstlerischen Prozessen
    • Schattenkunst als Technik kennenlernen
    • mit räumlichem / plastischem Arbeiten experimentieren

    Materialien

    • anorganischer Müll, der gesäubert werden kann
    • Lichtquelle (z. B. Smartphone-Lampe, Taschenlampen …)
    • Kamera (Fotokamera, Smartphone …)
    • Unterlagen
    • eventuell Papier/Karton als provisorische Leinwand für jede Gruppe
    • Scheren
    • Cutter
    • Tacker
    • Locher
    • Kreppband
    • Klammern (z. B. Büroklammer, Musterklammer, Clips …)
    • Schnüre
    • Nähsachen
    • Beamer, Leinwand für die Präsentationen
    • Stifte und Papier für eventuelle Skizzen

    Ablauf

    Vorbereitend
    In Vorbereitung auf den Unterricht werden die Schüler*innen zwei Wochen vorher aufgefordert, anorganischen Müll zu sammeln. Das können Verpackungsmüll oder alte Gebrauchsgegenstände (Kleidung, Haarklammern) sein. Wichtig ist, dass sie gesäubert werden können. Der Müll darf aus dem eigenen Umfeld (Familie, Bekannte, Schule …), aber auch aus dem öffentlichen Raum stammen. Es ist wichtig, Hygienevorschriften mit den Schüler*innen zu besprechen.

    Einstieg
    Für den Unterrichtseinstieg ist ein Quiz angedacht, um die Schüler*innen zu aktivieren und ihr bereits vorhandenes Wissen zu erfassen.

    Eine Quiz-Möglichkeit ist dem Prinzip der Kindersendung “1, 2 oder 3” nachempfunden. 

    Die Lehrperson hat mehrere Fragen vorbereitet, die jeweils drei Antwortmöglichkeiten erlauben. Verschiedene Teile des Klassenzimmers werden den Antwortmöglichkeiten 1–3 zugewiesen. Die Schüler*innen stellen sich in den Antwortbereich, den sie für den Richtigen halten. 

    Beispielfragen könnten sein:

    • Welcher Haushaltsmüll entsteht am häufigsten?
    • “Was kommt wohin” – Wie wird Müll getrennt? (Eine Coladose, ein Regenschirm, gekochtes Gemüse…)
    • Wo landet der Müll, den wir nicht verwerten können? (Andere Länder / Müllberge)
    • anorganisch/ organisch: Ist dieser Müll (an-)organisch? (Windel, Obst, Joghurt, Klebeband, Papier…)
    • Wie viel Müll produzieren Privathaushalte? 
    • Wie viel industrieller Müll entsteht in Zeitraum x?
    • Wie wird der Müll in der Stadt und in der Schule getrennt und verwertet?
    • Wie lange braucht … (z. B. PET-Flasche) bis es sich in der Natur zersetzt?

    Zusammentragen des Mülls & Diskussion
    Nach dem Quiz werden die Schüler*innen aufgefordert, ihren gesammelten Müll auf einem Haufen im Klassenraum zusammenzutragen. Von diesem ausgehend startet eine gemeinsame Diskussion über die Erfahrungen beim Müllsammeln.

    Beispielfragen für die Diskussion: 

    • Wie herausfordernd war es, viel Müll zusammenzutragen? (Skala 1–10) 
    • Nach welchen Kriterien habt ihr den Müll ausgesucht?
    • Wie habt ihr den Müll gesäubert? Hattet ihr dabei besondere Gedanken oder Gefühle erlebt?
    • Was kommen euch für Gedanken, wenn ihr den Müllberg hier seht?
    • Wo landet der Müll, wenn ihr ihn nicht für den Kunstunterricht sammelt

    Experimentieren
    Nach der Diskussion nähern sich die Schüler*innen dem Material an. In einer kurzen Arbeitsphase wird versucht, aus verschiedenen Materialien kleine Skulpturen zu erschaffen, die mit Taschenlampen bzw. Smartphones beleuchtet werden.  

    Wie können Materialteile verbunden werden, ohne Klebstoff zu verwenden? Wie wirken die unterschiedlichen Texturen, wenn sie mit der Taschenlampe beleuchtet werden?

    Reflexion anhand einer Beispielarbeit
    Im nächsten Schritt wird die künstlerische Arbeit “Dirty White Trash with Gulls” von Tim Noble & Sue Webster vorgestellt.
    Die Lehrkraft fordert die Schüler*innen auf, ihre Assoziationen zu der Arbeit mitzuteilen. Mit den gesammelten Assoziationen und den Beiträgen aus der Diskussion kann eine Reflexion zu dem Thema Müll und der künstlerischen Praxis durchgeführt werden.  

    Beispielfragen für die Reflexion:

    • Wer legt fest, was als „Müll“ gilt und was nicht? Wie könnten dominante Vorstellungen davon, was wertlos ist, kulturelle Praktiken oder Objekte von marginalisierten Gruppen abwerten oder unsichtbar machen?
    • Eine Künstler*in entscheidet sich bewusst für “Abfall”-Materialien. Welche (stereotypen) Erwartungen könnten damit beim Publikum geweckt werden (z. B. hinsichtlich der Herkunft oder des sozialen Status der Künstler*in)? Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung, wenn dieselbe Technik von einer Person aus privilegierten Hintergrund angewandt wird vs. einer Person aus einer marginalisierten Gruppe?
    • Wenn bestimmte Gruppen als besonders “sparsam” oder “erfinderisch im Umgang mit Resten” gelobt werden (“positiver” Rassismus): Wie kann diese Zuschreibung problematisch sein und von strukturellen Nachteilen oder fehlenden Ressourcen ablenken?
    • Wie nutzt der Titel „Dirty White Trash“ ein Vorurteil (Stereotyp), um eine Gruppe von Menschen herabzusetzen? Was bewirkt es, dass das Kunstwerk diese Beleidigung so direkt aufgreift und mit dem sichtbaren Abfall verbindet?
    • Weshalb ist die Betrachtung von Upcycling als umweltbewusstes und trendy Hobby eine nur einseitige Perspektive? Welche Relevanz hat der Kontext, aus dem heraus Upcycling betrieben wird?
    • Die durch den Schatten abgebildeten Künstler*innen haben für den Haufen ihren gesammelten Müll von sechs Monaten verwendet. Inwiefern ändert diese Zusatzinformation das Verständnis der Arbeit?

    Praktische Phase: Müllmonster
    In dieser Phase setzen sich die Schüler*innen praktisch mit dem Müll auseinander. Die Aufgabe besteht darin, dass die Schüler*innen ein “Müllmonster” erschaffen. Wie auch in der zuvor besprochenen Arbeit sollen diese als Schatten und nicht als Objekt im Raum entstehen.

    Hierbei können sie sich an dem gesammelten Müll bedienen.

    Um die Aufmerksamkeit der Schüler*innen auf die Materialien und das Prinzip der Mülltrennung zu schärfen, sollte angeregt werden, auf Klebstoffe zu verzichten. Zum Beispiel können verschiedene Teile ineinander gesteckt werden.
    So können die Monster auch wieder zerteilt und die verwendeten Materialien sortenrein entsorgt werden.

    Die Schüler*innen erarbeiten die Monster in Gruppen und können mit einer mitgebrachten Taschenlampe oder dem Smartphone den Schattenwurf der verschiedenen Materialien fortlaufend erkunden. 

    Interessante Zwischenergebnisse werden fotografisch festgehalten. Wie bei Dirty White Trash werden die Schatten mit dem Müllhaufen zusammen fotografiert.


    Kollektiven Steckbrief erstellen
    Zu den fotografierten Monstern überlegen sich die Gruppen Geschichten in Form eines Steckbriefs. Woher kommt das Monster? Aus was besteht es? Welche Zukunft hat es? Was sind die Träume des Monsters? Für wen stellt das Monster eine Bedrohung dar? 

    Präsentation
    Die fotografisch dokumentierten Müllmonster-Schatten werden vor der ganzen Klasse gezeigt und jede Gruppe erzählt über ihre künstlerische Arbeit. Hier kann eine abschließende Besprechung stattfinden.

    Mögliche Weiterführung des Projekts
    Vielleicht bietet sich den Monstern ja auch eine Gelegenheit, im Rahmen einer Ausstellung ihre Geschichten dem Rest der Schule zu erzählen.

    Nachbereitung
    Es wird empfohlen, die Objekte nach Projektabschluss wieder auseinander zu nehmen und den Müll artgerecht zu trennen.

    Reflexion und Anmerkungen

    Die Stunden wurde vor der Veröffentlichung nicht unterrichtet.


    Info Autor*innen

    Anna studiert den Master Kunst und Kommunikative Praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien und das Unterrichtsfach Deutsch an der Universität Wien und hat Unterrichtserfahrung im Rahmen einiger Praktika sammeln können.

  • Von Beyoncé zur Heiligen Maria. Was geht da im Bild ab?

    Dauer:
    Entwickelt:
    Petz Haselmayer, im Dialog mit Nargol und Hannah

    Arbeiten von BiPoC-Künstler:innen wie Renee Cox und Beyoncé, die klassische Werke aus dem Kunstkanon zitieren und neu interpretieren dienen als Ausgangspunkt für eine Analyse und Diskussion über die Sichtbarkeit von BIPoC in der eurozentristischen Kunstgeschichte. Gleichzeitig kann im Vergleich mit den zitierten Originalwerken die Bedeutung von Ikonographie und die Aussagekraft von Symbolen thematisiert und kritisch mit Begriffen wie “Repräsentation, Gender und Macht” auseinandergesetzt werden.

    Die Arbeit an eigenen Neuinszenierungen bietet den Schüler*innen die Möglichkeit, die gemeinsam beobachteten künstlerischen Strategien auszuprobieren und zu erfahren, welche selbstermächtigende Wirkung die Repräsentation der eigenen Lebensrealität haben kann.

    Kurzbeschreibung

    Arbeiten von BiPoC-Künstler:innen wie Renee Cox und Beyoncé, die klassische Werke aus dem Kunstkanon zitieren und neu interpretieren dienen als Ausgangspunkt für eine Analyse und Diskussion über die Sichtbarkeit von BIPoC in der eurozentristischen Kunstgeschichte. Gleichzeitig kann im Vergleich mit den zitierten Originalwerken die Bedeutung von Ikonographie und die Aussagekraft von Symbolen thematisiert und kritisch mit Begriffen wie “Repräsentation, Gender und Macht” auseinandergesetzt werden.

    Die Arbeit an eigenen Neuinszenierungen bietet den Schüler*innen die Möglichkeit, die gemeinsam beobachteten künstlerischen Strategien auszuprobieren und zu erfahren, welche selbstermächtigende Wirkung die Repräsentation der eigenen Lebensrealität haben kann.

    Ziele

    • Fachbegriffe Kanon, Repräsentation, Referenz, Bildzitat, Ikonographie, Allegorie und Tableaux Vivant kennenlernen und deren Anwendung in der bildenden Kunst sowie in der Popkultur untersuchen
    • Bildanalytische Fähigkeiten entwickeln, um Bedeutungsebenen, Erzählungen und Botschaften in Bildern zu erkennen und zu interpretieren
    • Eine kritische Analyse von Darstellungen üben und Stereotype hinterfragen
    • Wirkungspotential von Neuinterpretationen ergründen
    • Verständnis für die Bedeutung von Bildzitaten fördern

    Materialien

    • Für die Kontextualisierung: Referenzarbeiten für alle Gruppen, Arbeitsblatt
    • Für das praktische Arbeiten: je nach Technik unterschiedliches Material

    Ablauf

    Einführung für Lehrkräfte 
    Hier findet sich eine inhaltliche Einführung für Lehrkräfte sowie Vorschläge, welche Bilder beispielsweise für die Stunde verwendet werden können.


    Einstieg
    Es werden Kleingruppen gebildet, die jeweils an einem Tisch sitzen und jeweils eines der, von der Lehrkraft ausgewählten, Bilder vor sich haben. Zusammen verfasst jede Gruppe eine Bildbeschreibung zu dem dort liegenden Bild. Hier soll über den Bildinhalt gesprochen werden, ohne diesen direkt mit Interpretationen aufzuladen.

    Anschließend stellt jede Gruppe ihre Bildbeschreibung im Klassenverband vor. Dabei können die Arbeiten während der Präsentation mit einem Beamer projiziert werden.

    Fragen an die Klasse und Kontextualisierung der Beispiele:  

    • Was haben die Bilder alle gemeinsam?  
    • Worauf wollen wir hinaus?  
    • Was ist das Thema?  
    • Wie sprechen wir darüber? 
    • Was wird gemacht?
    • Bedeutung und Klärung von Fachbegriffen:
    • Kanon
    • Repräsentation
    • Referenz
    • Ikonographie
    • Allegorie
    • Tableaux Vivant

    Bildspezifische Kontextualisierung:
    Die Gruppen sollen noch mehr über den Kontext und die Entstehung der Arbeiten herausfinden. Als Hilfestellung dient das Arbeitsblatt mit vorgeschlagenen Recherchefragen.

    Es wird davon ausgegangen, dass die Schüler*innen die originalen Bilder oder die Referenzen auf kunsthistorische  Bilder nicht kennen. Es werden ihnen deshalb die ursprünglichen Bilder bzw. ikonografische Referenzen aus der  Kunstgeschichte und Alltagskultur zur Verfügung gestellt, um sie mit den gezeigten Werken zu vergleichen. 

    Mögliche Fragen: 

    • Was wollen uns die Bilder erzählen? 
    • Was fällt euch jetzt auf? Welche Parallelen sind zuvor nicht aufgefallen? 
    • Welche Unterschiede sind zwischen den beiden Arbeiten zu finden und wie können diese interpretiert werden?
    • Welche Message, Erzählung steckt dahinter?
    • Wer spricht?
    • Wer wird nicht gehört?
    • Wer steht im Zentrum und wie?
    • Wie können die Darstellungen der Personen in den zitierten Arbeiten interpretiert werden?
    • Wie ändert sich die ursprüngliche Bedeutung (einzelner Objekte/ des gesamten Bildes) durch das Zitat und die Reinszenierung? 

    Die Rechercheergebnisse werden mit der Klasse geteilt. Der Moment kann als Anknüpfungspunkt für eine weiterführende Diskussion genutzt werden, die verschiedene Fragen verfolgen kann

    • Wie viel Wissen zu Werken des klassischen Kunstkanons braucht es, um die Zitate zu verstehen?
    • Wie viel darf oder kann an einem Original verändert werden, um noch als Zitat, Remake, Homage, Sample (eher in der Musik verwendet), … erkannt zu werden?
    • (Un-) Sichtbarkeit von BIPoC Körpern:
      • in der Kunstgeschichte
      • in religiösen Ikonographien 
      • in weiteren medialen Darstellungen?
    • Wie können wir Stereotype durchbrechen?

    Praktischer Teil
    Die Schüler*innen erstellen in Kleingruppen eigene Arbeiten zum Thema Ikonographie.Dabei können sie eines der bereits besprochenen Bilder als Grundlage für ihre Neuinterpretation wählen.
    Alternativ gibt es die Möglichkeit ein neues Referenzbild zu suchen (z. B. ein Filmstill, ein Medienbild o. Ä.), das besser zu ihrer eigenen Lebensrealität passt.

    Die in der Diskussion heraus gefundenen Assoziationen und Erkenntnisse zu bestimmten Symbolen und erkannten Änderungen in Stil, Darstellungsweisen oder Material können für die eigene Interpretation genutzt werden.

    Für die künstlerische Arbeit können Techniken wie Fotografie, Bildbearbeitung, Malerei, Zeichnung etc. verwendet werden. Es wird empfohlen, dass die Lehrperson einen Rahmen vorgibt, welche Techniken im Unterricht zur Verfügung stehen.

    Nach der Fertigstellung der künstlerischen Arbeiten verfasst jede Gruppe einen kurzen Werktext, der bei der Präsentation mit vorgestellt wird.

    Abschluss
    Präsentation der Arbeiten und Reflexion im Klassenverband 

    Reflexion und Anmerkungen

    Das Neu Interpretieren von Arbeiten aus dem klassischen eurozentristischen Kunstkanon wird hier als Selbstermächtigung und Chance verstanden, die eigenen Lebensrealitäten zu thematisieren und ihnen einen Platz zu geben.

    Gleichzeitig könnte ein Dilemma im Unterricht sein, einerseits Wertschätzung für BIPoC-Künstler*innen einzufordern, dabei jedoch (unbewusst) diskriminierende Reproduktionen zu ermöglichen.

    Zum Beispiel ist eine Frage die sich stellt, ohne eine vollständige Antwort geben zu können: Welche Problematiken tun sich auf, wenn Originalwerke von BIPoC hergenommen und von den Schüler*innen zitiert werden?

    Anhand der Arbeiten der Schüler*innen gäbe es praktische Beispiele, um in der Diskussionsrunde über kulturelle Aneignung vs. Appreciation zu sprechen.

    Eine weitere Möglichkeit ist die Problematik der kulturellen Aneignung und des Blackfacings (und weiteres…) bereits im Vorfeld zu benennen und dann erst die praktische Arbeit entwickeln zu lassen.. 

    Die Bildbeispiele können kontextuell sehr komplex und weit entfernt von den Lebensrealitäten der Schüler*innen sein. Popkulturelle Beispiele, wie die von Beyoncé, sind zugänglicher und haben bei der Durchführung besser funktioniert.

    Info Autor*innen

    Petz ist Assistenz der Abteilung Fachdidaktik – Vermittlung – Forschung in der Kunstuni in Linz. Davor unterrichtete dey neun Jahre in einem Gymnasium in Wien. Dey verwebt künstlerische, forschende und kunstpädagogische Praktiken mit queer-feministischen, post- und dekolonialen Perspektiven unter anderem in erinnerungspolitischen Interventionen und Projekten.

  • Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität?

    Dauer:
    Entwickelt:
    Lily Tischer

    Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität? Ganz so einfach ist es nicht. Beim Montieren, Zeit raffen, Videos neu zusammenschneiden, Sound bearbeiten und in der Diskussion exemplarischer Filmbeispiele hinterfragen die Schüler*innen die Produktion von Dokumentarfilmen.

    Kurzbeschreibung

    Der Dokumentarfilm als Wiedergabe der Realität? Ganz so einfach ist es nicht. Beim Montieren, Zeit raffen, Videos neu zusammenschneiden, Sound bearbeiten und in der Diskussion exemplarischer Filmbeispiele hinterfragen die Schüler*innen die Produktion von Dokumentarfilmen.

    Ziele

    • Multiperspektivische Erfahrungen auf Räume und Situationen öffnen
    • Eigene Rolle als betrachtende, beobachtende sowie performende Person erkunden
    • Blickrichtungen ändern und neue Perspektiven finden
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung durch dokumentarische Arbeitsweisen hinterfragen
    • Experimentieren mit verschiedenen Video- und Schnitttechniken wie Montage, Zeitraffer, Zeitlupe, Voiceover

    Materialien

    • Handys
    • Tablets
    • Schnittprogramm

    Ablauf

    Einführung:

    Verschiedene Formen des (dokumentarischen) Erzählens in Video/Film werden vorgestellt. Als mögliche Definition des Dokumentarfilms kann der Eintrag im Filmlexikon dienen.

    Mögliche Fragestellungen zur Hinführung an das Thema:

    Was ist ein Dokumentarfilm und was unterscheidet ihm zum Spielfilm? Welche Dokumentarfilme kennen wir?

    Wie hat sich der Dokumentarfilm historisch entwickelt und welche Formen gibt es?

    In welchem Verhältnis zur Wirklichkeit steht der Dokumentarfilm?

    Wie können Dokumentarfilme diesbezüglich kritisch hinterfragt werden?

    Exemplarischer Film:

    Als Beispiel für einen kontrovers diskutierten Dokumentarfilm wird Paris is Burning (Jennie Livingston) ganz oder in Auszügen angeschaut und anschließend gemeinsam diskutiert. Der Film kann auch anhand der Debatte im „Guardian“ besprochen werden.

    Weitere mögliche Fragestellungen:

    Was ist an dem Film kritisch zu hinterfragen

    Wer hat den Film gedreht?

    Welche Machtverhältnisse entstehen zwischen beobachtender Person und

    beobachteten Person und warum?

    Verfahrensweisen sprechen:
    Anhand des gezeigten Filmbeispiels können Verfahrensweisen wie Montage, Zeitraffer/-lupe und Voiceover, sowie deren Einfluss auf die Erzählstruktur und die unterschiedlichen Rollen von gefilmten Personen, Personen hinter der Kamera und betrachtenden Personen besprochen werden.

    (Wer beobachtet? Wer wird beobachtet? Aus welcher Perspektive wird auf Personen geschaut, wie deren Geschichte erzählt? In welchem Verhältnis stehen die verschiedenen Narrative zueinander?)

    Videoproduktion:
    Nun produzieren die Schüler*innen in Kleingruppen eigene Videodokumentationen über jeweils eine der anderen Gruppen. 

    Im Fokus der Videos soll die Differenz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung und das Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Narrativen stehen. Während der Produktion setzen sich die Schüler*innen mit Praktiken des dokumentarischen Erzählens auseinandersetzt und setzen gezielt die angesprochenen Verfahrensweisen ein. 

    Formelle Vorgaben für das Video:

    • Länge ca. 5 Minuten
    • Qualität von Handyaufnahmen ist ausreichend
    • in Gruppenarbeit erstellt

    Postproduktion 

    Aufnahmen können anschließend manipuliert und bearbeitet werden. Zum Beispiel Nachvertonung und Schneiden, auch schon vorhandenes Material darf verwendet werden. Dazu werden eventuell vorhandene Handys verwendet oder von der Schule zur Verfügung gestellte Tablets verwendet.

    Abschluss:

    Wenn die Montage abgeschlossen ist, werden in der abschließenden Doppelstunde alle Videos gemeinsam angeschaut und besprochen.

    • Welche Wirkung haben die Videos auf uns?
    • Welche filmischen Mittel wurden eingesetzt?
    • In welchem Verhältnis steht das Dargestellte zur erlebten Realität?
    • Wie fühlt ihr euch mit den über euch gedrehten Dokumentationen?
  • Im Fluss – Kreatives Schreiben als kooperative Praxis

    Dauer:
    Entwickelt:
    Franziska Adams

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Kurzbeschreibung

    Die Schüler*innen nähern sich dem kreativen Schreiben als Kunstform an. Konkrete Übungen, Arbeit und Austausch in Kleingruppen sowie ein anregendes DaDa Lautgedicht erleichtern das Schreiben. In der abschließenden Aufführung kann Sprache und Sprechen als (er)mächtigend erfahren werden.

    Ziele

    • Kreatives Schreiben und Vortragen als künstlerische Praxis entdecken
    • Prozesse wertschätzen lernen
    • assoziative Räume eröffnen und kultivieren
    • mit Worten und spontanen Assoziationen frei umgehen lernen
    • kollaborative kreativitätsfördernde Strategien als fächerübergreifende Methode begreifen
    • sich einem Thema ohne Bewertung, aber wertschätzend nähern
    • Sprache als machtvolles und formbares Material dekonstruieren lernen

    Materialien

    Pro Person 2 Papiere und ein Stift, mit dem sich gut schreiben lässt.

    Große Papierrolle für das gemeinsame Mapping: “Brücken bilden”

    Ablauf

    Brainstorming:

    Brainstormen von Vorstellungen, was kreatives Schreiben ist.

    Kritische Diskussion des Begriffs Kreativität und der Idee von Originalität. Vorstellen der Arbeitsweise von Remix Culture, die mit schon Vorhandenem arbeitet.

    Angeleitete Schreibübungen

    Eine Reihe kurzer Schreibübungen (1:30 min) helfen in Fluss zu kommen: Nach der Aufwärmübung ABC arbeiten alle in drei methodischen spielerischen Schritten Wortassoziationen – Brücken bauen – Springbrunnen an eigenen Mindmaps.

    Die Übungen eignen sich auch außerhalb des Kunstunterrichts als Methode, um Themen aufzumachen und thematisch auszubreiten.

    Brücken bilden

    Jede Person bringt nun einen eigenen Fundus an Wörtern, Sätzen, Assoziationen zum bestimmten Thema mit, in diesem Beispiel: „Im Fluss“.. Um die Angst vor dem weißen leeren Nichts zu nehmen, wird das Thema mittig auf ein großes Blatt Papier geschrieben und alle schreiben einen Satz aus den vorherigen Übungen dazu. Beim Lesen der einzelnen Sätze werden Brücken gebaut: Sätze mit Linien verbunden oder ergänzende Verbindungssätze dazugeschrieben. So entsteht eine Zeichnung sich begegnender Linien und Worte.

    Textarbeit in kleinen Gruppen (ca. 20min)

    Zufällig gebildete Kleingruppen arbeiten an eigenen Texten. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Herangehensweisen. Zum gesetzten Thema „Im Fluss“ kann entweder ein Gedicht geschrieben, oder ein Text aus einem Song, Gedicht, Zeitungsbericht, Werbung umgeschrieben und adaptiert werden.


    Aufführung

    Als Input zur Aufführung wird der Klasse ein Dada Lautgedicht zum Beispiel von Hugo Ball: “Karawane” vorgespielt. Als Lautgedicht oder auch Lautpoesie benannt, ist es vergleichbar mit abstrakter Malerei. Die Sprache bildet nicht mehr etwas ab, sondern wird rein formal angewendet. Die Gedichte nähern sich der Musik an. Der Impuls soll zu spielerischen und unkonventionellen Formen ermuntern. Eine historische Einordnung zu Dada als Kunstform bietet sich an.

    Das Lautgedicht lässt sich gut vorlesen und/oder als Video abspielen.

    Zur Vorbereitung der Abschlusspräsentation überlegt jede Gruppe (5 min), wie und in welcher Form sie ihren Text präsentieren will. Folgende Leitfragen helfen dabei: Ist Sprache noch erkennbar? Wiederholen sich Wörter? Soll Sound dazukommen? Hilft das Wiederholen von Wörtern zur Rhythmisierung? Wann spreche ich laut oder leise? Wer spricht von welcher Seite vom Raum? 

    Die Gruppe bespricht die verteilten Rollen der Beteiligten, sodass alle einen Weg finden, auf ihre eigene Weise etwas beizusteuern.

    Vor der Aufführung gibt die Lehrkraft folgende Hinweise: „Nichts wird dokumentiert. Die Aufführung existiert nur für den Moment. Es ist ein Experimentieren. Sich trauen, was auszuprobieren. Wahrnehmen, auf uns wirken lassen, Es geht heute nicht um das Bewerten. Ein Experimentierraum.“

    Reflexion und Anmerkungen

    • Die Ergebnisse können nachfolgend per Sound, gesprochener Text, Layout, Film etc. ausgebaut werden.
    • Wer die kritische Diskussion über Kreativität und den Glauben an Innovation vertiefen möchte, könnte den Text von Max Fuchs lesen
    • Oder allgemein Gisela Ulmann: “person, process, press, product